Duisburg: Wird die Pflege pflegeleichter? Laumann stellt sich Fragen von Azubis

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Minister Laumann besucht die I-Dötzchen der Pflegeschule Duisburg. FOTO UND COPYRIGHT: HANNES KIRCHNER 02-03-2018
 
Pflegerschüler im 2. und 3. Ausbildungsjahr schildern ihre Sicht der Probleme in Pflegeberufen FOTO UND COPYRIGHT: HANNES KIRCHNER 02-03-2018
 
FOTO UND COPYRIGHT: HANNES KIRCHNER 02-03-2018
Duisburg: klinikum niederrhein |

Wird die Pflege in NRW pflegeleichter? Nach dem Besuch des nordrhein-westfälischen Arbeits-und Gesundheitsministers Karl Josef Laumann in der Krankenpflegeschule Duisburg e.V. in Fahrn stellt sich die Frage. Laumann informierte über die neuesten Entwicklungen in der Pflegeausbildung. Der WA hat ihn dabei begleitet.

In der schicken, neuen Krankenpflegeschule mit rund 300 Auszubildenden und acht modern ausgestatteten Seminarräumen besucht Karl Josef Laumann (CDU) zunächst die 25 aufgeregten „I-Dötzchen“, die erst seit wenigen Tagen dabei sind und noch einen langen Weg vor sich haben. Schon dabei zeigt sich, dass die Schüler ganz unterschiedliche Vorgeschichten haben. Manchen kommen direkt nach der Schule, andere wollen beruflich umsatteln. Und noch andere arbeiten bereits seit Jahren in anderen Pflegebereichen.



Alle wünschen sich nach Abschluss ihrer Ausbildung, dass sie genügend Zeit und Erfahrung haben, sich Pflegebedürftigen zu widmen und ihnen mit qualifizierter Ausbildung unter die Arme zu greifen. Doch die Zahl der alten und kranken Menschen wächst stetig, und es fehlen Pflegekräfte an allen Ecken und Enden.

Kein Mangel an Geld, sondern an Ausbildungsplätzen

„Die Woche der Ausbildung“, initiiert von der Agentur für Arbeit, war Anlass für den Besuch des Landesgesundheitsministers in Duisburg, der die Schüler mit Informationen aus erster Hand beliefern konnte. „In der jetzigen Situation“, so Laumann, „bräuchten wir pro Jahr 20.000 zusätzliche Pflegekräfte in Deutschland, davon allein 5.000 in Nordrhein-Westfalen." Das Problem liege seiner Meinung nach nicht an dem Geldmangel: „Die Krankenkassen haben 18 Milliarden Euro an Rücklagen.“ Man müsse eher die Zahl der Ausbildungsplätze erhöhen. Laumann appelliert daher an die Ausbildungsträger in den Pflegeberufen, ihre Kapazitäten auszubauen und die Pflegeschulen zu vergrößern, um den Fachkräftemangel aufzufangen.
Die Krankenpflegeschule Duisburg e. V. hat in Laumanns Augen Vorbildcharakter, denn sie habe in diesen Bereich investiert. Schulleiter Walter Topel ergänzt, dass hier die Zahl der Ausbildungsplätze in den vergangenen acht Jahren von 150 auf 270 erhöht wurde. Auch in neue Räumlichkeiten und Ausstattung sei investiert worden.
Neben modernster Medientechnik gibt es hier beispielsweise Praxisräume in Form von Trainingskrankenzimmern mit Betten, Rollatoren, Rollstühlen und anderen Hilfsmitteln Hier können die Azubis Handgriffe und den Umgang mit Patienten und Pflegegeräten erstmal an Puppen und Mitschülern trainieren, bevor man sie auf Patienten loslässt.
Karl Josef Laumann hat noch weitere Vorschläge für eine Verbesserung der Pflegesituation: Er bezeichnet den hohen bürokratischen Aufwand im Pflegebereich als „verrückt“. Man müsse „die Pflegeberufe durch die Entlastung von bürokratischen Aufgaben attraktiver gestalten“. Da es auch an Lehren fehle, sei man im Gespräch mit den Hochschulen, damit dort mehr ausgebildet werde.

"Herzrasen unter Zeitdruck"


Im Gespräch mit Pflegeschülern im zweiten und dritten Ausbildungsjahr wollte Laumann wissen, wie diese die Stimmung bei der Pflegepraxis im Krankenhaus empfinden.
Die 28-jährige Dalila Akkar hat bereits sieben Jahre lang in der Altenpflege gearbeitet und ist jetzt im zweiten Jahr ihrer Krankenpflegeausbildung. In beiden Bereichen empfindet sie den Zeitdruck bei der Arbeit mit den Patienten schon fast als Körperverletzung. „Ich kriege schon Herzrasen, wenn ich mal fünf Minuten länger bei einem Patienten im Raum bleibe“, klagt sie, „dabei liebe ich meine Arbeit, und es erfüllt mich, wenn ich anderen Menschen etwas Gutes tun kann.“ Sie kritisiert die mangelnde Wertschätzung für die Pflegeberufe, den Zeitdruck und die zu geringe Bezahlung. Auch die anstehende, generalistische Pflegeausbildung bereitet vielen Azubis Kopfschmerzen.

Drei Pflegeberufe-eine Ausbildung

Ab 2020 sollen Kranken-, Kinder-und Altenpflege in ein Berufsbild zusammengeführt werden. In der Ausbildung würden alle Azubis zunächst zwei Jahre lang gemeinsam unterrichtet und könnten sich im dritten Jahr spezialisieren.
Ziel soll die Ausbildung zur Pflege von Menschen aller Altersstufen in allen Versorgungsbereichen sein. Damit stünden diesen Auszubildenden auch im Berufsleben mehr Einsatz- und Entwicklungsmöglichkeiten offen, heißt es. Mit Einführung der Generalistik 2020 müssen die Azubis auch kein Schulgeld mehr bezahlen und erhalten eine Vergütung.

Zeitdruck ein Kernproblem

„Das ist auch gerechter“, findet Minister Laumann, denn bisher wurde den Ärzten und Apothekern das Schulgeld vom Staat bezahlt, und alle anderen mussten die Ausbildung aus eigener Tasche bezahlen.“
Kritiker der Dreifachausbildung befürchten einen Qualitätsverlust bei den Fachkräften, weil die Zahl der praktischen Unterrichtsstunden auf drei Bereiche umverteilt werden soll.

Laumann will die Pflegekammer

Einige Schüler der Duisburger Pflegeschule wünschen sich mehr Unterstützung im Pflegebereich. Sie hatten Minister Laumann bei ihrem Streben nach einer Pflegekammer ganz auf ihrer Seite, denn er befürwortet ausdrücklich eine Interessenvertretung für die 1,2 Millionen Beschäftigten im Lande. „Bisher haben bei den Entscheidungen über die Pflege nie die Pflegekräfte selbst am Tisch gesessen“, kritisiert er, „ deshalb sind Stellen in der Pflege und nicht bei den Ärzten gestrichen worden."
Im NRW-Koalitionsvertrag wurde bereits im Juni 2017 die Einrichtung einer Interessenvertretung für den Pflegebereich beschlossen. Laumann versprach den Schülern, dass es schon in Kürze eine repräsentative Umfrage dazu unter den Pflegekräften geben wird.

Wissenswertes
Im Internet gibt es viele Adressen mit Informationen zu den kommenden Änderungen im Pflegebereich
Der Pflegerat NRW ist hier Ansprechpartner, ebenso wie der Förderverein zur Errichtung einer Pflegekammer. Pflegewiki ist ein neutraler Tipp.
Wer möchte, kann in den sozialen Netzwerken mitzudiskutieren: Auf Facebook gibt es die Gruppe Pflegekammer NRW Info-Austausch, auf Twitter Pflegekammer NRW.
Infos zur Krankenpflegeschule Duisburg e.V. bekommen sie unter der Rufnummer 0203 / 508-1350 oder im Netz: www.enkln.de/Krankenpflegeschule
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