Essen-Nord hat gewählt
Warum kotzen sie?
- Foto: KI
- hochgeladen von Susanne Demmer
„Kotz“ - kurz und knapp kommentieren auffallend viele „Internetschreibergrößen“ das Wahlergebnis der AfD im Essener Norden. Mancher, der sonst ellenlange Texte schreibt, schmeißt nur ein hämisches Emoji in die Spalte. Was haben diese Menschen denn gegessen, dass sie sich nun übergeben müssen? Oder steckt vielmehr die bekannte „Nord-Bulimie“ dahinter? Nach dem seltenen Heißhunger, sich auch mal hastig ganz viel „Fremdarmut“ einzuverleiben, folgt flott der Finger-im-Hals-Schritt und dann raus mit dem unappetitlichen Thema. Am Ende des Tages wendet man sich zufrieden der eigenen Speisekammer zu, die "Gesundes und Gutes" aus dem Unverpackt- oder Bio-Laden bereit hält. Den Überfluss trägt man wohltäterisch zu den Gabenstellen der Stadt.
Viel bekömmlicher ist es auch, wenn in sedierender Dauerschleife Dumpfheiten wie „Der Norden fühlt sich abgehängt“ bedient werden oder man angesichts der enormen Probleme aus Armut, Segregation, mangelnder Bildung und extremer Ungleichheit zum Putzen aufruft oder Blumensamen verteilt.
Wer sämtliche Probleme des Nordens seit Ewigkeiten ignoriert und mit dramatischer Empörung so tut, als hätten böse Kräfte hier irgendwelche „Import-Nazis“ installiert, die das verblödete Volk wahlversklavt haben, sollte hinterfragen, warum die dauerpräsenten und von ihnen dauerbeklatschten „Demokratieschützer-Events“ im Essener Norden nicht verfangen und nahezu keinen Nichtwähler animiert haben, nun zu wählen. Es mag einem nicht gefallen, aber die AfDler sind Leute von hier. Und die waren auch schon Leute, bevor sie AfDler wurden. Muss einem nicht schmecken, liegt aber auf dem Gesamtstadt-Teller. Da kann man würgen, da kann man aber auch sorgfältig sezieren.
Fakt ist: Abertausende Hilfeschreie aus dem Norden verhallten Jahr für Jahr. Der unvermeidliche Rückzug in „die eigenen vier Wände“ oder in andere Stadtteile spaltete still die Bürgerschaft und öffnete Tür und Tor für Parallelgesellschaften jeglicher Art. Der Heimatverlust wurde stetig sicht- und spürbarer. Eine gestörte Beziehung zwischen Mensch und Raum wuchs und wuchs. Anstatt den Problemen zu begegnen, entschied man sich auch 2025 für einen völlig entpolitisierten Wahlkampf und warf mit Wohlfühlgeschichten um sich. Käffchen, Kuchen, Bier und Radfahren als Zeichen der Bürgernähe, Kuscheligkeit statt politischem Willen. Jetzt steht man bedröppelt da und sieht sein „Weiter so“ bedroht. „Gummibärchen für die Doofen“ kontra „Bestandswahrung für die Goldbären“ funktioniert nicht mehr einwandfrei.
Es sind keine naiven Nostalgiker, die die fehlende Identität in ihren nördlichen Stadtteilen beklagen, sondern Menschen, die seit langer Zeit klar und deutlich die verheerenden Folgen zahlreicher Verluste benennen. Der Wegfall von Krankenhäusern, Arztpraxen, Fußball- und Bolzplätzen, Kinos, Kneipen, Kegelbahnen, Karnevalsumzügen, klassisch (deutsch) geprägtem Einzelhandel in den Quartieren, Kirchen, Restaurants, Minigolfplatz, Freibad, etc. führte zu einer gefährlichen Verknappung der Orte des sozialen Miteinanders. Das fanden die Bürger des Nordens übrigens zum Kotzen. Und das haben sie immer und immer wieder gesagt, quasi bis zum Abkotzen. Auf ihre Bitten, Forderungen und Anregungen reagierte man beständig mit einem NEIN! Man tat so, als hätte hier nichts mit nichts zu tun und zeigte an anderer Stelle der Stadt, was alles möglich ist, wenn man nur will.
N-S-G, Zwinkersmiley, Peace-Zeichen, Punkt.
Community:Susanne Demmer aus Essen-Nord |

Sie möchten kommentieren?
Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.