Ab in die Alpen ... Schreinerwerkstatt-Mitarbeiter mit Behinderung arbeiten in 2200 Metern Höhe

Zusammen mit weiteren Ehrenamtlern aus Essen halfen auch sechs behinderte Werkstattmitarbeiter der GSE bei der Instandsetzung der Essener Rostocker Hütte im Maurertal in Osttirol tatkräftig mit. | Foto: Namyslo/ Nast GSE
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  • Zusammen mit weiteren Ehrenamtlern aus Essen halfen auch sechs behinderte Werkstattmitarbeiter der GSE bei der Instandsetzung der Essener Rostocker Hütte im Maurertal in Osttirol tatkräftig mit.
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"Wir sind einzeln aufgestiegen und als Team wieder heruntergekommen", fasst GSE-Gruppenleiter Robert Nast die Eindrücke der Alpentour zusammen: Sechs Werkstattmitarbeiter mit Behinderung halfen ehrenamtlich dabei, in 2200 Höhenmetern die Essener Rostocker Hütte der Sektion Essen des Alpenvereins wieder auf Vordermann zu bringen.

Bereits der 800 Meter lange Aufstieg war eine Herausforderung - trotz der zuvor am Bottroper Tetraeder eingelaufenen Bergstiefel. Bis 1400 Meter Höhe kam der Bus voran, dann ging es nur noch per pedes über Geröll und Schneebretter weiter. "Diejenigen, die fitter waren, haben den Schwächeren allerdings gleich geholfen", erinnert sich Robert Nast an die Anfänge der Alpentour, die sowohl den GSE-Werkstattmitarbeitern mit Behinderung, als auch Waldemar Namyslo und Robert Nast als Betreuer lange in Erinnerung bleiben wird. Während das GSE-Team den zum Teil sehr steilen Aufstieg bewältigte, reiste das Werkzeug per Materiallift dorthin, wo die Luft dünner wird. Ein Teil des Materials wurde auch mit dem Hubschrauber verladen. "Das war ganz großes Kino", sind sich alle einig.
Die Idee zur Tour lieferte den beiden Gruppenleitern der Schreinerei der GSE-Werkstatt in Frillendorf die morgendliche Zeitungslektüre. "Die Sektion Essen des Deutschen Alpenvereins suchte ehrenamtliche Helfer für Ausbesserungsarbeiten an einer Hütte im Maurertal", erinnern sich Nast und Namyslo. So entstand der Plan, mit einer guten Handvoll Schreinern anzureisen und gemeinsam mit anderen Ehrenamtlern im Team die Essener Rostocker Hütte wieder auf Vordermann zu bringen.
Bei GSE-Geschäftsführer Heribert Piel, selbst passionierter Alpinist, stieß diese Idee sofort auf Gegenliebe, zumal er bei einer privaten Alpentour selbst in der Essener Rostocker Hütte zu Gast war.
"Als begeisterter Bergsteiger weiß ich, was dieses Erlebnis mit jungen Männnern macht", betont Piel. Und er sollte recht behalten. Trotz sieben Tagen harter Arbeit nonstop blieben alle bei der Stange und schwärmen heute von ihren Erlebnissen in Osttirol. "Das würden wir jederzeit wieder machen", ist die einhellige Meinung - und das Leuchten in den Augen ist unverkennbar.
Vor Ort zu tun gab es eine ganze Menge: Ein Sechsbettzimmer musste als Unterkunft für Bergführer umgebaut werden, mit Sitzecke unter dem Hochbett und kleinem Schreibtisch zur Ausarbeitung von Touren. Eine Bunkertür im Außenbereich der Hütte, hinter der sich das Materiallager befindet, musste ersetzt und neu mit Holz verkleidet werden. Zudem musste der Bunker an die Landschaft angepasst und mit Steinen umsäumt werden.
Eine Menge Arbeit also für nur sieben Tage am Ort in manchmal doch recht kühler Höhenluft. Dennoch blieb abends noch Zeit fürs Gemeinschaftsgefühl: Ein Lagerfeuer vor Alpenpanorama prägt sich in jedes Gedächtnis - und bei Gesellschaftsspielen und Erfrischungsgetränken war das Zusammensein auf Augenhöhe mit den Gruppenleitern auch eine ungewohnte Konstellation für die Werkstattmitarbeiter.
Doch das zahlt sich bis heute aus: "Unser Verhältnis ist jetzt persönlicher", betont Waldemar Namyslo. Dies wirke sich auch positiv auf die Einstellung zur Arbeit aus. "Alle sind pflichtbewusster."
Themen wie Inklusion oder Integration seien in 2200 Metern Höhe übrigens kein Diskussionsgegenstand, fügt Robert Nast abschließend hinzu: "Da redet man nicht drüber, das wird einfach gelebt!" Vor solch gigantischer Kulisse arbeitet das GSE-Schreiner-Team sonst nicht...

Autor:

Petra de Lanck aus Essen-Süd

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