„Wir paar Männeken können nicht alles retten“

Die Leiterin der Essener Denkmalbehörde Dr. Petra Beckers umrahmt von Teamkolleginnen und Vorstandsmitgliedern der CDU Werden.
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Heiße Diskussionen um Denkmalpflege und Denkmalschutz in Werden

Der CDU-Ortsverband Werden hatte sich ein ganz heißes Eisen zur Brust genommen. Es sollte um Denkmalpflege und Denkmalschutz in Werden, Heidhausen und Fischlaken gehen.

Als Gast konnte Vorsitzender Hanslothar Kranz die Leiterin des Essener Denkmalbehörde begrüßen. Dr. Petra Beckers hatte gleich zwei Mitarbeiterinnen ihres Teams im Gepäck, um vielfältige Fragen beantworten zu können. Nach dem Krieg wurde mehr abgerissen, als während des Krieges zerstört wurde. Erst spät entstand ein Gefühl für die Notwendigkeit von Denkmalschutz, als erstes Baudenkmal in Essen wurde am 14. Februar 1984 eingetragen: Die Ehemalige Abtei Werden mit Stadtmauer, Preußenflügel und Turm. Die Leiterin berichtete von einer chronischen personellen Unterbesetzung ihres Institutes, die schlicht und einfach eine Fokussierung auf das Allernötigste erzwinge: „Wir paar Männeken können nicht alles retten.“ Dabei stand Werden vor rund 20 Jahren schon auf der Schwelle, ein sogenannter Denkmalbereich zu werden: „Wir waren schon bei der Bürgeranhörung“. Dann beschloss die damalige Stadtspitze jedoch drastische Einsparung und das Projekt, große Teile des Abteistädtchens in einen denkmalgeschützten Bereich zu verwandeln, war Geschichte. Petra Beckers: „Ich hätte mir damals einen Aufschrei erhofft. Dem war aber nicht so.“ Sollte der Denkmalbereich Werden jetzt doch eingerichtet werden, bräuchten sie mindestens eine zusätzliche Personalstelle. In Kettwig zum Beispiel umfasse der Bereich 125 Baudenkmäler. Da müsse jede Veränderung bearbeitet werden, an den Häusern, aber auch an Wegen oder der Beleuchtung: „Wir können nicht mehr. Wir schaffen das nicht!“ Hanslothar Kranz nannte ein Beispiel für die Beschränkungen im Essener Denkmalschutz: „Duisburg hat zum Beispiel gleich sieben Archäologen, Essen nur einen einzigen. So sieht das aus.“

Für Einzelinteressen missbraucht

Überhaupt hat Petra Beckers mittlerweile immer häufiger den Eindruck, für jeweilige Einzelinteressen missbraucht zu werden: „Man wird richtiggehend zum Vehikel gemacht. Darauf habe ich keine Lust.“ Auch werde oft behauptet: „Das Denkmalamt hat’s verboten.“ Und dann stimme das überhaupt nicht…
Ein weiterer Diskussionspunkt waren die drohenden Kirchenschließungen, die im Pfarrei-Entwicklungsprozess des Bistums angegangen werden. Einige der von Kardinal Hengsbach forcierten „Pantoffel-Kirchen“, also fußläufig erreichbar, sind gefährdet. Das sei oft tragisch, doch hier arbeite man wirklich gut zusammen. Das Bistum zeige sehr wohl Interesse, die wirklich qualitätsvollen Gebäude zu erhalten. Wobei eine Unterschutzstellung sowieso nur deren Erhalt bedeute, nicht aber den Beibehalt der ursprüngliche Nutzung. Außerdem sei sie der Meinung, zunächst müssten die Differenzen in den Kirchengemeinden untereinander geklärt werden.
Immerhin konnten kleine positive Schritte erwähnt werden. Bei der Mauer der Evangelischen Kirche Werden stagniert die Sanierung, doch Petra Beckers gab Entwarnung: „Da geht es bald weiter.“ Nähere Details waren ihr aber nicht zu entlocken. Auch wird entgegen der Befürchtungen das Haus der Gaststätte Jansen im Wesselswerth nicht abgerissen. Der ganze Straßenzug dort mit seinen Gründerzeithäusern gehöre unter Schutz gestellt, meinten Anwohner wie Michaela und Jan-Peter Hazebrouck. Es habe aber ablehnende Bescheide gegeben: „Wo bleibt da das Gespür fürs Erhaltenswerte?“ Doch Petra Beckers hielt die Tür einen Spalt offen: „Aufgrund der Erfahrungen im letzten Jahr haben wir das zuständige LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland gebeten, sich diesen Bereich noch einmal genau anzuschauen.“ Das wären rund 30 Gebäude, es könne also dauern.

Überraschende Stellungnahme

Als Straßenzug bereits denkmalgeschützt ist seit 2010 der vordere Teil der Forstmannstraße, ehemals Hochstraße. Hier schwanken die Menschen zwischen dem Stolz, ein solches Denkmal zu besitzen, und dem Ärger über zusätzliche Mühen und Kosten. Doch nun würden einige dieser Werdener ihren Denkmalschutz am liebsten aufheben lassen: Da das in ihren Unterlagen als Begründung dominierende Jugendstilhaus am Rondell mit dessem ebenfalls unter Denkmalschutz stehenden Bronzestandbild von Friedrich III abgerissen werde, sei der Denkmalgrund verwirkt. Was sie diesen Bürgern sage, wurde Petra Beckers gefragt. Die Antwort musste sie schuldig bleiben und verlas eine überraschende Stellungnahme: Da der Besitzer des Kaiser-Friedrich-Hauses beim Verwaltungsgericht Gelsenkirchen um vorläufigen Rechtschutz ersucht habe, dürfen die Stadt Essen und damit auch alle ihre Mitarbeiter keine diesbezügliche Erklärungen mehr abgeben: „Ein schwebendes Verfahren. Ich hätte sicherlich Erhellendes zu diesem Fall sagen können. Aber ich darf mich nicht dazu äußern. Vor einer Woche hätte ich vielleicht noch etwas sagen dürfen.“ Anwohnerin Teresa Groner hakte nach. Sie habe gemeinsam mit Barbara Vlijt im vergangenen Jahr innerhalb von nur zwei Tagen über 400 Unterschriften gegen den Abriss gesammelt und diese an das Institut weitergeleitet. Auch hatten sie gefragt, was denn genau das Wörtchen „vorläufig“ bei dem Denkmalschutz zumindest für die Fassade bedeute, aber keinerlei Antwort erhalten. Da musste Petra Beckers zugeben: „Das haben wir übersehen. Dafür entschuldige ich mich.“ Der offenen Diskussion war sichtlich das Feuer genommen, doch immerhin konnte ein kleiner Hoffnungsfunken gesichtet werden. Hanslothar Kranz will sich dafür einsetzen, zusammen mit Johannes von Geymüller und Dietmar Rudert ein vermittelndes Gespräch mit dem Eigentümer führen zu können. So könne vielleicht erreicht werden, dass zumindest der das Kaiser-Friedrich-Haus ersetzende Neubau architektonische Klasse habe „und nicht so ein Schuhkarton“ werde. Ein Neubau mit Qualität könne sicherlich die Wogen glätten: „Warum nicht einen Wettbewerb ausloben?“

Die Leiterin der Essener Denkmalbehörde Dr. Petra Beckers umrahmt von Teamkolleginnen und Vorstandsmitgliedern der CDU Werden.
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Am Wesselswerth gibt es viele Häuser im klassizistischen Stil, so auch die alte Gaststätte Jansen. 
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Autor:

Daniel Henschke aus Essen-Werden

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