Bronyah bedeutet „Weihnachten“

Tony Gyamfi Bronyah und seine Frau Philomena.
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Studiert, feiert, missioniert und leitet Hilfsprojekte im Namen des Herrn: Pastor Tony Gyamfi Bronyah von der „God Is Able“-Gemeinde in Frohnhausen.


Zuerst ein Gebet, sagt Anthony Gyamfi Bronyah, faltet die Hände und los geht es mit ein paar Worten (in Englisch): „Danke, Herr, dass du diesen Besuch hergeschickt hast …“
Der schmale, asketisch und zugleich agil wirkende 60-Jährige wurde in Ghana geboren und kommt aus einem gläubigen Elternhaus. Schon seine Eltern waren als christliche Presbyter aktiv. Und Anthonys Vater hat den Sohn schon früh ermutigt, Geistlicher zu werden. Die Voraussetzungen für den Pfarrberuf waren auch deswegen günstig, weil die Familie wohlhabend war. „Mein Vater fuhr 1973 schon einen Mercedes“, bemerkt Gyamfi Bronyah nebenbei.
Berufsweg vorgezeichnet, und alles ging seinen Weg? Nein – der Sohn hatte andere Vorstellungen. Er studierte Rechnungswesen in der ghanaischen Hauptstadt Accra. Und arbeitete anschließend als Buchhalter. Bis 1994, dem Jahr in dem in Gyamfi Bronyahs Leben äußerlich gar nichts Einschneidendes passierte, innerlich aber enorm viel. Rückblickend nennt der Pastor das, was er verspürte, feierlich „Gottes Ruf“. Die Botschaft war: Wechsle den Beruf, lass alles hinter dir und widme dein Leben Gott. Anthony gab seinen Job auf. Und studierte Theologie. Seinen Vater, der zwischenzeitlich verstorben war, hätte es gefreut.

Apostolische Christen

So ein Bruch – oder Durchbruch – in der Biografie scheint der apostolischen Glaubensgemeinschaft, der Pastor Gyamfi Bronyah angehört, voll und ganz zu entsprechen, nennt sie sich doch neben „God Is Able Ministries“(G.A.M.I.) auch „The House of Uncommon Breakthroughs“ (dt.: Haus der außerordentlichen Durchbrüche). Die Apostolische Kirche ist eine evangelische Freikirche, die ihre Wurzeln in der „Erweckungsbewegung“ Anfang des 20. Jahrhunderts in England hat. Das europäische Zentrum der G.A.M.I.-Glaubensgemeinschaft befindet sich in London.
Pastor Gyamfi Bronyahs erste Station in Europa waren in den 1990er-Jahren die Niederlande. Von Amsterdam aus besuchte er seine Frau Philomena, die er in Ghana kennen und lieben gelernt hatte, in Deutschland. Philomena arbeitete in Essen. So kam es, dass Anthony vor 16 Jahren ganz an die Ruhr zog und damit begann, eine eigene Essener Gemeinde aufzubauen. Damit wollte er nicht nur eine Heimat für Migranten schaffen, sondern auch den Glauben in Deutschland verbreiten.
Nach Anfängen in Kray überließ die katholische Kirche der G.A.M.I.-Community Räume der Kirche St. Mariä Geburt in Frohnhausen. Mittlerweile heißt St. Mariä Geburt „Lighthouse“ und ist Konferenz- und Konzerthaus. Trotzdem trifft sich Pastor Tonys Gemeinde mit dem Einverständnis des neuen Betreibers, des Evangelisch-Freikirchlichen Sozialwerks Essen, weiterhin im Untergeschoss des Gebäudes.

Sonntags groovt der Saal

Einzelne Gläubige kommen mittwoch- oder freitagabends zur Bibelstunde in den farbenprächtig dekorierten Gemeinderaum, und sonntags finden die Gottesdienste mit 30 bis 40 Gemeindemitgliedern statt, die überwiegend afrikanische Wurzeln haben.
Die Sonntagsandachten können bis zu drei Stunden dauern und sind aus nüchterner deutscher Sicht eine ausgefallene Mischung aus Glaubensunterweisung und Partystimmung: Auf Gebete folgen Bibelauslegungen, gemeinsames Zeugnisablegen und Pastor Tonys Predigt in Englisch und Aschanti, seiner westafrikanischen Muttersprache. Je nach Publikum gibt es auch ein paar Worte auf Deutsch oder Französisch, spontane Sprachenwechsel inbegriffen.
Nach der Predigt reiht sich der Pastor in die Gemeindeband ein und spielt E-Gitarre. Seine Frau singt zusammen mit vier anderen Sängerinnen. Keyboard, Schlagzeug und Bass sind auch dabei, kurz: Der Saal groovt im Namen des Herrn. Na klar, man feiere Christus, sagt Tony Gyamfi Bronyah, blättert in seiner englischen Bibel und hat rasch die passende Stelle parat: „Come to me to clap your hands“ (dt: Kommt zu mir, um in die Hände zu klatschen).

Orientierung und Lebenshilfe

Ein weiteres Ziel der Gemeinde ist es, die Gesellschaft im christlichen Sinne zu beeinflussen, da zu sein, wo es Probleme gibt. Zum Beispiel im Uni-Klinikum, wo Gyamfi Bronyahs Frau Philomena arbeitet. Sie sähen, sagt der Pastor, wie viele kranke, oft junge Leute es dort gebe, die Drogenprobleme hätten, rauchten, an der Flasche hingen. Sein Befund: „So können sie keine verantwortungsvollen Bürger sein.“ Solchen Menschen versucht er Orientierung und Lebenshilfe zu geben. „Und wenn wir sie nicht erreichen, beten wir“, sagt er. Denn die Botschaft sei einfach und klar umrissen: „Jesus liebt dich!“. Aktuell plant die Gemeinde außerdem, Kinder mit Behinderungen in größerem Umfang zu unterstützen.
Wenn man Pastor Anthony nach seinen Hobbys fragt, winkt er ab und zeigt auf die apostolische Bibel, in der haufenweise Notizen in seiner winzigen, akkuraten Handschrift stecken: „Ich habe genug zu studieren.“ Zudem hat seine Tochter, die ebenfalls in Essen lebt, vor Kurzem ihr erstes Kind bekommen, das beschäftigt die ganze Familie. „Übrigens bedeutet der Name Bronyah auf Deutsch ‚Weihnachten‘“, strahlt der frisch gebackene Großvater. „Remain blessed. Bleiben Sie gesegnet.“

Autor:

Mareike Ahlborn aus Essen-Süd

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