Traumberuf Erzieher? Keine Frage für Suat Sayin –seit über 18 Jahren mit Leib und Seele im Beruf

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„Allerdings“, muss der junge Mann mit türkischen Wurzeln augenzwinkernd einräumen „meine Berufswahl fanden viele schon ungewöhnlich! Ich glaube, mein Vater hat bis heute keine wirkliche Vorstellung davon, was genau ich hier mache!“ Das hat ihn vor gut 18 Jahren aber keineswegs davon abgehalten, sich für seinen ganz persönlichen Traumberuf zu entscheiden. „Ich hatte die Wahl zwischen Einzelhandelskaufmann und Erzieher – und bis heute habe ich meine Entscheidung nie bereut!“

VON JULIA COLMSEE

Morgens um 9 Uhr ist ganz schön was los in der Kindertagesstätte „Phantasia“ des Arbeiter-Samariter-Bundes. Eltern mit ihren Kindern trudeln ein, andere sind bereits in ihrer Gruppe angekommen oder spielen auf den Fluren – laut und lebendig! So soll es sein! Und doch ist hier etwas anders als in den meisten KiTas – denn an der Diergardtstraße steht ein waschechter Erzieher seinen Mann.
5,85 Prozent – das ist die Quote der männlichen Erzieher im Jahr 2018 laut einer offiziellen Statistik des Bundes. Suat Sayin ist also ein echtes Unikat! „Das stimmt“, findet auch der sympathische junge Mann mit den dunklen Locken, dem man so gar nicht die 40 Lebensjahre ansieht – Kinder halten offensichtlich jung! „Hinzu kommen noch meine türkischen Wurzeln. Erzieher ist für einen Mann nicht unbedingt die klassische Berufswahl!“ Stress habe es deshalb in seiner Familie allerdings nicht gegeben – zu keinem Zeitpunkt! „Meine Mutter fand meinen Wunsch, Erzieher zu werden, völlig okay. Immerhin habe ich immer auf meine Cousinen aufgepasst – und das hat sehr gut geklappt!“ Sein Vater habe sich mit seiner Entscheidung ein wenig schwerer getan – und sei daher zum Einstellungsgespräch auch lieber mal mitgegangen. „Das war mir zwar etwas unangenehm… aber da musste ich durch!“
Die Kinderpsychiatrie des Klinikums und der Waldorfhort waren nach der Ausbildung seine ersten, beruflichen Stationen. „Sehr unterschiedliche Bereiche, keine Frage! Und man nimmt natürlich auch die verschiedensten Erfahrungswerte mit!“ Nicht nur das – Suat Sayin ließ sich außerdem zum Motopäden und Zirkuspädagogen weiterbilden.
Seit 2016 ist er jetzt als Gruppenleiter der „Glücksdrachen“ in der KiTa Phantasia tätig. „Am Anfang wurde ich schon von den Eltern beäugt – aber ich denke nicht nur, weil ich ein Mann bin. Ich habe in der Gruppenführung einige Änderungen vorgenommen. Eine offene Arbeit ist mir beispielsweise unglaublich wichtig!“ Dazu gehöre auch, dass Eltern gerne mit in die Gruppe ihres Kindes kommen können. „Transparenz heißt das Zauberwort. Ich gehe davon aus, dass die Eltern gerne wissen möchten, was in der KiTa ihres Kindes stattfindet. Also erstellen wir einen Wochenplan und hängen ihn aus, haben ein extra ausgeschriebenes Monatsthema und gestalten unsere Aktionen sehr offen. Und wie gesagt: Besuch ist willkommen!“ Seine freundliche Art nahm die Gruppeneltern sehr schnell für den „Neuen“ ein – dass er die Familien prinzipiell mit Namen anspricht spielte hierbei sicherlich auch eine Rolle!
20 Kinder im Alter von zwei bis sechs Jahren gehören zu seinen „Glücksdrachen“ – Kinder mit unterschiedlichsten Erfahrungen und Hintergründen. „Meine türkischen Wurzeln sind hier sicherlich nicht von Nachteil – manchmal schafft es einfach Vertrauen ganz ohne aktives Dazutun! In der möglichst engen Zusammenarbeit zwischen Erziehern, Eltern und Kindern sehr wichtig!“
Wenn er heute auf die Frage nach seinem Beruf mit Erzieher antwortet, erntet Suat Sayin häufig ungläubige Blicke. „Verdient man da nicht so wenig? Kann man davon eine eigene Familie ernähren? Reicht Dir denn Malen, Singen und Klatschen? Das sind so die üblichen Klischees. Dass wir Kinder in den KiTas nicht nur beaufsichtigen und ‚verwahren‘, sondern ganz gezielt fördern versuche ich dann zu erklären. Dass sehr komplexe, pädagogische Konzepte dahinterstecken – für jedes einzelne Kind! Und die Freude in den Kinderaugen zu sehen… wenn sie mir mit einem stolzen ‚Guck mal‘ zeigen möchten, was sie geschafft haben – das ist für mich das größte Glück! Reichtümer verdient man sicher nicht – aber wer sich gerne mit Kindern beschäftigt, der kann hier seine Passion finden. Und das ist doch irgendwie wichtiger im Leben, oder?“

Autor:

Julia Colmsee aus Essen-Süd

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