"Sag, bin ich dein Freund?"

Freud und Leid liegen eng beieinander in der Geschichte der Czardasfürstin. Foto: Pedro Malinowski/MiR
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Wenn der Kanadier Mark E. Murphy als Graf Bonifazius Kancsianu, kurz gesagt „Boni“, mit ungarischem Akzent auf der Bühne des MiR zur Hochform auffährt, bleibt wohl kein Zuschauer unberührt vom Spielwitz des Tenors und der Inszenierung von Dietrich W. Hilsdorf. Wie schon bei „Cabaret“ dürfte es nicht zuletzt seine Darbietung sein, die die Operette zu einem Erfolg am MiR machen wird.

Eine gelungen Gesamtproduktion

Aber auch die Bühnenbilder von Dieter Richter, die Kostüme von Renate Schmitzer und die von Alt-Ballettmeister Bernd Schindowski einstudierte Choreographie begeisterten das Auge des Premierenpublikums.
Als sich der Vorhang zum ersten Akt hebt, erscheint der Orient-Express auf der Bühne und nimmt die Zuschauer zur Czardas-Klängen mit auf die Reise von Budapest nach Wien. Im Zug befinden sich die Varietesängerin Sylva Varescu (Petra Schmidt), Graf „Boni“ (Mark E. Murphy), Ferencz „Feri Bacsi“ Ritter Kerekes (Joachim G. Maaß) und Edwin Fürst Lippert Weylersheim (Peter Schöne).

Eine Geschichte von Liebe und Herzschmerz

Die Geschichte der Czardasfürstin handelt von der unglücklichen Liebe der Varietesängerin zu Fürst Edwin, die an den Standesunterschieden zu scheitern droht. Doch wie Edwin so treffend bemerkt: „Sich verlieben kann man öfter, Lieben aber nur einmal“.

Nach Cabaret nun Die Czardasfürstin

Mit unterhaltsamen Regieeinfällen und tollen Effekten rund um das Bühnenbild bietet sich „Die Czardasfürstin“ als legitime Nachfolgerin des erfolgreichen „Cabaret“ an, zumal wie gesagt Mark E. Murphy wieder ein Garant für großen Spaß ist.
Der Opern- und Extrachor sorgen mit Stimmgewalt dafür, dass die Zuschauer einen Einblick in die ungarische Seele erhalten. Und auch Wolfgang Jaroschka als Leopold Maria Fürst Lippert Weylersheim begeistert mit seiner Darbietung, denn er weiß, wenn eine Frau Rasse hat.
Dorin Rahardja wartet zwar in ihrer Beziehung zu Edwin noch immer auf das „Trallala“, aber es gibt ja mehr als nur einen Mann in dieser Operette, der den Frauen den Kopf verdrehen kann. Und mit ihrer schönen Stimme gelingt dies der Sängerin auch beim Publikum.
Bei Petra Schmidt in der Titelrolle hat man den Eindruck, dass sie stimmlich nicht richtig zum Einsatz kommt. Die gewaltigen Partien meistert sie gut, die leisen Töne gehen ihr leider ein wenig unter.
Dafür gelingt es einem gesundheitlich angeschlagenen Joachim G. Maaß sogar während er sich im Sessel flätzt stimmlich zu begeistern.

Die Musiker lassen die Puppen tanzen

Die Neue Philharmonie Westfalen sorgt unter der Leitung von Svetoslav Borisov für die passenden Czardas- und Walzerklänge und lässt die Puppen tanzen. Wobei in dieser Produktion auch den Sängern des Hauses tänzerisch einiges abverlangt wird. Ihren Stimmen tut die Bewegung keinen Abbruch.
Am Ende erlebt das Publikum drei unterhaltsame Stunden mit bekannten Melodien, sehr viel Spielfreude und schönen Stimmen, die das Potential zum Besuchermagneten haben.

Autor:

silke sobotta aus Gelsenkirchen

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