Gladbecker Geiseldrama: ARD-Zweiteiler in Gladbeck nicht gerne gesehen

Die Geiselgangster Degowski und Rösner (gespielt von Alexander Scheer und Sascha Gersak) kehren auf dem Bildschirm auch nach Gladbeck zurück. Nicht jedem in der titelgebenden Stadt gefällt das. Foto: ARD Degeto/Ziegler Film/Martin Valentin Menke
  • Die Geiselgangster Degowski und Rösner (gespielt von Alexander Scheer und Sascha Gersak) kehren auf dem Bildschirm auch nach Gladbeck zurück. Nicht jedem in der titelgebenden Stadt gefällt das. Foto: ARD Degeto/Ziegler Film/Martin Valentin Menke
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Der ARD-Zweiteiler "Gladbeck", der am 7. und 8. März zum ersten Mal ausgestrahlt wird, dürfte in der titelgebenden Stadt für ein geteiltes Echo sorgen. Schon nach dem Bekanntwerden des Projektes vor vier Jahren hatte es Protest gegeben. 

von Oliver Borgwardt

In einem zweiteiligen Spielfilm verarbeitet Regisseur Kilian Riedhof das spektakuläre Geiseldrama im Sommer 1988, bei dem zwei Gladbecker Kriminelle die Bundesrepublik über zwei Tage lang in Atem hielten. Das dabei völlig unprofessionelle Verhalten von Polizei und Presse ging als Menetekel in die Geschichte ein. Drei Menschen kamen ums Leben.

Die Entscheidung, aus den Ereignissen einen Spielfilm für das öffentlich-rechtliche Fernsehen zu produzieren, hatte schon beim ersten Bekanntwerden für Ärger gesorgt. Viele ältere Gladbecker betonten in wütenden Leserbriefen und Wortmeldungen, dass sie den Namen ihrer Stadt nicht wieder auf ein Neues mit dieser Tat in Verbindung gebracht werden wollen. Einzelne Politiker forderten gar Entschädigungszahlungen in Millionenhöhe für den angeblichen Imageschaden durch die ARD-Produktion. "Irgendwann muss ja mal gut sein", ist seitdem ein häufig zu hörender Ausspruch jener, die es nervt, auch in der Fremde als Gladbecker immer wieder auf das Geiseldrama angesprochen zu werden.

Auf die Seite der Kritiker schlug sich auch jemand, den man in Gladbeck am liebsten vergessen würde: Der einstige Geiselgangster Hans-Jürgen Rösner selbst ließ seinen Anwalt vor dem Oberlandesgericht Köln gegen den Film klagen. Der Antrag scheiterte jedoch, zumal Rösner als Person der Zeitgeschichte nicht den gleichen Schutz seiner Persönlichkeitsrechte gelten machen konnte, wie es ein Normalbürger könnte.

Zwei Wochen Dreharbeiten in Gladbeck

Trotz der Kritik stellte die Stadt Gladbeck nicht nur die historische Vorlage, sondern auch einen wichtigen Drehort für die Produzenten des Zweiteilers dar. Im Mai 2016 fand ein offenes Casting in der örtlichen Stadtbücherei statt, das für Filmfreunde zu einem gefragten Event, für Kritiker aber zu einem Ärgernis stilisiert wurde. Über zwei Wochen drehte das Filmteam dann an Originalschauplätzen in Gladbeck, die mit großem Aufwand teilweise in die Optik der 80er Jahre zurückversetzt wurden. 

Der Zweiteiler wird Gladbeck mit seiner Ausstrahlung nun vermutlich wieder zum bundesweiten Gesprächsthema machen. Die Produzenten entgegnen auf den Vorwurf der Sensationslust, man habe sich eng an die damaligen Ereignisse gehalten und beispielsweise die tatsächlichen Dialoge für das Drehbuch benutzt. Zudem werde den Hinterbliebenen der Opfer in einer anschließenden Dokumentation das Wort erteilt.

Auf eine Premiere des Films in Gladbeck hatten die Produzenten allerdings verzichtet - diese fand im fernen Hamburg und Berlin statt.

Autor:

Oliver Borgwardt aus Gladbeck

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