Emanzipation in der Jagd: Weibliche Finger am Abzug

Mit Hund und Flinte in der Natur: Immer mehr junge Frauen entscheiden sich für den Jagdschein. Was treibt sie in die einstige Männerdomäne? (Symbolbild)
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Der stereotypische Jäger hat graues Haar, grüne Tracht und ist ein Mann. Dieses Bild gerät aber seit einigen Jahren deutlich ins Wanken: Immer mehr junge Frauen drängen in die ehemalige Männerdomäne Jagd. Inzwischen ist jeder vierte Anwärter auf das "grüne Abitur" weiblich und im Schnitt Mitte 30. Was fasziniert die angehenden Jägerinnen am Waidwerk?

von Oliver Borgwardt

Eine alte Männerdomäne scheint zu wanken: "Die Jagd wird weiblicher", berichtete der Deutsche Jagdverband (DJV) Ende Januar 2018. So registrierten die Jagdschulen beim weiblichen Nachwuchs einen deutlichen Anstieg von rund 46 Prozent seit 2011. Jeder vierte Prüfling sei inzwischen eine Frau, im Schnitt 35 Jahre alt und damit ein Jahr jünger als ihre männlichen Kollegen. Zudem sind es nicht nur Frauen vom Land oder aus Jägerfamilien, die auf die Pirsch gehen: Jede fünfte Jagdschülerin hatte einer ifA-Umfrage aus dem vergangenen Jahr zufolge zuvor keine Erfahrung mit dem Waidwerk, und fast jede Vierte hat ihren Lebensmittelpunkt in der Stadt. Die jüngste Befragte war dabei gerade 15 Jahre alt, also im Mindestalter für die Ausbildung.

So scheint das uralte Handwerk immer mehr jungen, weiblichen und auch urbanen Nachwuchs anzuziehen. War das Beutemachen mit Jagdhorn und grüner Tracht einst noch Statussymbol der Reichen und Adligen, ist die Motivation bei den heutigen Jungjägerinnen aber eine deutlich andere. Was treibt die Frauen also zur Jagd? 

Naturnähe und gesunde Ernährung

Folgt man einer Meinungsumfrage unter den Anwärtern auf den Jagdschein, wird von Männern und Frauen gleichermaßen Naturverbundenheit als größter Anreiz genannt - 77 Prozent der Befragten waren sich darin einig. Nach dem zweithäufigsten Grund, einen Beitrag zum Naturschutz zu leisten, beginnen aber die Unterschiede zwischen den Geschlechtern.

So stand bei den jungen Frauen der ursprünglichste Sinn der Jagd, nämlich der Gewinn von Wildfleisch, an dritter Stelle der Gründe für das "Grüne Abitur". Offenbar bewerten die befragten Jägerinnen Wild als besonders gesunde und natürliche Alternative zum Fleisch aus landwirtschaftlicher Tierhaltung. Ihre männlichen Kollegen sind zwar der gleichen Meinung, gewichten aber die Freude an der eigentlichen Jagd höher und nennen diese als drittwichtigste Motivation für die waidmännische Ausbildung.

Auch die Arbeit mit Tieren scheint für Frauen ein größeres Gewicht zu haben: Mehr als jede dritte Jungjägerin (36 Prozent) gab an, dass sie vor allem die Ausbildung und Haltung von Jagdhunden interessiere. Nur der Hälfte der jungen Jäger hingegen war dieser Aspekt besonders wichtig.

Bei den nachrangigen Ergebnissen der Umfrage gab es zudem eine interessante Feststellung, die auf ein Umdenken bei den jüngeren Grünröcken hinweist: Der oft von Naturschützern und Jagdgegnern geäußerte Vorwurf, Jäger seien "schießgeile Waffennarren", scheint sich bei beiden Geschlechtern der jungen Generation nicht zu bestätigen. 94 Prozent hatten auf die Jagdwaffen keinen besonderen Wert bei der Entscheidung für den Einstieg ins Waidwerk gelegt.

Der weibliche Einfluss verändert die Jagd

Der zunehmende Einfluss von Frauen in der Jägerschaft scheint mit einiger Verspätung der gesellschaftlichen Entwicklung zu folgen. Mit dem Wunsch nach gesunder Ernährung und der Arbeit mit Tieren setzen die Jägerinnen zudem andere Schwerpunkte in ihrem Metier.

Um mangelnden Nachwuchs muss sich das Waidwerk ohnehin nicht fürchten: Mit rund 17.000 Anmeldungen für die Ausbildung interessierten sich 2017 rund 46 Prozent mehr Menschen für einen Jagdschein, als noch 2011. Das Land NRW lag gemessen an der Anzahl der Schüler dabei nach Niedersachsen, Baden-Württemberg und Bayern auf dem vierten Platz im Bundesvergleich.

Autor:

Oliver Borgwardt aus Gladbeck

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