Schwechater Straße: Umbau ist kein Wunschkonzert

Der Abriss der Schrottimmobilie Schwechater Straße 38 und Neubau eines Geschäftszentrums für Rentfort-Nord wird für die Bewohner des Stadtteils wie auch die zuständigen Behörden und den Investor nicht einfach. Das Großprojekt lässt kein „kein Wunschkonzert“ zu, die Alternative hieße „Nichts tun“ – abwarten, bis die Ruine in sich zusammenfällt? Ein weiterer Investor mal vorbeikommt? Über die Pläne zur Umgestaltung des„Schandflecks von Rentfort“ informierte der SPD-Ortsverein in einer bürgeroffenen Mitgliederversammlung, bei der sich viele Bürger zur Diskussion einfanden.

Wenn die Stadt das Rückbaugebot durchsetzen kann – mit diesem müssen Eigentümer dulden, dass ihr (Schrott-)Eigentum abgerissen wird, und auf eventuelle Spekulationsgewinne verzichten – soll es einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan mit dem Investor IPG aus Witten und der Eigentümergemeinschaft geben. Die Kostenschätzungen allein für den Rückbau belaufen sich auf ca. 1,4 Millionen Euro, 450 000 Euro würde die öffentliche Hand beisteuern, ca. 50 000 Euro davon die Stadt Gladbeck.

Stadtbaurat Martin Harter stellte die Entwicklungszieleund Pläne des Investors vor: geplant sind ein neuer Gebäudekomplex mit Discounter und Vollsortimenter, Drogerie, Getränkemarkt u.a. Geschäften, keine Wohnungen, keine Tiefgarage. Ein modernes Geschäftszentrum für den Stadtteil sehen die Pläne vor, das grüne Umfeld soll weitgehend erhalten bleiben, weitere Bäume sind auf dem verkleinerten Parkplatz vorgesehen.

Nahversorgung

Der derzeitige Supermarkt Nahkauf schließt am nächsten Wochenende – der Mietvertrag endet zum 31. Dezember 2013. Die Stadt ist im Gespräch mit einem potentiellen neuen Nutzer (Discounter), der in den Neubau einziehen will und in der Bauzeit die Nahversorgung gewährleisten würde. Bis zum Abriss könnte der Geschäftsbetrieb im jetzigen Gebäude stattfinden, dann mit einer Zwischenlösung. Weiter sind als Alternative angedacht: Markthandel mit Verkaufs-Fahrzeugen, „fliegende Händler“ sowie ein Lieferservice – Bestell- und Bringdienst evtl. über die AWO.

Zeitplan

Nächste Woche findet ein Erörterungstermin mit der Eigentümergemeinschaft zum Rückbaugebot statt. Die planungsrechtlichen Voraussetzungen will die Stadt Gladbeck so schnell wie möglich (bis Sommer 2014) schaffen, für den Abbruch sind dann mindestens sechs Monate zu veranschlagen – eher acht, zumal die Abbruchkonzeption auch etliche Umweltauflagen zu berücksichtigen hat. Wenn 2015 noch mit dem Baubegonnen würde, könnten die Rentforterab 2016 vielleicht im neuen Geschäftszentrum shoppen gehen?

Bedenken der Anwohner

Es lassen sich schon jetzt einige kritische Punkte ausmachen, mit denen man sich im Planungsverfahren im Rahmen der Bürgerbeteiligung auseinandersetzen muss: die Lkw-Anlieferung und zusätzlicher Autoverkehr durch neue Parkplätze neben dem Gebäudekomplex müssen mit dem Betrieb der Kindertagesstätte abgestimmt werden, eine Gefährdung muss ausgeschlossen sein. Dass die Verkaufsfläche erheblich– auf über 4000 qm – erweitert wird, erscheint manchem Bürger überdimensioniert, ist aber nach RVR und dem Gladbecker Zentrenkonzept mit dem geschätzten Kaufkraftvolumen vereinbar, wenn auch an der Grenze. Mit dem Geschäftsbetrieb wird auch die Lautstärke zunehmen.

Klar ist: Der Umbau wird das Wohnumfeld verändern, es wird für einzelne Anwohner nicht nur Verbesserungen wie nahegelegene Einkaufsmöglichkeiten und ein modernes Stadtteilzentrum geben, sondern auch Verschlechterungen. „Um die hässliche Altlast endlich loszuwerden, muss das in Kauf genommen werden“, so das Fazit der großen Mehrheit in der Versammlung. „Schließlich ist der Umbau kein Wunschkonzert!“

Autor:

Annette Robenek aus Gladbeck

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