Dreesen: Christen sind dem Koran nach keine Ungläubigen

Meldet sich in ihrer Funktion als Mitglied der Gladbecker Ditib Gemeinde zu Wort: Müzeyyen Dreesen.
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In die Diskussion um den Muezzin-Ruf schaltet sich nun auch Müzeyyen Dreessen in ihrer Funktion als Mitglied der Gladbecker Ditib-Gemeinde ein. Ihr Fazit zur Debatte, die in den letzten Tagen in Gladbeck geführt wird: „Ohne die historisch-kritische Auslegung können und sollten wir die heiligen Bücher nicht wortwörtlich auf heute übertragen.“

Das Zusammenspiel der Vielfalt in einer multikulturellen Gesellschaft müsse ständig gemeinsam trainiert werden.

Zusammenleben muss trainiert werden

„Die Spieler von Schalke 04 in ihrer Vielfalt trainieren auch nicht jeder für sich und treffen Entscheidungen, die die gesamte Mannschaft betreffen. Ich dachte, wir hatten in den letzten Jahrzehnten in Gladbeck ein gutes Zusammenspiel aller „Wächter des Zusammenlebens“ erreicht“, äußert sich Dreesen in ihrem Schreiben und fährt fort:

Kritik

„Wir können die Vorgehensweise der wenigen Entscheider in der Gebetsrufangelegenheit kritisieren. Wir können kritisieren, wieso nach Jahrzehnten in den Moscheegemeinden an leitenden Stellen immer noch Menschen sind, die kaum Deutsch sprechen, warum Jüngeren, die zwischen den Kulturen vermitteln und Brücke sein könnten, keine Chancen gegeben werden. (...) Wir können kritisieren, warum Muslime, die hier aufwachsen nicht eine ihrer Lebenswirklichkeit entsprechende Interpretation des Islam bekommen. (... ) Wir können kritisieren, dass die christliche Minderheit in der Türkei es bei weitem nicht so gut hat, wie wir Muslime in Deutschland und Europa. Wir müssen aber auch kritisieren und fragen, warum Zuwanderer jahrzehntelang nicht als Teil dieser Gesellschaft gesehen und ihnen gleichberechtigte Chancen in den Strukturen eingeräumt worden sind.“

Identitätssuche

Offen diskutiert werden müsse, warum sich viele Menschen in Richtung Herkunftsland orientieren oder in der Religion Identität suchen. „Aber bei aller Enttäuschung und Kritik, die ich auch an meinen Dachverband DITIB nach Köln und gleichzeitig vielen Akteuren, denen ein aufrichtiger Dialog wichtig ist, geschrieben habe, kann ich Beiträge, die behaupten, dass Christen nach dem Koran Ungläubige sind, nicht stehen lassen“, erklärt Dreesen.

In Sure 5, Vers 82 heißt es: „Und du wirst sicher finden, dass diejenigen, die den Gläubigen in Liebe am nächsten stehen, die sind, welche sagen: Wir sind Christen. Dies deshalb, weil es unter ihnen Priester und Mönche gibt, und weil sie nicht hoch­mütig sind.“

In einem weiteren Vers der Sure 2 stehe: „Diejenigen, die glauben, und diejenigen, die Juden sind, und die Christen und die Sabier, all die, die an Gott und den Jüngsten Tag glauben und Gutes tun, erhalten ihren Lohn bei ihrem Herrn, sie haben nichts zu befürchten, und sie werden nicht traurig sein“ (2/62).

Die guten Taten zählen

„Entscheidend ist für mich persönlich sogar Vers 48 in Sure 5, wo ohne Unterschied nur die guten Taten zählen. Gott wird in seiner Barmherzigkeit darüber entscheiden, worin wir Uneins sind. Es heißt: „...Für jeden von euch haben Wir eine Richtung und einen Weg festgelegt. Und wenn Gott gewollt hätte, hätte Er euch zu einer einzigen Gemeinschaft gemacht. Doch will Er euch prüfen in dem, was er euch hat zukommen lassen. So eilt zu den guten Dingen um die Wette.“

So könne jeder Vers, der das Zusammenleben in Vielfalt gefährdet oder zerstören will, mit einem anderen Vers entkräftet werden. Der Koran gäbe einen Rahmen vor, doch bei der inhaltlichen Ausgestaltung würde er die Vernunft sehr stark ansprechen.

Autor:

Annette Robenek aus Gladbeck

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