Caritas Gladbeck bietet Kurse für pflegende Angehörige demenziell Erkrankter: "Heute das Beste nehmen,das man bekommen kann!"

In Zusammenarbeit mit der Pflegekasse der "Barmer" bietet der Caritasverband Gladbeck pflegenden Angehörigen von an Demenz erkrankten Menschen Unterstützung an. So sind im Jahr 2017 noch an neun Samstagen Kurse für den genannten Personenkreis geplant. Foto: Kariger
  • In Zusammenarbeit mit der Pflegekasse der "Barmer" bietet der Caritasverband Gladbeck pflegenden Angehörigen von an Demenz erkrankten Menschen Unterstützung an. So sind im Jahr 2017 noch an neun Samstagen Kurse für den genannten Personenkreis geplant. Foto: Kariger
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Gladbeck. „Heute müssen wir wohl anbauen“, sagt eine Frau und lacht dabei, während sie den Raum im Seniorenzentrum Johannes-van-Acken-Haus betritt. Sie nimmt sich einen Stuhl von der Wand weg und schiebt ihn an den großen Tisch in der Mitte des Raumes. Viel Platz ist daran nicht mehr, denn es sitzen schon 12 Personen dort. Marie Luise Schulte im Walde kennt sie alle und begrüßt jeden so persönlich wie herzlich. Die Diplom-Sozialpädagogin leitet den Kurs und Gesprächskreis „Demenz verstehen“, ein gemeinsames Angebot des Caritasverbandes Gladbeck und der Pflegekasse der Barmer für pflegende Angehörige von Erkrankten.

Am Tisch sind unterdessen rege Gespräche im Gang. Man kennt sich untereinander, plaudert entspannt, tauscht Neuigkeiten aus. Und stellt fest, an diesem Samstag sind zwei neue Gesichter dabei. Marie Luise Schulte im Walde begrüßt die neuen Teilnehmer auch sogleich in der Runde und fragt, was sie hergeführt hat – vorausgesetzt, sie möchten es erzählen. Plötzlich sind alle mittendrin im Thema. Was macht man, wenn die Ehefrau sich morgens nicht anziehen will, weil sie nicht in die Tagespflege möchte? Was antwortet man auf die Frage: Warum weiß dein Mann das nicht mehr? Wie geht man mit den klugen Ratschlägen anderer um, die weder die Krankheit noch die Ansprüche einer Pflege zu Hause kennen?

„Um mit der Situation umgehen zu können, braucht man Hilfe, Unterstützung und Anregung“, sagt Ingrid Hollmann. Sie pflegt seit einigen Jahren ihren an Demenz erkrankten Ehemann. Und damit meint sie nicht nur die Beratung in Sachen Gelder, Anträge, Pflegeleistungen und -stufen. Es sind vor allem die kleinen und großen Situationen im Alltag mit dem Erkrankten, die herausfordern und immer wieder das Gefühl erzeugen, allein zu sein. „In diesem Kurs finde ich Ermutigung, der Austausch hilft und ich sehe, ich bin eben nicht alleine“, so Ingrid Hollmann. „Vom heutigen Standpunkt aus betrachtet muss ich sagen, ich hätte mir diese Hilfe und Unterstützung viel früher holen sollen. Es ist eben so, wer nicht selbst pflegt, der weiß nicht, wovon er redet, wenn er Ratschläge gibt.“

Marie Luise Schulte im Walde geht auf jede Frage der Kursteilnehmer ein, regt zum Austausch an und erklärt Situationen, indem sie das Krankheitsbild erläutert. „Der Verlauf einer Demenz ist so individuell, da kann man keine pauschalen Ratschläge erteilen. Die Devise lautet: Wir gucken was heute ist, nicht was morgen kommen könnte. Ich muss mir heute das Beste nehmen, das ich bekommen kann.“ Nur einen Ratschlag kann sie verallgemeinern, wenn beispielsweise der Erkrankte mit unpassend erscheinenden Sprüchen auffällt: „Verstecken hilft nicht. Gehen Sie offen mit den Situationen und der Krankheit um, dann kann man sie eher meistern.“

Und noch einen wichtigen und gleichzeitig emotional sehr schwierigen Rat gibt sie an die Angehörigen weiter: „Achten Sie auf sich! Es hilft dem Erkrankten nicht, wenn Sie vollkommen erschöpft im Krankenhaus landen.“ Leichter gesagt als getan. „Das schlechte Gewissen und Schuldgefühle sind immer da“, sagt Ingrid Hollmann. Ihre Stimme wird dabei leiser und brüchiger. Viele am Tisch nicken. „Umso wichtiger ist das Netzwerk, das man hier knüpfen kann“, sagt Marie Luise Schulte im Walde. „Aus diesem Kurs heraus hat sich zum Beispiel ein Witwenkreis gebildet, der die Zeit der Trauer gemeinsam bewältigt hat. Es sind richtige Freundschaften entstanden. Es gibt immer mehr Hilfe und Verständnis untereinander, als man denkt.“

Seit 2011 schon bietet der Caritasverband Gladbeck den Gesprächskreis für pflegende Angehörige demenziell Erkrankter an. Für 2017 konnte nun die Zusammenarbeit mit der Pflegekasse der Barmer verlängert werden, so dass erneut insgesamt elf Kurstermine unter dem Titel „Demenz verstehen“ angeboten werden. Während der Kurszeiten im Johannes-van-Acken-Haus können die erkrankten Angehörigen dort betreut werden. Das Angebot und die Betreuung sind für die Teilnehmer kostenlos. Die Pflegekasse der Barmer und der Caritasverband kommen gemeinsam für die entstehenden Kosten auf.

Die genannten Kurse werden noch am 22. April, 13. Mai, 10. Juni, 15. Juli, 12. August, 16. September, 21. Oktober, 18. November und 16. Dezember angeboten und finden von 10 bis 12 Uhr sowie von 13.30 bis 15.30 Uhr statt. Eine Teilnahme ist aber nur noch vorheriger Anmeldung bei Gabriele Holtkamp-Buchholz Senioren und Pflegedienste – Stabsstelle Netzwerkarbeit Tel.: 02043-373454, sowie im Internet unter gabriele.holtkamp-buchholz@caritas-gladbeck.de möglich.

Autor:

Uwe Rath aus Gladbeck

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