Sommergespräch 2019 mit Stefan Melneczuk
Offline in Stüter

Stefan Melneczuk auf seinem Rad im Hügelland. Foto: privat
  • Stefan Melneczuk auf seinem Rad im Hügelland. Foto: privat
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Wer an Halloween das Licht der Welt erblickt, der muss wohl Schriftsteller zum Thema Horror und Fantasy werden! Halloween forever!? Der Hattinger Schriftsteller und Journalist Stefan Melneczuk wurde am 31. Oktober 1970 in Hattingen geboren und ist im Hügelland aufgewachsen. Dort in der Natur unterwegs zu sein, das gehört auch 2019 zu seinen Sommerfavoriten. Und wie schreibt sich das Dunkle im flirrenden Licht der Sommerhitze?
„Ich bin (nicht nur im Sommer) vorzugsweise mit dem Rad in Nieder- und Oberstüter unterwegs, aber gerne auch zu Fuß gleich um die Ecke am Vogelbruch. Vor allem, wenn es schlichtweg zu heiß ist fürs Rad, was ja leider immer wieder der Fall ist. Perfekt, um nach langen Bürotagen abzuschalten und nicht mehr einen Bildschirm oder ein Display vor der Nase zu haben - sondern eine vertraute Landschaft, etwa rund um den Berger Hof, mit Fernblick Richtung Langenberg.“, erzählt er. Heimat und Wurzeln waren und sind ihm wichtig und deshalb kennt er hier auch jeden Baum und den zu jeder Jahreszeit.
In der dunklen Jahreszeit geboren, in der Welt der Geisterstunde ist er literarisch unterwegs, doch er schätzt das Licht des Sommers. „Ich schreibe sehr gern am frühen Morgen oder abends – zumeist auf der Terrasse mit Blick ins Grüne. Die Terrasse ist mein Open-Air-Büro im Sommer wie im Frühjahr und im Herbst. Ich versuche, so oft es geht draußen zu schreiben. Im Moment ist das sehr entspannt, da ich in die Jahre gekommene Stories überarbeite und gewissermaßen ins 21. Jahrhundert hebe. Sie sind ja noch in einer Zeit ohne Internet und Handys entstanden. Um in Ruhe schreiben zu können, habe ich die Live-Aktivitäten 2019 bewusst zurückgefahren.“ Augenzwinkernd seine Ergänzung, um Mitternacht nicht so oft die Schreibfeder zu führen. Um diese Zeit ist es zu ruhelos, sind zu viele Seelen unterwegs.
Apropos unterwegs: Das „Draußen sein“ in der analogen Welt ist für den studierten Literatur- und Politikwissenschaftler immer noch inspirierend. „Das Leben hat sich ohnehin ja schon beschleunigt, und offline zu sein, ist vielen Menschen leider fremd geworden. Ich mag das total gern und nutze meine Heimat ja auch als Kulisse für meine Storys.“ 2007 erschien sein Debütroman „Marterpfahl“, 2011 und 2014 die beiden weiteren Romane „Rabenstadt“ und „Wallenstein“. 2017 dann „Thunder Rising“ – dazwischen Short Stories, dunkel und schräg. Kann man sowas überhaupt im Sommer schreiben? „Bei neuen Geschichten läuft das zum Teil wie ferngesteuert. Die Ideen halten sich nicht an Tages- oder Jahreszeiten. Dann vergesse ich alles um mich herum und tauche völlig ab. Das betrifft neue Short Stories ebenso wie mein Sachbuchprojekt und den nächsten Roman. Das fasziniert mich nach wie vor. Einen neuen Text kann ich erst loslassen, wenn er aus meiner Sicht perfekt ist. Ich stelle einen hohen Anspruch an meine literarische Arbeit. Nach wie vor. Und ganz unabhängig davon, ob es sich um eine dunkle oder um eine schräge Geschichte handelt.“

Schräge Geschichten

Wegtauchen, abtauchen, untertauchen – irgendwann muss man wiederauftauchen und etwas essen. Oder lieber grillen? „Im Sommer gehe ich gerne an den Grill, aber ich bin da Purist. Das heißt: Bratwurst, Brötchen, Senf und dazu gerne noch ein Schalker Sieg im Revierderby. Dann gehört der Tag mir“, lacht er. Okay, das sommerliche Essen wäre abgehakt. Wenn man gerne im Grünen sitzt und arbeitet, wie steht es denn dann mit dem eigenen grünen Daumen? „Gartenarbeit entspannt. Kann zuweilen aber auch mörderisch sein: Ich habe mal eine schräge Short Story über einen Mähroboter namens Egmont verfasst. Er kürzt daheim nicht nur den Rasen, sondern auch Einbrecher und zieht nachts im Haus seine Runden. Kommt live gut an“. Da schweifen dann meine eigenen Gedanken ab. Ich habe auch einen Mähroboter und sehe diesen plötzlich mit ganz anderen Augen… Und – ich habe im Haus einen Saugroboter. In der nächsten Nacht schließe ich die Schlafzimmertür ab… Das macht eine gute Story aus: sie lässt Bilder im Kopf entstehen.
Doch ab und zu verlässt Stefan Melneczuk auch das geliebte Hügelland und macht Urlaub von Stüter. Vorzugsweise am Meer. Gerne N(M)ordsee – vielleicht schon wieder mit einer neuen Geschichte im Blick. „Kann aber auch mal Ostsee sein. Steilküste und Sandstrand gleichermaßen. Nicht in Frage kommen Urlaubsländer, in denen Schriftsteller und Journalisten im Gefängnis sitzen oder auf schwarzen Listen stehen. Da mache ich keinen Unterschied.“ Und im heißen Sommer dieser Tage ist die schaurige Story, die einem die Gänsehaut über den Rücken zieht, vielleicht sowieso die beste Abkühlung.

Autor:

Dr. Anja Pielorz aus Hattingen

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