Frauen-Café in der Dorfstraße in Sprockhövel
Hier treffen sich Frauen aus aller Welt

Ein Teil der Frauen aus dem Internationalen Frauentreff in Sprockhövel in der Dorfstraße am Bürgertreff. Foto: Pielorz
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  • Ein Teil der Frauen aus dem Internationalen Frauentreff in Sprockhövel in der Dorfstraße am Bürgertreff. Foto: Pielorz
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Jessica Jung, Randa Athimni, Sarah Biet Sayah und Rita Nachtigall sitzen am gedeckten Kaffeetisch im Bürgertreff der Stadt Sprockhövel in der Dorfstraße 13. Sie warten auf Frauen aus aller Welt, die in Sprockhövel eine neue Heimat gefunden haben und sich regelmäßig freitags zu Deutschübungen und zum gemütlichen Beisammensein mit Kinderbetreuung treffen.

Finanziert in einer Kooperation zwischen der Arbeiterwohlfahrt, der Stadt Sprockhövel und dem Projekt „ZukunftPlus für Geflüchtete“ - das Projekt wird im Rahmen der ESF-Integrationsrichtlinie Bund im Schwerpunkt „Integration von Asylbewerber/innen und Flüchtlingen (IvAF)“ durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales und den Europäischen Sozialfonds gefördert - ist hier ein niederschwelliges Angebot für Frauen entstanden, die es oft schwerer als Männer haben, an einem neuen Ort Fuß zu fassen. „Das liegt zum einen daran, dass die Frauen nicht so schnell Zugang zum Arbeitsmarkt finden wie viele Männer. Das hängt wiederum oft mit ihren Kindern zusammen und damit, dass sie die Hauptfigur in der Kindererziehung sind. Viele von ihnen haben mehrere kleine Kinder und oft weniger Zeit für Spracherwerb, Ausbildung oder Berufstätigkeit“, weiß Rita Nachtigall, die seit vielen Jahren in der Arbeiterwohlfahrt im Ennepe-Ruhr-Kreis in vergleichbaren Projekten eingebunden ist.
Friba Rahmani ist auch vor Ort. Sie kam vor sechs Jahren aus Afghanistan und hat eine Kinderpflegeausbildung absolviert. Beim Frauentreff kümmert sie sich um die Betreuung der Kinder, damit die Mütter Zeit finden für die deutsche Sprache und das gegenseitige Kennenlernen. „13 Frauen kommen mehr oder weniger regelmäßig an den Freitagen vorbei“, erzählt Randa. Sie lebt seit zehn Jahren in Deutschland und weiß noch genau, wie fremd am Anfang alles für sie war. „Vor allem das Lernen der deutschen Sprache ist nicht einfach“, sagt sie. „Die Frauengruppe ist bunt gemischt. Sie kommen aus Herkunftsländern wie Syrien oder Somalia, dem Irak oder Afghanistan. Manche sind erst seit kurzer Zeit in Deutschland, andere leben schon ein paar Jahre hier. Für alle ist es wichtig, die deutsche Sprache zu lernen, denn sie ist die Zugangsvoraussetzung für das Leben hier.“
Das sieht auch Sarah Biet Sayah so. Sie arbeitet bei der Stadt Sprockhövel in der Flüchtlingshilfe und hat selbst einen Migrationshintergrund. Sie kommt aus dem Iran und flüchtete 2006. Zu ihrem Job gehört es, die Frauen zu beraten und auf Angebote wie den Frauentreff aufmerksam zu machen. „Diesen Treff haben wir im Sommer 2021 eingerichtet, aber Angebote für Flüchtlinge gibt es natürlich schon viel länger. Wir versuchen, die Menschen in Ausbildung und Arbeit zu vermitteln und ihnen Hilfestellung zu geben bei allem, was sie hier erwartet. Deutschland ist ganz anders als das, was sie aus ihrem Herkunftsland kennen. Die Corona-Pandemie hat unsere Arbeit nicht leichter gemacht. Wir haben viele Beratungen unter freiem Himmel durchgeführt. Manches ist als Online-Angebot gelaufen. Präsenztreffen finden jetzt unter 2G statt. Wir haben auch seitens der Stadt Sprockhövel viele Impfberatungen und Angebote gemacht, aufgeklärt in unterschiedlichen Sprachen – auch in den Flüchtlingsunterkünften. Die Quote derjenigen, die sich haben impfen lassen, ist daher gut“, erzählt sie. „Die Vorbereitung für einen Sprachkurs, der online stattfindet, ist sehr arbeitsintensiv. Aber wir haben es geschafft und mehrere Frauen haben sehr regelmäßig daran teilgenommen“, ergänzt Jessica Jung. Und der Erfolg gibt ihr recht.

Sprachkurs sogar online

Mittlerweile sind Sawsan aus Syrien und Khadra aus Somalia eingetroffen. Sawsan lebt seit sechs Jahren in Deutschland, Khadra ist alleinerziehend und seit drei Jahren hier. Auch für sie ist die Sprache schwierig, aber unbedingt notwendig, um hier Fuß zu fassen. „Es fällt manchmal schwer, Begriffe zu erklären. Beispielsweise haben wir über die Bundestagswahl gesprochen. Aber wie erklärt man das Wort Umwelt“, fragt sich Jessica Jung. Berufliche Orientierung und Vorbereitung auf den Arbeitsmarkt, aber eben auch das Leben allgemein sind Themen, die hier beim Kaffee besprochen werden. Wenn es emotional wird, schalten viele der Frauen immer noch in den Herkunftssprache-Modus. Aber, da sind sich alle einig, sie wollen sich ständig verbessern.
Das Leben in Deutschland gefällt ihnen. Oft sehen sie genau in den Dingen viel Positives, was die Deutschen manchmal nervt. „Hier gibt es Regeln, an die man sich hält. Es gibt Termine, die pünktlich wahrgenommen werden. Es gibt ein gutes Schulsystem“, sagt Randa. Während vielen Deutschstämmige zu diesen Punkten meistens eher Kritik einfällt, haben sie in ihrem Herkunftsland andere und zumeist schlechtere Erfahrungen gemacht. Allerdings: Der Weg durch den Dschungel der Bürokratie ist lang und nicht selten frustrierend. Vor allem im Hinblick auf die Anerkennung von Schul- oder Ausbildungsabschlüssen. Denn nicht wenige von ihnen haben in ihrem Herkunftsland bereits eine Ausbildung gemacht und waren berufstätig. Sawsan beispielsweise hat als Lehrerin gearbeitet und kann ihren Beruf in Deutschland nicht ausüben. Sie möchte gern mit Kindern arbeiten und kann sich daher auch erzieherische Berufe vorstellen.
Auf die Frage nach ihren Träumen sind sich die Frauen einig: Sie möchten mit ihren Kindern, mit ihrer Familie von ihrer Hände Arbeit in Deutschland leben. „Ich habe viele Träume“, sagt Khadra leise. Und ganz oben steht der Wunsch, die Sprache des Landes zu lernen, indem sie bleiben will. Und eine Arbeit zu finden, die ihr und ihrem Kind hilft, in der fremden Gesellschaft anzukommen und sie irgendwann zu einer Heimat werden lässt.
Kontakt zum Internationalen Frauentreff über Randa Athimni unter Telefon 0176/24293771 (gerne auch WhatsApp) oder über die Flüchtlingshilfe bei der Stadt Sprockhövel, Sarah Biet Sayah unter 02339/917319 oder über Rita Nachtigall, Talstraße 8, 45525 Hattingen, Telefon 02324/38093050, oder 0176-24 29 38 04, E-Mail rita.nachtigall@awo-en.de

Autor:

Dr. Anja Pielorz aus Hattingen

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