Kostet Inklusion im Kreis Millionen?

Walter Seefluth, GEW, fordert Handlungskonzept in sachen Inklusion. | Foto: Seefluth
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Dem Schulministerium wurde ein Gutachten zu den zusätzlichen Kosten der Inklusion für die Kreise und Gemeinden in NRW vorgelegt. Danach sollen die Kommunen und Kreise des Landes möglicherweise insgesamt 113,5 Millionen Euro mehr zur Verfügung stellen müssen.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) im Kreis Kleve hat überschlagen, welche Kosten im Kreis Kleve anfallen könnten. „Nach unseren etwas groberen Berechnungen fallen für die Schüler und die Schulen im Kreis fast 2 Millionen Euro zusätzlich an“, berichtet Walter Seefluth von der GEW.

Auf der Grundlage der Schülerzahlen 2012/13 und 2016/17 sowie den Zielvorgaben der Landesregierung kommt dieser Millionenbetrag zustande. Bis zum Schuljahr 2025/26 sollen 70 Prozent der Schüler mit einem Förderbedarf in Lernen, sozialer Entwicklung und Sprache gemeinsam mit allen anderen lernen. 50 Prozent der Kinder mit den weiteren Förderschwerpunkten wie geistige oder körperliche Entwicklung sowie Sehen und Hören sollen dann ebenfalls inklusiv unterrichtet werden. Bis 2017/18 soll bereits der landesweite Inklusionsanteil von 25 Prozent auf 50 Prozent verdoppelt werden.

Der Gutachter, Professor Klaus Klemm, geht von zwei Ausgabenvolumen bei den zusätzlichen Kosten aus: Einmal müssen die schulischen Voraussetzungen wie Barrierefreiheit, Rückzugs- und Therapieräume, Schallisolation, individuelle Lehr- und Lernmittel, Behindertentoiletten und ähnliche Maßnahmen berücksichtigt werden: Zusatzkosten pro Schüler 5100 Euro. Dazu brauchen die Schüler unterstützende Maßnahmen durch Integrationshelfer, Psychologen, Therapeuten, Sozialarbeiter, Fortbildung, Ganztagsbetreuung und weitere fachliche Beratung: 2500 Euro zusätzlich pro Schüler. Für jedes weitere Kind im Gemeinsamen Lernen entstehen laut Gutachten insgesamt 7 600 Euro.
„Trotz sechs Prozent weniger Schüler in den Grundschulen und der Sekundarstufe 1 bis 2016/17 werden analog zu den Berechnungen im Gutachten 258 Schüler mehr inklusiv unterrichtet. Diese Zahl mal 7600 Euro ergibt die Zusatzkosten von 1 960 800 Euro“, erläutert Seefluth die Kalkulation.

Für die GEW ergeben sich aus diesen Zahlen folgende Forderungen: Das Land muss sich an den Kosten beteiligen, der Kreis muss endlich konkret werden und einen Inklusionsplan aufstellen.

„Jugendamt, schulpsychologischer Dienst, Therapeuten und Kompetenzteam müssen am besten unter Führung des Bildungsbüros vernetzt werden“, sieht Seefluth schnellen Handlungsbedarf.

„Auch brauchen die Gemeinden Planungssicherheit, wenn es um Baumaßnahmen geht. Immerhin kostet ein Aufzug um die 75 000 Euro, bei akustischen oder taktilen Umbaumaßnahmen sind schnell 10 000 Euro verbraucht, Behindertentoiletten möglicherweise mit Wickelräumen müssen ebenfalls vorhanden sein. Dies muss bald geschehen. Denn im August soll es bei den nächsten Eingangsklassen mit der Inklusion losgehen“, mahnt die GEW zur Eile.

„Hier ist die politische Führung des Kreises gefragt, schnell zu koordinieren. Ich kann den Landrat nur ganz eindringlich bitten, persönlich tätig zu werden. Er trägt die politische Verantwortung. Die Kinder dürfen nicht allein gelassen werden. Die Eltern haben wenig Verständnis dafür, wenn die notwendigen Maßnahmen weiter durch die Politik verzögert werden“, beschwört Seefluth den ersten Bürger im Kreis Kleve.

Autor:

Lokalkompass Kleve aus Kleve

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