Den Vorort Brambauer im Blickwinkel
Brambauers Denkmäler (2)

Blick auf die Wittekindschule von der Waltroper Straße
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  • Blick auf die Wittekindschule von der Waltroper Straße
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Auguste-Victoria-Schule heute Wittekindschule:
In der Liste der Denkmäler der Stadt Lünen findet man unter der Nummer 7 die Elisabeth; Diesterweg und Wittekindschule, viele Namen für ein Gebäude; dabei sind es noch längst nicht alle und der erste, nämlich Auguste-Victoria-Schule fehlt auch noch.
Bevor ich hier weitermache, möchte ich mich ganz herzlich bei Herrn Joachims bedanken, ohne den dieser Bericht nicht oder zumindest nicht so gründlich möglich gewesen wäre, da er mich mit vielen interessanten Informationen versorgt hat.
Jetzt der Reihe nach:
Um 1900 wurde aus der Bauerschaft Brambauer ein aufstrebender Bergbauort und das Abteufen der Kohle erforderte viele Arbeitskräfte, die unter anderem aus katholisch geprägten Gegenden wie Westpreußen oder Polen zuwanderten. Durch die wachsende Zahl an Bewohnern wurde der Neubau eines Schulgebäudes erforderlich. Vorher mussten die katholischen Schüler*innen bis nach Waltrop.
Das Gebäude wurde 1906 fertiggestellt und nach der letzten deutschen Kaiserin (von 1888 bis zur Revolution 1918) und Königin von Preußen Auguste-Victoria benannt. Die Auguste-Victoria Schule war eine konfessionsgebundene Schule, die den katholischen Kindern vorbehalten war. Vor 100 Jahren war es an der Tagesordnung, dass die Konfessionen - und zwar nicht nur in der Schule - streng getrennt waren.

auch von der Halde Tockhausen sieht man das Türmchen auf der Wittekindschule
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Ein kleiner Exkurs zur letzten Kaiserin:
Da der Todestag der Namensgeberin Auguste Victoria sich im April zum einhundertsten Mal jährte, hier ein kleiner Exkurs zu ihrer Person. Zwar hielt Auguste Victoria die Monarchie als von Gott gegeben, sie war aber auch der Meinung, dass sich die Monarchen in sozialen Bereichen zu engagieren hatten (über die Beweggründe kann man heute sicher geteilter Meinung sein, das würde hir aber zu weit führen), so übernahm sie unter anderem die Schirmherrschaft für das Rote Kreuz und setzte sich für eine bessere Bildung für Mädchen und junge Frauen ein (Quelle Wikipedia). Daher war es nicht verwunderlich, dass in Brambauer sowohl das erste Krankenhaus als auch das erste Schulgebäude nach ihr benannt wurden. Auguste Victoria starb am 11. April 1921 im Exil.

Das Kaiserpaar
  • Das Kaiserpaar
  • Foto: Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1138226
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Viele Namen für ein Gebäude:
Zunächst hieß sie also Auguste-Victoria-Schule. Im ersten Weltkrieg wurde im Schulgebäude eine Volksküche eingerichtet, welche den Versorgungsengpässen, unter denen die Bevölkerung zunehmend zu leiden hatte, abhelfen sollte. Sicher ganz im Sinne von Auguste-Victoria.
Ab 1920 kam in das Gebäude die Schraff- und von Sales-Hilfsschule hinzu, ebenfalls nach Konfessionen getrennt.
In der Schulküche konnten junge Frauen Hauswirtschaftsklassen besuchen, um den Haushalt zu erlernen. Auch das ist für uns ein Relikt aus vergangener Zeit, aber damals absolut üblich. Wenn Sie die Möglichkeit haben, fragen Sie doch einmal bei Oma oder Ur-Oma nach.

Hauswirtschaftsklasse im Mai 1929: Else Trand, Guste Weber, Guste Träderich, Ida Pötter, Irma Gröne, Leni Geier, Hilde Sander, Maria Makitsch, Anna Schickling, Trudchen K, Luise Haß
(Photograph Janzen, sein Atelier war auf der Waltroper Straße 4)
  • Hauswirtschaftsklasse im Mai 1929: Else Trand, Guste Weber, Guste Träderich, Ida Pötter, Irma Gröne, Leni Geier, Hilde Sander, Maria Makitsch, Anna Schickling, Trudchen K, Luise Haß
    (Photograph Janzen, sein Atelier war auf der Waltroper Straße 4)
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Während meine Großmutter zu Ostern 1927 (damals begann und endete das Schuljahr bei uns zu Ostern, das wurde 1967 geändert) noch in der Auguste-Victoria-Schule eingeschult wurde, erhielt diese 1939 unter den Nationalsozialisten gleich mehrere neue Namen. Für die Jungen hieß sie Ludendorffschule, für die Mädchen Heinrich-Lersch-Schule. Die „Hilfsschule“ (so wurden Förderschulen in jener Zeit genannt) bekam den Namen Diesterweg-Hilfsschule. Die Unterscheidung nach Konfessionen wurde aufgehoben.

Ansicht von der Diesterwegstraße

Nach Kriegsende wieder neue Namen für das Gebäude. Für die katholischen Jungen wurde es ab ca. 1946 die Josefschule und die katholischen Mädchen die Elisabethschule. Durch die Schulreform 1968 (die achtklassige Volksschule wurde in eine Grund- und Hauptschulzeit umgewandelt) wurden Josef- und Elisabethschule zur Elisabethschule (katholische Grundschule) zusammengefasst.
Ab 1970 wurde das Gebäude geteilt. Die Elisabethschüler*innen benutzten den Eingang an der Diesterwegstraße, die Schüler*innen der Gemeinschaftsgrundschule den Eingang an der Waltroper Straße.

Verzierung im Eingangsbereich an der Diesterwegstraße, deutlich zu erkennen sind Bücher, Tafel, Globus, Schiefertafel und Tintenfass
  • Verzierung im Eingangsbereich an der Diesterwegstraße, deutlich zu erkennen sind Bücher, Tafel, Globus, Schiefertafel und Tintenfass
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Die Gemeinschafts-Grundschule erhielt den Namen Wittekindschule.

1990 zog die „Diesterweg-Sonderschule“ in die Geist nach Lünen und die Elisabeth-Grundschule begann ab 2002 ihren jahrgangsweisen Umzug ins Gebäude „Am Karrenbusch“, seit 2007 befindet sich im denkmalgeschützten Gebäude nur noch die Wittekindschule.
Zur Bedeutung des Objekts lässt sich im Informationssystem des LVR nachlesen: „Kirche 1914 errichtet … . Schulbau, mehrflügeliger Gebäudekomplex mit Innenhof, 1905–10 als katholische Volksschule Auguste-Victoria zwischen der Disterwegstraße und Waltroper Straße errichtet, zweigeschossige Anlage auf hohem Sockel, Staffelgiebeln aus sich überschneidenden Rundbögen erinnert an den Hochzeitsturm der Mathildenhöhe, freier Platz (Schulhof) vor dem Haupteingang, beide prägend für die Ortsmitte“. (hier)

Blick von der Halde Groppenbruch auf Brambauer; man sieht hier den Eingang von der Diesterwegstraße
  • Blick von der Halde Groppenbruch auf Brambauer; man sieht hier den Eingang von der Diesterwegstraße
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Auch von der Halde Groppenbruch lässt sich die Schule gut erkennen. Das rote Dach leuchtet nahezu weithin sichtbar.
Es gibt sicher noch eine ganze Menge mehr zu berichten, aber an dieser Stelle soll es erst einmal reichen. Wenn sie beim nächsten Mal in Brambauer unterwegs sind, werfen sie doch einen Blick auf das geschichtsträchtige Gebäude, das immerhin Kaiser und 1000jährige Reiche überlebt hat. Vielleicht fällt Ihnen ja auch eine Geschichte dazu ein.
Falls Sie mehr über die Denkmalliste der Stadt Lünen wissen möchten, Sie finden sie unter: (Liste der Denkmäler in Lünen Stand 12/2020).

Autor:

Martina Seeliger aus Lünen

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