Dachboden-Fund: Max und die alte Limo

Maximilian Mertens mit der Flasche. Der Lüner fand das "Fruchtsaftgetränk" auf dem Dachboden eines Verstorbenen. | Foto: Magalski
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Maximilian Mertens kommt, wenn die Geschichte eines Lebens endet - der Lüner säubert die Fundorte von Leichen. Tatorte, aber auch die Orte, an denen Menschen einfach so still und leise starben, über Wochen, Monate oder Jahre unbemerkt von ihrem Umfeld.

Uhren reihen sich dicht an dicht in Vitrinen. Feuerwehrautos. Kristalle. Leuchttürme und Füllfederhalter. Mertens (42) ist ein Sammler. Viele Funde, die er bei seiner Arbeit nach dem Tod eines Menschen macht, sind ihm zu schade für den Müll. Der Tatortreiniger darf sie dann behalten, er konserviert auf seine Weise ein Stück aus dem Leben der Verstorbenen. Der Mann in Lünen starb ebenso einsam wie schon viele vor ihm, die dann zu einem Fall wurden für Maximilian Mertens. Müll türmt sich im Haus. Mertens rückt an, um aufzuräumen und macht einen seltenen Fund: Im Schrank auf dem Dachboden des Hauses steht eine Flasche. Das Etikett ziert der Lüner Löwe und ein bekannter Name: Mineralwasserfabrik Karl Ebrecht.

Saft vollreifer Früchte und bester Kristallzucker

Das Unternehmen ist selbst schon viele Jahre Geschichte, wo der Firmensitz neben der alten Volkshochschule am Schützenhof war, stehen nun schicke Mehrfamilienhäuser. Risse durchziehen den Gummi-Verschluss der Flasche, die befüllt ist mit einer rötlich-braunen Flüssigkeit. Ein "Fruchtsaftgetränk" aus dem "Saft vollreifer Früchte und bestem Kristallzucker", so steht es auf dem Etikett. Einen Lieferschein von Ebrecht findet der Entrümpler ebenfalls, das Datum ist sehr schlecht zu lesen, doch vermutlich ist es der 18. oder 22. Juni 1931. Die Flasche wäre demnach etwa neun Jahrzehnte alt, gehört der Lieferschein tatsächlich zur Flasche. Eine Rarität ist die Limo aber so oder so, vielleicht die letzte ihrer Art.

Panzerfaust-Munition und Kartons voller Pornos

Für Maximilian Mertens selbst ist die Flasche zwar auch ein besonderes Fundstück, aber nicht das kurioseste in seiner Laufbahn als Tatortreiniger und Entrümpler: In Hamm entdeckte er in einem Haus mal Munition für eine Panzerfaust, woanders weit über hundert Kartons voller Pornos. Mertens ist bei seiner Arbeit immer nah dran an den Menschen, ihren Geschichten - und Geheimnissen. Extremfälle aus dem ganzen Ruhrpott.

Thema "Fund" im Lokalkompass:
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Maximilian Mertens mit der Flasche. Der Lüner fand das "Fruchtsaftgetränk" auf dem Dachboden eines Verstorbenen. | Foto: Magalski
Den Lieferschein der Mineralwasserfabrik Karl Ebrecht fand Mertens ebenfalls im Schrank. | Foto: Magalski
Autor:

Daniel Magalski aus Lünen

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