Autor der Ostfriesen-Krimis im Interview
Klaus-Peter Wolf: "Jeder trägt die Hölle in sich"

Klaus-Peter Wolf ist Bestseller-Autor, vor allem bekannt für seine Ostfriesen-Krimis, und mordet auf dem Papier auch im Kreis Unna.
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Ostfriesenkiller. Ostfriesenblut. Ostfriesengrab und viele mehr. Klaus-Peter Wolf schafft es mit seinen Büchern an die Spitze der Bestseller-Listen, doch Mord und Totschlag gibt es nicht nur im Norden, sondern auch hier im Kreis Unna. Im Lüner Anzeiger-Interview erzählt der Autor, wie seine Geschichten entstehen und dass jeder von uns das Zeug zum Mörder hat.

Von Daniel Magalski

Klaus Peter Wolf - Krimi-Fans denken bei diesem Namen sofort an die Ostfriesen-Krimis. Wie kommt es, dass Sie auch im Kreis Unna morden?

Klaus-Peter Wolf: Mein alter Freund, der Schriftsteller Herbert Knorr, hatte mich eingeladen, für die 9. Anthologie Mord am Hellweg „Henkers.Mahl.Zeit“ einen Beitrag zu schreiben. Da ich die Stadt Unna sehr mag – ich liebe Orte, die unterschätzt werden – war mir gleich klar: Ich will meine Geschichte in Unna spielen lassen. Ich war mehrfach zu Lesungen in Unna. Ich reise dann immer sehr früh an, sitze in Cafés herum, schaue mir die Stadt an, rede mit den Leuten…

Lokalkrimis liegen im Trend. Aber funktioniert Unna so gut wie Ostfriesland?

Klaus-Peter Wolf: Wie Ostfriesland wird auch Unna gewaltig unterschätzt. Wer weiß zum Beispiel, dass sich dort ein faszinierendes Lichtmuseum befindet? Ein mysteriöser Ort für die Kunst, von europäischem Rang. In Ostfriesland ist es nicht anders. Als ich die ersten Ostfriesenkrimis schrieb, sagte man mir: „Die Ostfriesen lesen nicht, und was da passiert, interessiert keine Sau.“ Jetzt bevölkern meine Ostfriesenkrimis regelmäßig monatelang die Spitzen der Bestsellerlisten. Ich fände es langweilig, über New York, Paris oder die großen Metropolen zu schreiben, die ohnehin die Nachrichten dominieren und die im Grunde jeder kennt. Ich suche das Besondere, das Unentdeckte, und das präsentiere ich meinen Lesern. Insofern war Unna ein idealer Ort für mich. Hier tobt im Grunde das kulturelle Leben. Bloß im Rest der Republik kriegt man das nicht unbedingt mit.

Was sind die Themen ihrer Kurzgeschichte?
Klaus-Peter Wolf: Ein Witwenclub gräbt reiche Männer an, mit dem Ziel, sie nach der Heirat umzubringen. Eine Witwe hat sich für einen Witwer aus Unna entschieden. Er ist eine Art Heimatforscher und verändert ihr Leben.

Erzählen Sie doch bitte von der Entstehung der Geschichte. Haben Sie vor Ort im Kreis Unna recherchiert?
Klaus-Peter Wolf: Natürlich bin ich zur Recherche für zwei Tage in die Stadt gekommen und habe mir die genauen Tatorte angesehen. Ich habe im Ringhotel Katharinenhof gewohnt, bei Oma Kepmann war ich sehr gut essen. Das Ententeich-Restaurant hat mir gefallen, die Museumskneipe im Buhre Haus im Nicolai-Viertel ... Im Waffelstübchen war ich begeistert vom Duft des Cafés und vom Geschmack der Waffeln. Ich liebe ja Cafés, das durchzieht mein ganzes Werk. Mit Birgit Okulla im Altstadt-Atelier habe ich über Ringe und Schmuck diskutiert. Dabei kam mir die entscheidende Idee für die Geschichte.

Kamen Sie mit den Menschen im Kreis Unna ins Gespräch? Ihr Gesicht ist ja mittlerweile sicher ziemlich bekannt.
Klaus-Peter Wolf: Ja, das stimmt. Ich gehe nicht ohne Autogrammkarten in der Tasche aus dem Haus. Mit zahlreichen Fans habe ich in Unna Gespräche geführt und mir u.a. die verschiedenen Geschichten erzählen lassen, warum Esel in Unna so eine große Rolle spielen.

Wo findet ein Bestseller-Autor die Inspiration für einen guten Krimi? In einer nebligen Novembernacht oder fließen "mörderische Ideen" auch bei Sonnenschein und 30 Grad?
Klaus-Peter Wolf: Ich habe keine Idee für Geschichten, sondern ich finde Menschen spannend und versuche, sie zu begreifen. Wenn zwei spannende Menschen zusammen in einem Raum sind, entsteht eine gute Geschichte. Jede gute Geschichte lebt vom Konflikt. Im Leben neige ich eher dazu, Konflikte zu vermeiden, in meinen Geschichten treibe ich sie auf die Spitze und setze Menschen unter den größtmöglichen Druck. Insofern muss ich als Autor ein Schwein sein, im restlichen Leben aber bin ich – so hoffe ich – ein freundlicher, umgänglicher Mensch. Das Wetter spielt dabei keine Rolle, schreiben kann ich überall. Ich schreibe mit einem Füller in eine Kladde - in Cafés, Zügen, Hotelzimmern, wo immer ich gerade bin. Schreiben ist für mich wie Atmen. Ich kann gar nicht ohne.

Ist Mörder gleich Mörder - oder morden die Menschen im Kreis Unna, hier an der Grenze zwischen Ruhrpott und Münsterland, anders als in Ostfriesland?
Klaus-Peter Wolf: Grundsätzlich glaube ich, dass jeder Mensch zum Mörder werden kann. Er muss nur an seiner empfindlichen Stelle angetriggert werden. Jeder trägt die Hölle in sich, das heißt aber nicht, dass sie auch ausbrechen muss. Meine Bücher werden in 24 Sprachen übersetzt. Vielleicht ist dies ein Zeichen dafür, dass die Menschen gar nicht so unterschiedlich sind. In China kann man sich vor den gleichen Dingen gruseln und über die gleichen Dinge lachen wie bei uns. Und in Unna mordet man nicht anders als in Ostfriesland.

Sie dürfen in drei Sätzen für Ihr Hörbuch zur Kurzgeschichte, das im Juni erscheinen wird, werben. Warum sollte es in keinem Haushalt fehlen?
Klaus-Peter Wolf: „Das Jahrestreffen der glücklichen Witwen“, so heißt das Hörbuch, enthält drei Erzählungen von mir – eine, gesprochen von Katharina Thalbach, eine von Robert Missler (den kennt noch jeder als Grobi aus der Sesamstraße) und eine, die Unna-Geschichte, lese ich selbst vor. Es ist ein Blick in die Abgründe der menschlichen Seele und in dem Blick erkennen wir uns selbst. Im Hörbuch bekommen die Texte die zusätzliche Dimension einer stimmlichen Interpretation und das liebe ich.

Worauf dürfen sich Leser, die von Klaus Peter Wolf nicht genug bekommen können, als nächstes freuen?
Klaus-Peter Wolf: Mein Roman „Ostfriesennacht“ ist im Februar erschienen. Noch bin ich damit auf Tournee. Am 26. Juni werden Buch und Hörbuch „Todesspiel im Hafen“ erscheinen. Der Serienkiller Dr. Bernhard Sommerfeldt erzählt von seinen Taten. Hier war die Arbeit im Studio besonders intensiv, weil ich ja als Serienkiller der Ich-Erzähler war.

Vor wenigen Tagen erreichte Sie eine schöne Nachricht, ebenfalls aus dem Kreis Unna. Heinrich Peuckmann, der Kamener ist, teilte Ihnen mit, dass Sie in den P.E.N. Club, einen der bekanntesten internationalen Autorenverbände, gewählt wurden. Was bedeutet Ihnen diese Entscheidung?
Klaus-Peter Wolf: Ich habe Heinrich Peuckmann mehrfach in Leipzig während der Buchmesse getroffen. Wir haben uns immer gut verstanden und bei einem gemeinsamen Frühstück fragte er mich, warum ich eigentlich nicht im P.E.N.-Club sei. Viele gingen davon aus, dass ich dort seit Jahren Mitglied sei. Das war aber nicht so, obwohl ich immer die Ziele des Clubs unterstützt habe. Besonders die Arbeit für bedrohte und verfolgte Schriftsteller und Journalisten lag mir immer am Herzen. In diesen Zeiten kommen in einigen Ländern Journalisten und Schriftsteller schneller in den Knast als Schwerverbrecher. Da ist die Arbeit des P.E.N.-Clubs von großer Bedeutung."Das Jahrestreffen der glücklichen Witwen" erscheint am 21. Juni als Hörbuch, ISBN 978-3-8337-4087-9

Klaus-Peter Wolf ist Bestseller-Autor, vor allem bekannt für seine Ostfriesen-Krimis, und mordet auf dem Papier auch im Kreis Unna.
"Das Jahrestreffen der glücklichen Witwen" erscheint am 21. Juni als Hörbuch, ISBN 978-3-8337-4087-9

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