Angst vor der zweiten Corona-Welle
Sol Kulturbar hofft auf einen trockenen Sommer

Die idyllisch gelegene Sol Kulturbar hofft auf gutes Wetter und einige Open-Air Veranstaltungen.
  • Die idyllisch gelegene Sol Kulturbar hofft auf gutes Wetter und einige Open-Air Veranstaltungen.
  • Foto: Foto: PR-Foto Köhring/SC
  • hochgeladen von Andrea Rosenthal

Es ist ein Ritt auf der Rasierklinge. Die Angst vor einem neuen Corona-Ausbruch mit Lockdown begleitet Hakan Mengil, Gastronom und Pächter der Sol Kulturbar am Raffelbergpark. In seiner Bar, die bei den zahlreichen Live-Konzerten vor Corona fast immer bis auf den letzten Stehplatz gefüllt war, ist nichts mehr wie früher. Hygiene, Abstandsregeln und Mund-Nasen-Schutz bestimmen nun den Alltag.

Von Andrea Rosenthal

Am 13. März kam es ohne Vorwarnung zum Lockdown und erst am 13. Juli öffnete die Sol Kulturbar für die ersten Konzerte ihren Biergarten. Eine lange Durststrecke nicht nur für die Gäste, die vor verschlossenen Türen standen. Für den Gastronomen und seine Angestellten brachen sämtliche Einnahmemöglichkeiten weg, während die Kosten für Pacht, Sozialversicherung, Strom und Wasser weiterhin anfielen. Existenzbedrohend für Hakan Mengil.

Er hofft nun auf das Entgegenkommen der Stadt. „Mit den Zuständigen stehe ich in schriftlichem Kontakt, denn durch Homeoffice und Urlaubszeit sind die Ansprechpartner anders schwer zu erreichen“, berichtet der Gastronom. Eine erste Hilfe war der Beschluss im Stadtrat, die Gastronomie zu unterstützen, indem zusätzliche Flächen für den Außenbereich freigegeben wurden. So konnte Hakan Mengil den Biergarten der Sol Kulturbar erweitern und Platz für eine kleine Bühne schaffen. Seit dem 13. Juli gibt es nun Biergartenkonzerte, vier sind inzwischen gelaufen.

„Wir beschränken uns dabei nach einer Vorgabe des Landes auf 100 Personen inklusive Musiker und Personal“, erzählt der Gastronom. Die Aufstockung auf 150 Personen, die inzwischen erlaubt wären, macht er nicht mit, um die Abstände gut einhalten zu können. „Zunächst einmal bin ich sehr froh, dass wir wieder öffnen können, auch wenn es zur Zeit als Wirt sehr anstrengend ist.“ Immer wieder müsse er die Gäste an die Abstands- und Maskenregeln erinnern. Das sei für alle Beteiligten nervig. Hakan seufzt: „Aber ich will auf gar keinen Fall der Hotspot eines neuen Ausbruchs sein.“ Die aktuellen Einschätzungen des Robert-Koch-Instituts zur Corona-Situation verfolgt er aufmerksam. Und zieht daraus seine Schlüsse.

Der Verlust ist nicht mehr aufzuholen

Auch wenn Buffets mit Maskenregeln wieder erlaubt sind, gibt es in Hakans Biergarten nur Kleinigkeiten vom Grill, die der Wirt auf Bestellung zubereitet und in kleinen Päckchen an den Tisch bringt. „In erster Linie soll es ja auch um die Getränke und den Musikgenuss gehen“, betont er.

Die Gesellschaften, die sonst einen großen Teil seines Geschäftes ausmachten, lässt Hakan Mengil noch bis September nicht zu. „Die meisten haben auch von sich aus storniert“, bedauert er die Situation.

Die entgangenen Einnahmen kann er nicht wieder hereinholen, auch wenn die Auflagen weiter gelockert werden. Was könnte in seiner Situation helfen? Hakan Mengil ist realistisch: „Mir würde alles helfen außer einer Stundung der Pacht, die ich zum Jahresende nachzahlen muss. Denn das Geld wird nicht da sein.“

Jetzt hofft er auf einen warmen und trockenen Sommer. „Wir sind extrem wetterabhängig, weil es keine Möglichkeit gibt, in die Sol Kulturbar auszuweichen.“ Deshalb wird das Konzertprogramm auch immer recht kurzfristig bekannt gegeben. Die Sol Kulturbar ist in der Musikszene gut vernetzt, viele Künstler spielen regelmäßig dort. „Und weil im Moment ja alle arbeitslos sind, findet sich auch kurzfristig immer eine hochkarätige Band“, verspricht Hakan.

Fans der Livemusik folgen der Sol Kulturbar am besten auf Facebook, um keinen Termin zu verpassen. Auch für einen Newsletter kann man sich anmelden. Und dann heißt es schnell sein, denn die wenigen Plätze sind schnell ausverkauft. 15 Euro kostet ein Ticket in der Regel. Und jedes einzelne hilft, ein kulturelles Highlight in Mülheim zu erhalten. 

CDU Speldorf fordert Hilfe

>> Einen Pachterlass für die Zeit, in der coronabedingt die Auflagen so streng sind, dass wenig bis gar keine Umsätze erzielt werden können, da sich nur zwölf Gäste im Lokal aufhalten dürfen, fordert der CDU–Stadtverordnete Bernd Dickmann, der auch Vorsitzender der CDU Speldorf ist.
>> Die CDU fordert eine Stärkung des Kulturstandortes Raffelbergpark. Diese könne nur über einen Pachterlass, zumindest zu einem Großteil, erreicht werden. Eine Stundung bringe keinem etwas; auch der Stadt nicht. Eine Stundung treibe die Sol Kulturbar in die Insolvenz; dann erhalte die Stadt ihre Pacht auch nicht.
>>  "Ich selbst", so Bernd Dickmann, "konnte mich beim Open – Air Konzert der 78 Twins am 13. Juli wieder einmal vom großartigen kulturellen Angebot in der Kulturbar überzeugen. Anerkennenswert ist zudem, dass dieses kulturelle Angebot außerhalb der Pandemie gänzlich ohne städtische Zuschüsse aufrechterhalten wird."

Autor:

Andrea Rosenthal aus Mülheim an der Ruhr

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