Simone Thoma inszeniert Ibsens Familiendrama Gespenster im Theater an der Ruhr
Von der Selbstzerstörung einer Familie

Nach Heilig Abend inszeniert Simone Thoma jetzt Ibsens Familiendrama Gespenster. Mit Dramaturg Helmut Schäfer (l.) macht sie Interessierten in einer Matinee am 24. Februar Appetit auf mehr. Premiere des Stücks, in dem Roberto Ciulli (r.) eine "Schlüsselrolle" innehat, ist am 8. März.     Foto: Reiner Terhorst
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  • Nach Heilig Abend inszeniert Simone Thoma jetzt Ibsens Familiendrama Gespenster. Mit Dramaturg Helmut Schäfer (l.) macht sie Interessierten in einer Matinee am 24. Februar Appetit auf mehr. Premiere des Stücks, in dem Roberto Ciulli (r.) eine "Schlüsselrolle" innehat, ist am 8. März. Foto: Reiner Terhorst
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Gespenster haben derzeit Hochjunktur. Zumindest auf den deutschen Bühnen. Denn Henrik Ibsens gleichnamiges Familiendrama steht jetzt zeitgleich auf den Premieren-Spielplänen einiger renommierter Theater. In Mülheim inszeniert Simone Thoma das Stück mit Vorgeschichte und zeitloser Aktualität höchst eigenwillig.

In dem Stück hält Ibsen der Gesellschaft einen Spiegel vor. Es geht um die Selbstzerstörung einer Familie, um Orgien, Alkohol, Missbrauch, Vertuschung und Vorgaukeln einer heiklen Welt. Bei der Einweihung eines Kinderheimes werden die Gespenster wach, die den Blick zurück auf eine Geld-Ehe mit ihren Täuschungen und Enttäuschungen, mit außerehelichen Kindern, Geschlechtskrankheiten und ihren Folgen bei unschuldigen Nachkommen richten.

Wilde Empörung

Betrachtet man das reale Geschehen, das der wohl bedeutendste Dramatiker des Nordens im Hause der Familie Alving beschreibt, ist es kein Wunder, dass Gespenster, 1881 veröffentlicht, für „wilde Empörung“ sorgte, zunächst der Zensur zum Opfer fiel - und viele Länder eine Aufführung strikt ablehnten. So wurde Ibsens Familiendrama 1882 in Amerika uraufgeführt, ehe es auch in Europa und Deutschland die Theaterlandschaft prägte.

Oswald, Frau Alvings Sohn, kehrt aus Paris zurück, um zur Einweihung eines Kinderheimes zu kommen, das seine Mutter aus dem Nachlass ihres verstorbenen, „ruchlosen“ Mannes errichten ließ. Gespielt wird der junge Sohn von Roberto Ciulli, der bekanntlich ein wenig dem jugendlichen Alter entrückt ist. Doch die Besetzung der Schlüsselrolle mit dem Intendanten des Theaters an der Ruhr ist gewollt und Teil der pointierten Inszenierung von Simone Thoma: „Kein anderer könnte hier das Schicksal des missbrauchten Osvald, der viel zu früh viel zu alt geworden ist und letztlich an den Folgen der Erbkrankheit stirbt, besser darstellen als Roberto.“

Mumifizierte Vergangenheit

Dramaturg Helmut Schäfer stellt fest, dass Ibsen in dem Stück gewissermaßen die Vergangenheit „mumifiziert“ habe: ihr kann man nicht entkommen, sich ihrer nie entledigen. Sie geistert als Gespenst durch die Zeit. Die Regisseurin macht den Theatersaal zum Animierzimmer des verstorbenen Herrn Alving. Sie macht aus dem Theater am Raffelberg einen Palast der Sünde. 

Sie verzichtet auf ein Bühnenbild und stattet die Handlungsumgebung dafür mit Utensilien aus, die sie im riesigen Fundus des Theaters entdeckt hat. So kommen erstmalig wieder die „uralten Lyster“ zum Einsatz, die man vor dem Einzug als Theater dort gefunden und schnell abgehängt, aber sorgsam aufbewahrt hatte.

Herausragende Musik

Auch die Musik spielt bei ihrer neuen Regiearbeit eine herausragende Rolle. Brahms Kinderwiegenlied wird zu hören sein, aber auch neue Stücke von Mathhias Flake. Er lieferte schon für das pantomimische Stück "Clowns im Sturm" viele musikalische Ideen.  Auch die Musik zieht sich wie ein Gespenst durch "Gespenster". Petra van der Beek, Dagmar Geppert, Klaus Herzog und Steffen Reuber verkörpern neben Ciulli die weiteren Protagonisten des Dramas.

Premiere ist am Freitag, 8. März, 19.30 Uhr. Weitere Vorstellungen gibt es an zwei Sonntagen, dem 17. und 24. März, jeweils um 18 Uhr, sowie am Freitag, 29. März, wieder um 19.30 Uhr. Schon am Sonntag, 24. Februar, findet die Matinee zur Premiere statt. Simone Thoma und Helmut Schäfer informieren dann über die neue Inszenierung und stehen für Gespräche mit Interessierten zur Verfügung. 
Karten zum Preis für 23,50 Euro (ermäßigt 9 Euro) für alle Vorstellungen gibt es unter der Telefonnummer  599 01 88 im Theater von montags bis freitags, 10 bis 18 Uhr und samstags von 11 bis 15 Uhr. Oder in der Touristinfo im MedienHaus, Synagogenplatz 3, Telefon 960 960.

Nach Heilig Abend inszeniert Simone Thoma jetzt Ibsens Familiendrama Gespenster. Mit Dramaturg Helmut Schäfer (l.) macht sie Interessierten in einer Matinee am 24. Februar Appetit auf mehr. Premiere des Stücks, in dem Roberto Ciulli (r.) eine "Schlüsselrolle" innehat, ist am 8. März.     Foto: Reiner Terhorst
Simone Thoma präsentiert eine höchst eigenwillige, pointierte Inszenierung von Ibsens Gespenster.        Foto: Peter Kapusta
Autor:

Reiner Terhorst aus Duisburg

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