Ausgezählt - zwei Grundschulen und eine Hauptschule müssen schließen

Nur wenige Tage, nachdem die Verwaltung ihre Vorlage zum Bildungsentwicklungsplan vorgestellt hat, legten CDU, Grüne, FDP und MBI - und damit die Mehrheit - einen gemeinsamen Antrag vor, der noch über die Vorlage der Verwaltung hinausgeht.

Seit einem Jahr haben die Kommunalpolitiker fraktionsübergreifend daran gearbeitet. Nicht nur, um sich in zahllosen Sitzungen und Gesprächen mit Schulen ein eigenes Bild machen zu können, sondern auch aus einem Misstrauen gegenüber der Verwaltung heraus. Man habe das Gefühl gehabt, so Heiko Hendriks (CDU), dass die Verwaltung gezögert habe, sich auf einen bestimmten Vorschlag festzulegen.
Das Ergebnis stimmt in vielen Bereichen mit der Verwaltungsvorlage überein, geht aber zum Teil sogar noch darüber hinaus. Dabei habe man vor allem den gesamtstädtischen Kontext im Auge gehabt, betont Heike Ostermann, bildungspolitische Sprecherin der FDP.
Brisantester Punkt des Antrages ist sicher die Auflösung der Hauptschule an der Bruchstraße zum Schuljahr 2012/2013. Denn die Bildungspolitiker sehen selbst die Prognosen für künftige Anmeldungen skeptisch: „Ab dem nächsten Schuljahr können die Eltern wieder selber über Schulform entscheiden, dann wird es sicher einen deutlichen Rückgang der Zahlen geben“, so MBI-Mitglied Annette Klövekorn. Mehr als drei, maximal vier Züge erwarte man nicht. Außerdem, so Inge Göricke (Grüne), müsse man Rahmenbedingungen schaffen für mögliche Schulformen, die im Landesgesetz verankert werden - hier läuft die Diskussion noch. Aber für einen differenzierten Unterricht werden mindestens drei Züge benötigt. „Das können wir in der Dümptener Schule in ganz kurzer Zeit erreichen, wenn man das Gebäude Sandershof mitnutzt“, so Hendriks.
Hauptkriterium im Grundschulbereich war für die Politiker die Sicherstellung des Unterrichts. Das gelingt nur, wenn der Schnitt von 25 Kindern pro Klasse erreicht wird - nur dann gibt es eine Lehrerstelle. Es gibt in Mülheim jedoch nicht wenige Grundschulen, die diesen Schnitt nicht erreichen. Deshalb sollen die, die man erhalten will, zu Teilstandorten werden.
Von 24 Grundschulen sollen 22 weitergeführt werden. Aufgegeben werden die Gathestraße und eine der Grundschulen an der Zastrowstraße in Styrum. Ein Jahr haben die beiden Konfessionsschulen Zeit, sich auf eine Schulausrichtung zu einigen. Von 29 Standorten sollen 24 übrig bleiben. Das Aus kommt für die Teilstandorte Fröbelstraße, Meißelstraße, Schlägelstraße, Kurfürstenstraße und Blötter Weg.
Um sie zu erhalten, soll die Saarnbergschule Teilstandort der Klostermarktschule werden und die Grundschule Dichterviertel Teilstandort der Astrid-Lindgren-Schule. Zudem will man die Eppinghofer Grundschule durch ein frühkindliches Bildungszentrum samt Tagesstätte für zwei- bis zehnjährige Kinder erweitern - möglichst durch Mitfinanzierung von Land oder Stiftungen. Eine Teilsanierung der Grundschule soll geprüft werden. Einen dreizügigen Ausbau für 4,5 Millionen Euro, wie die Verwaltung es vorschlägt, lehnen die Politiker ab: „Dafür fehlen die Kinder und sind die Investitionen für einen Standort zu hoch.“
In Heißen will man die Schulen an Filchnerstraße und Fünter Weg zunächst erhalten, eine Machbarkeitsstudie soll die Konzentration auf einen Standort prüfen. Die Katharinenschule in Speldorf zieht in das Gebäude der Hauptschule.
Insgesamt auf 75 Millionen Euro schätzt die Verwaltung den Bedarf für die zukünftige Mülheimer Schullandschaft, nur 5 Millionen maximal stehen jährlich zur Verfügung. Aber mit der eigenen Vorlage, so sind sich die Politiker sicher, ist die Schullandschaft zukunftsfähig aufgestellt.
Dass sie im Rat auch so beschlossen wird, ist sicher. Die vier Parteien stellen die Mehrheit. Abweichler wird es nicht geben, wird unisono versichert. Man wolle auch die SPD ins Boot holen. Bei den Grundschulen herrsche allgemeiner Konsens. Uneinig ist man sich bei der Hauptschule. Aber die Stimmen sind ausgezählt.

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