Denkmaltag 2020 in Mülheim erstmals nur virtuell - Kulturort Ruhrstraße 3 ist mit dabei
153 Jahre Stammhaus der Tengelmann-Gründerfamilie Schmitz-Scholl (1867) in der Ruhrstraße 3 in Mülheim - heute ein junges Mülheimer Kunstmuseum, Kunstgalerie und Künstlertreff

Imposantes Tor und Basilisken am Giebel kennzeichnen die Villa Schmitz-Scholl
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  • Imposantes Tor und Basilisken am Giebel kennzeichnen die Villa Schmitz-Scholl
  • Foto: Dr. Stavenhagen - Mülheimer Kunstverein und Kunstförderverein Rhein-Ruhr (KKRR Ruhrstr. 3)
  • hochgeladen von Alexander Ivo Franz

Das historische Stammhaus der Tengelmann-Gründerfamilie, die Villa Schmitz-Scholl in der Ruhrstraße 3 nimmt am ersten deutschen digitalen Denkmaltag am 13. September 2020 teil.


Nach Umstrukturierung des Mülheimer Tengelmann-Konzerns und Verkauf des Betriebsgeländes WISSOL in Mülheim Speldorf im Jahr 2020 tritt das historische Stammhaus von 1867 des Familien-Konzerns in der Ruhrstraße 3 / Ecke Delle - am Mülheimer Innenstadtpark "Ruhranlage" wieder ins Rampenlicht – dank Denkmalschutz darf es nicht abgerissen werden. 

Am 19.10.1987 wurden das gut erhaltene gesamte Ensemble Ruhrstraße 3 bis 9 unter Denkmalschutz gestellt. Das historische Stammhaus der Tengelmann-Gründerfamilie, die Villa Schmitz-Scholl in der Ruhrstraße 3 nimmt am ersten deutschen digitalen Denkmaltag am 13. September 2020 teil - die Vorbereitungen dazu sind bereits in vollem Gange - das Motto 2020: „Chance Denkmal: Erinnern. Erhalten. Neu denken."


Wie fing alles an?


Mit der Industrialisierung wuchs die Stadt Mülheim an der Ruhr schnell – nahe an der Ruhr und dem alten Kohlenhafen bauten die Mülheimer ihre Stadt auf – so entstanden im Bereich Delle und Ruhrstraße zahlreiche freistehende Villen, aber auch Fabriken am sogenannten Fabrikkanal, der von der Ruhr abgezweigt die Troost’sche Weberei und weitere Betriebe mit „Wasserkraft“ versorgte. Die Bürgergesellschaft "MÜLHEIMER CASINOGESELLSCHAFT" baute 1842 an der Delle 57 ihr Ballhaus mit Clubräumen , Kegelbahn und Weinkeller.

Die ursprünglich um 1840 errichtete freistehende Villa in Ruhrstraße 3 der wurde zunächst als Wohn- und Kontorhaus mit Kolonialwarenlager durch Johann Wilhelm Meininghaus (1790–1869) und seine Frau Henriette geb. Troost (1796–1876) geprägt, die diesen Besitz 1856 mit Ludwig Lindgens (1824–1910) tauschten.

Wilhelm Schmitz-Scholl kannte das Haus gut, da er mit 15 Jahren dort als Lehrling beschäftigt war.

Später wohnte und arbeitete die Familie Louise Scholl und Wilhelm Schmitz – später Schmitz-Scholl zusammen mit Ludwig Lindgens in dem Haus an der Ruhrstraße 3. Als Lindgens seine spätere Frau Gertrud Rühl (1937-1897) kennenlernte zog dieser aus. Hier wurde der heutige Weltkonzern gegründet - eine erste Kaffee-Rösterei entstand zusätzlich in der gegenüberliegenden Ruhrstraße 6.

Wilhelm Schmitz–Scholl erwarb den Besitz sodann für 5000 Taler. Fest steht, dass im Laufe der Jahre Gebäudeteile abgerissen wurden bzw. mehrfach überformt wurden und sämtliche zunächst freistehenden Villen in der Ruhrstraße 3 bis 9 miteinander verbunden wurden.
Von den fünf Kindern der Gründerfamilie soll sich später Sohn Wilhelm (1861–1927) um das Anwesen in der Ruhrstraße 3–5 gekümmert haben - er war später dann in der Ruhrstraße 32 wohnhaft, dem heutigen Ruhrbania-Gelände.

Nach Auszug der Familie Schmitz-Scholl wurde von Baumeister Ernst Niebel für den Mülheimer Industriellen Carl Nedelmann (1867–1947) das Haus Ruhrstraße 3 zusammen mit der Errichtung der sog. Villa Nedelmann an der Delle Nr. 50 neben dem historischen Gebäude der Mülheimer Casinogesellschaft in der Ruhranlage die Villa Schmitz-Scholl erneut aufwändig umgestaltet, insbesondere der Stuck an der Fassade wurde nunmehr der Villa Nedelmann angepasst - ein Erker mit Zwiebelturm wurde an der Fassade zur Ruhr hin angebaut.

Der Mülheimer Metallwarenhändler Oskar Natorp war der nächste Eigentümer, der weitere Umbauarbeiten vornehmen ließ. Ruhrreder Jakob Haferkamp erwarb später das Anwesen.

Wie durch ein Wunder wurden die Häuser in der "Kleinen Ruhrstraße" und das CASINO-Gebäude an der Delle beim Bombenangriff auf die Stadt Mülheim am 23. Juni 1943 verschont, während die "Villa Nedelmann" schwer beschädigt wurde.
Carl Nedelmann bemühte sich verzweifelt, die imposante Villa wieder aufzubauen, jedoch versagte die Stadtverwaltung Mülheim ihm diesen Wunsch, da das Grundstück in den Innenstadtpark mit der Bezeichnung „Ruhranlage“ eingegliedert werden sollte. Nur eine Teil der Außenmauer der Villa Nedelmann ist an der Delle 54 -60 heute noch erhalten wo sich heute das „Amt für weiterbildende Fantasie“ befindet.

Die Villa Ruhrstraße 1 wurde im Jahr 1955 abgerissen, um dem neuen viergeschossigen Verwaltungsgebäude der damaligen Gesellschaft für Stromwirtschaft (GfSt) zu weichen. Dieses Gebäude wurde im Jahr 2017 ebenfalls unter Denkmalschutz gestellt. Bis 2012 war das Verwaltungsgebäude mit der Villa Schmitz-Scholl über das Treppenhaus verbunden. Der Zugang wurde zugemauert und ist heute noch zu erkennen.

Seit 2012 Kunstmuseum - umbenannt 2019 in Kulturmuseum Mülheim - kurz KuMuMü

Seit 2012 wird die Villa Schmitz-Scholl als Kunstmuseum, Kunstgalerie, Atelier- und Wohnhaus u.a. von örtlichen Kunstvereinigungen genutzt. Ein großer Galeriehof wird u.a. für Veranstaltungen und Ausstellung von Skulpturen genutzt.

Zu der ungewöhnlichen Jugendstilarchitektur der Villa Schmitz-Scholl wird von Roland Günter in seinem Buch "Die Kunstdenkmäler des Rheinlandes" in Bezug auf das markante Eingangsportal an der Ruhrstraße 3 auf das Portal der Londoner Whitechapel Art Gallery von Townsend hingewiesen. An der Hauptfassade sind im Giebelbereich Basilisken, Schlangen und Insekten dargestellt. An der zur Ruhr gewandten Rückseite wurde ein Erker mit Zwiebelturm angebaut. Das Treppenhaus wurde damals mit einem Glasdach gestaltet.

Quellen: Archiv des Mülheimer Kunstvereins - KKRR, Stadtarchiv und Katasteramt der Stadt Mülheim, Aufzeichnungen der Familie Nedelmann, Archiv im Tengelmann-Museum Mülheim, GUM – Gründer- und Unternehmer Museum Mülheim - ERSTES HAUS AM PLATZ IN MÜLHEIM AN DER RUHR

Eintritt und Parken frei - Sicherer Parkplatz für EBikes - seit 2012 über 200 museale Veranstaltungen mit Unterstützung des Mülheimer Kunstvereins KKRR.

Autor:

Alexander Ivo Franz aus Mülheim an der Ruhr

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