Kommentar von Stephan Leifeld
Landesregierung sieht keine Entwarnung bei Pandemie, öffnet dennoch die Grundschulen ...

Ich bin wirklich erstaunt, was in Schilda so alles möglich ist. Als wäre es eine Reserve, die man nun noch zwei Wochen vor den Schulferien als Infektionsmasse in die Schlacht schicken muss, werden die Kinder von Ministerin Gebauer (FDP) quasi "einberufen". Die Eltern sind skeptisch, heißt es. Die Regierung hält eine zweite Infektionswelle für möglich, heißt es ebenfalls. Seit den letzten Lockerungen der Maßnahmen steigen die Infektionszahlen weiterhin an - die im übrigen noch nie wirklich gesunken waren. Es macht mich zornig, - wenn ich diese Unfähigkeit in unserer politischen Gesellschaft betrachte - dann mal wirklich das Schuljahr abzuhaken. Die Kinder haben nichts von improvisierten zehn Tagen Schule, in denen vorher schon klar ist, dass dann nicht einmal die Hygiene- und Abstandsregeln eingehalten werden können.

Sehen wir den Tatsachen einmal ins Gesicht. Dann stellen wir fest, dass unsere Gesellschaft uneinig darüber ist, ob es diese global ausgerufene Pandemie wirklich gibt. Es gibt Staaten, in denen die Schulen bis August geschlossen bleiben, weil man dort sehr spät die reale Bedrohung erkannt hat. Mit wirklich alarmierenden Zahlen wollen beispielsweise die Engländer bei den Kindern nichts falsch machen. Schließlich haben auch internationale Wissenschaftler vor einigen Wochen erkannt, dass das Infektionsrisiko für Kinder nicht so gering ist, wie man anfangs angenommen hatte. Inzwischen weiß man, dass Corona keine Krankheit "nur" für alte Menschen ist. Es sterben überall Menschen infolge Covid19-Infektionen. In Deutschland sehen die Zahlen nur besser aus, weil man hier vielleicht mehr Glück als Verstand gehabt haben könnte. 

MIS-C, die Krankheit mit Symptomen wie bei der sogenannten Kawasaki-Krankheit, wurde in den USA und in Deutschland medizinisch nachgewiesen. Das Thema ist noch sehr frisch, weshalb die beiden vorliegenden Studien noch geprüft werden.Statt aber die Ergebnisse der Prüfungen abzuwarten, muss Frau Gebauer von der FDP unbedingt vor den Sommerferien, Kinder aus NRW in die Schulen "einberufen", wie es scheint.

Überhaupt erschließt sich mir nicht die Logik von Frau Gebauer und ihren Mitstreitern:
Oft wird schließlich argumentiert, dass für ein paar Wenige, die angeblich von Covid-19 stärker betroffen sein könnten, nicht die gesamte Gesellschaft "lahmgelegt" werden sollte. Andererseits ist dann das einzige Argument, warum die Schulen wieder umfangreich geöffnet werden, die Bildung einzelner Kinder, die zu den "Benachteiligten" gerechnet werden. Man setzt also möglicherweise die Gesundheit aller Kinder aufs Spiel, dass dann Lehrerinnen und Lehrer in den verbleibenden Tagen - in denen sie vermutlich kaum Probleme mit der Einhaltung der Hygiene- und Abstandsmaßnahmen an den Schulen haben sollen - bei einigen wenigen Kindern feststellen, welchen individuellen Förderbedarf eben diese wenigen Kinder in den anschließenden Schulferien haben. Das leuchtet mir nicht ein. Da werden m.E. in beiden Fällen Menschen gegeneinander aufgerechnet, wenn man genau hinschaut. 

Mein Vorschlag ist seit Wochen klar:
1. Lehrerinnen und Lehrer, die noch nicht dazu in der Lage sind, ortsunabhängig zu unterrichten, lernen das endlich. Schließlich leben wir im Jahr 2020. Einige Schulen schaffen das schon seit Jahren - ohne Corona - und andere Schulen haben in den letzten Wochen deutlich aufgeholt. Es gibt Bundesländer, die verpflichten ihr Personal zu Fortbildungen. So sollte es auch endlich in NRW eingeführt werden. Nicht auf dem Rücken der Kinder sollte die Bildung weiterentwickelt werden, sondern auf dem Buckel der Profis, die dafür bezahlt werden. 
2. Sollten wirklich ein paar Kinder eigentlich versetzungsgefährdet sein, bildungsfern oder benachteiligt, hat man früher Hausbesuche gemacht. Engagierte Lehrer sind zu meiner Schulzeit in sogenannte soziale Brennpunkte gegangen, um die Kinder mit den Eltern kennenzulernen - für einen gemeinsamen Weg. In Zeiten reduzierter Unterrichtszeit, wäre dafür endlich mal wieder Zeit gewesen, derartige Stunden auch bezahlt zu bekommen - statt wochenlang zuhause auf die Wiedereröffnung der Schule nur zu warten. Hygiene- und Abstandsregeln kann man bei Hausbesuchen wunderbar einhalten, im Gegensatz zu dem, was unseren Kindern in den zwei Wochen droht. 
3. Die Schulen bleiben eingeschränkt offen bis zu den Schulferien. Erst, wenn nach den Schulferien die anderen Fragen, bezogen auch auf Infektionsrisiko von Kindern - Stichwort: Neue Drosten-Studie - geklärt sind, kann man wieder verantwortungsvoll zu Präsenzunterricht zurückkehren. Das kann auch erst September oder Oktober 2020 sein. Das bestimmt kein Politiker, sondern der Umgang von uns Menschen mit der Pandemie...

Abschließend möchte ich meinen Text als Aufruf an ALLE ELTERN verstanden wissen, darüber nachzudenken, ob es genügt, "skeptisch zu sein", um die Kinder einer Entscheidung ehrgeiziger Politiker opfern zu wollen. Niemand kann nämlich garantieren, dass die Entscheidung von Frau Gebauer besser ist, als die Linie von Kanzlerin Merkel... oder das Fachwissen von Epidemiologen. 

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Autor:

Stephan Leifeld aus Schermbeck

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