Bisher unter Corona keine Zunahme häuslicher Gewalt im Kreis Unna
Doch wie hoch ist die Dunkelziffer?

In Zeiten der Corona-Krise liegen die Nerven in vielen Familien blank. Trotzdem: Häusliche Gewalt ist nicht zu rechtfertigen! Betroffene sollen sich bitte Hilfe suchen. Foto: LK/Kaemper
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Die viel befürchtete Zunahme von häuslicher Gewalt als Folge der Corona-Krise hat es zumindest im Kreis Unna bisher nach offiziellen Zahlen nicht gegeben. Birgit Unger, Geschäftsführerin des Frauenforums, berichtete im Arbeitskreis Soziales der SPD-Fraktion im Kreistag zur aktuellen Situation.
Die gute Nachricht: Frauenhaus und Wohnungslosenhilfe für Frauen verzeichneten während der vergangenen Wochen keine wachsende Nachfrage. Auch mit Blick auf die Gesamtlage in der Region seien nach wie vor ausreichend Hilfskapazitäten vorhanden. Landrat Michael Makiolla als Chef der Kreispolizeibehörde bestätigte ebenfalls: Die Zahl der Einsätze wegen Gewalt im häuslichen Umfeld ist sogar zurückgegangen. Gleichwohl: Eine nicht kalkulierbare Dunkelziffer muss erfahrungsgemäß immer mit einberechnet werden. Ggf. halten die Frauen in Corona-Zeiten länger aus – mit einem Mehr an Lockerungen werden vermutlich auch wieder mehr Frauen Hilfe und Schutz suchen.
Laut Birgit Unger wird zurzeit die vorübergehende ausschließlich telefonische und digitale Beratung hilfesuchender Frauen wieder auf persönliche Beratungsgespräche umgestellt. Auch sonst gewinnen Themen wieder an Bedeutung, die aufgrund der Corona-Krise zunächst zurückgestellt werden mussten.

Schutzplätze für Frauen in Lünen

Ein Beispiel: Die Forderung aller Fraktionen im Rat der Stadt Lünen an die Verwaltung, „dem Kreis Unna gegenüber den Bedarf zur Bereitstellung zusätzlicher Schutzplätze für Frauen in Lünen zu erklären, gemeinsam ein Konzept zu entwickeln und entsprechende Fördermittel zu beantragen“. Hintergrund dieser breit getragenen Initiative: 2019 hatte das Frauenforum sein Angebot einer offenen Sprechstunde an jedem zweiten Montag in den Räumen der Frühförderstelle in Lünen wieder aufgegeben, weil es dafür wenig Nachfrage gab. Andererseits ist aber für viele Frauen der Weg nach Unna in das Haus des Frauenforums zu weit. Zudem hat sich das Land bereit erklärt, landesweit mehr Frauenhausplätze zu fördern.

Angelika Chur, sozialpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion und Vorsitzende des Arbeitskreises Soziales, versprach, dass Anliegen der Lüner Frauen intensiv zu beraten. Es sei wichtig, das Beratungs- und Hilfsangebot auch für Frauen in Lünen bedarfsgerecht aufzustellen. Einen entsprechenden Prüfauftrag bezeichnet auch Sozialdezernent Torsten Göpfert als sinnvoll. Bei der Wohnungslosenhilfe könne jetzt bereits gesagt werden, dass es zu wenige Plätze gebe.

In Zeiten der Corona-Krise liegen die Nerven in vielen Familien blank. Trotzdem: Häusliche Gewalt ist nicht zu rechtfertigen! Betroffene sollen sich bitte Hilfe suchen. Foto: LK/Kaemper
Angelika Chur, Vorsitzende des Ausschusses für Soziales, Familie und Gleichstellung (SPD).
Autor:

Anja Jungvogel aus Stadtspiegel Kamen

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