Peter Mohr

Beiträge zum Thema Peter Mohr

Kultur

Barbara Honigmanns Band „Mischka“
Irrungen und Wirrungen

„Ortsnamen verbanden sich mit den Worten Gefängnis, Zuchthaus, Lager, Gulag, Einzelhaft, Folter, Verbannung und Zwangsarbeit in Sibirien, hinter dem Polarkreis. All das hörte ich und davon las ich, und all das hörte dann endlich auch die ganze Welt, und wer will jetzt sagen, was schlimmer war, Auschwitz oder Workuta, das Butyrka-Gefängnis oder das Zuchthaus Brandenburg?“ fragt die 77-jährige Barbara Honigmann in ihrem autobiografischen Band „Mischka, in dem sich die Autorin auf behutsame Weise...

Kultur

Vor 125 Jahren wurde Marie Luise Kaschnitz geboren
Sprachrohr der Ratlosigkeit

Mit dem ihr oft verliehenen Etikett der „grande dame“ der deutschen Literatur konnte sich die Schriftstellerin Marie Luise Kaschnitz nie anfreunden. Obwohl sie nur in ihrer „Jugend“ Romane und nach dem Krieg vorwiegend Gedichte und Erzählungen geschrieben hat, gilt sie als eine der herausragenden Gestalten in der deutschen Nachkriegsliteratur. Marie Luise Kaschnitz hat ihren eigenen Stellenwert gern herunter gespielt. Als ihr 1955 der Georg-Büchner-Preis verliehen wurde, entschuldigte sie sich...

Kultur

Bodo Kirchhoffs neuer Roman
Einmal Mumbai und zurück

Bodo Kirchhoff gehört mit seinen inzwischen 77 Jahren zu den erfolgreichen Altmeistern der deutschen Literatur. Seit rund vierzig Jahren schreibt der in Frankfurt und in Torri del Benaco am Gardasee lebende Autor durchgehend auf hohem Niveau. Seinen großen Durchbruch hatte er 1990 mit dem Roman „Infanta“ geschafft, 2016 war er für „Widerfahrnis“ mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet worden. Kirchhoff pflegt ein ausgeprägtes Faible für etwas „schräge“ Romantitel. Nach „Seit er sein Leben mit...

Kultur

Sergej Lebedews Roman „Die Beschützerin“
Massengrab im Schacht

Ein stillgelegter Schacht einer Zeche in der Ost-Ukraine steht im Mittelpunkt des fünften Romans des russischen Autors Sergej Lebedew – ein Ort, der mit Toten überhäuft ist und an dem der Autor die blutige russische Geschichte in Ausschnitten erzählerisch Revue passieren lässt. Der 55-jährige Lebedew, studierter Geologe, lebt seit sieben Jahren im Exil in Potsdam. Vier Tage im Juli des Jahres 2014 in einer fiktiven Bergbaustadt im Donbass werden aus unterschiedlichen Perspektiven beschrieben....

Kultur

Leïla Slimanis Roman „Trag das Feuer weiter“
Zwischen Nähe und Fremde

„Eines Nachts im November 2021 habe ich meinen Geschmacks- und Geruchssinn verloren.“ Mit diesem Statement der Protagonistin Mia, eine bekannte Schriftstellerin, eröffnet Leïla Slimani ihren neuen Roman „Trag das Feuer weiter“ - Abschlussband ihrer Roman-Trilogie, in der sie anhand ihrer eigenen Familiengeschichte auf dem schmalen Grat zwischen Heimat und Fremde, zwischen Nähe und Distanz wandelte. Leïla Slimani, die 1981 in Rabat als Tochter einer Ärztin und eines ehemaligen marokkanischen...

Kultur

Schauspielerin Maria Schell vor 100 Jahren geboren
Viel mehr als nur das „Seelchen“

Maria Schell hatte zeitlebens mit dem „Seelchen“-Klischee aus den 1950er Jahren zu kämpfen, das seinen Ursprung in einigen kitschigen Liebesfilmen hatte. „Mich hat nicht die Seele, sondern das ,chen', diese Verniedlichung, gestört“, erklärte die Schauspielerin einmal in einem Interview. Dass sich die achtmalige Bambi-Preisträgerin in mehr als 70 Filmen, über 40 Fernsehproduktionen und unzähligen Bühnenengagements in anspruchsvollen Charakterrollen quer durch die Weltliteratur gespielt hat, ist...

Kultur

Neuer Roman von Nobelpreisträger Jon Fosse
Drei Männer und Eline

Als Jon Fosse vor zwei Jahren den Nobelpreis für Literatur erhielt, war dies eine faustdicke Überraschung. Insider hatten seinem Landsmann Karl Ove Knausgård weitaus größere Chancen eingeräumt. Fosse wurde von der Stockholmer Nobel-Jury „für seine innovativen Theaterstücke und Prosatexte, die dem Unsagbaren eine Stimme geben“ prämiert. Fosse, 1959 im norwegischen Haugesund geboren, hat über 30 Theaterstücke verfasst, die weltweit aufgeführt werden. 1994 war sein erstes Theaterstück „Und wir...

Kultur

Vor 100 Jahren wurde Hildegard Knef geboren
Immer ein wenig „Sünderin“

Sie war die letzte große Diva des deutschen Films, die „größte Sängerin der Welt ohne Stimme“, wie es Ella Fitzgerald einmal ausdrückte, aber vor allem war Hildegard Knef eine Frau mit Ecken und Kanten: eine femme fatale, die oft und gern mit den Konventionen brach und um die es in den letzten Lebensjahren sehr still geworden war. Ihren letzten großen öffentlichen Auftritt hatte Hildegard Knef 1995, als in Berlin mit Pauken und Trompeten ihr 70. Geburtstag gefeiert wurde. Zurückgezogen lebte...

Kultur

Vor 100 Jahren geboren: Dramatiker Tankred Dorst
Das Leben ist ein Gespräch

Seine Stücke werden immer noch gespielt, allerdings nicht mehr an den großen Bühnen. Über mehrere Jahrzehnte hat er die deutsche Theaterlandschaft geprägt. Tankred Dorst hat in der intensiven Zusammenarbeit mit seiner Frau Ursula Ehler Theatergeschichte geschrieben. „Er gehörte zu den bekanntesten und produktivsten Theaterautoren Deutschlands“, hieß es 2014, als ihm für sein Lebenswerk der Theaterpreis „Der Faust“ verliehen wurde. 2013 hatte das kongeniale Künstlerpaar seinen Wohnsitz von...

Kultur

Lídia Jorges Roman „Erbarmen“
Bewegung ist Leben

„Bewegung ist Leben, die, die sich am meisten bewegen, sind die, die am meisten leben“, bekennt die im Rollstuhl sitzende Maria Alberta Nunes Amado, genannt Dona Alberti, die nach einem Unfall in einem Pflegeheim mit dem irreführenden Namen „Hotel Paraíso“ lebt. Sie ist eine betagte, starke, eigenwillige Frau und hat ihrer Tochter in mehreren Audiodateien ihre Lebenserinnerungen diktiert. Dies ist der erzählerische Rahmen des neuen Romans der portugiesischen Schriftstellerin Lidia Jorge...

Kultur

John Irvings Roman „Königin Esther“
Von Massachusetts nach Jerusalem

„Das Schreiben wird leichter, wenn es die einzige Arbeit ist. Man wird anspruchsvoller, konzentrierter – man kann langsamer und sorgfältiger schreiben“, hatte der amerikanische Erfolgsautor John Irving vor einigen Jahren in einem Interview über altersbedingte Veränderungen in seinem Schreiben erklärt. Seine 15 Romane wurden in mehr als 30 Sprachen übersetzt, mindestens die Hälfte davon waren weltweite Bestseller, und doch fällt Irvings Bilanz nicht rundherum positiv aus. Er hadert damit, dass...

Kultur

Katerina Poladjans Roman „Goldstrand“
Der Vergangenheit widmen

Die 1971 in Moskau geborene Schriftstellerin Katerina Poladjan, die in diesem Jahr mit dem Großen Preis des Deutschen Literaturfonds ausgezeichnet wurde, legt in ihrem neuen Roman eine komplizierte Familiengeschichte vor – mit all den historisch-politischen Wirrungen des 20. Jahrhunderts. Der in die Jahre gekommene Ich-Erzähler, der Filmregisseur Eli erzählt vom Leben seines Großvaters Lew. In vierzig langen Sitzungen soll die Dottoressa, eine Psychotherapeutin Licht in das Dunkel seiner Seele...

Kultur

Leon Englers Roman „Botanik des Wahnsinns“
Eine erste Hochrechnung

Um es gleich vorweg zu nehmen: Dem 36-jährigen Leon Engler ist mit seinem ersten Roman „Botanik des Wahnsinns“ gleich ein großer literarischer Wurf gelungen. „Ich mache eine erste Hochrechnung. Es sieht nicht gut für mich aus“, befindet die Hauptfigur Leon, ein Mann von Anfang dreißig, der sich intensiv mit seiner Familiengeschichte auseinander setzt – ganz speziell mit den psychischen Erkrankungen seiner Vorfahren. Leon Engler, der 2022 mit dem 3sat-Preis beim Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt...

Kultur

100. Geburtstag: Erinnerung an Dieter Wellershoff
Liebenswerter Freund und Einzelgänger

Der 66-jährige Autor Peter Henning hat ein ungewöhnliches und sehr persönliches Buch vorgelegt. Es erzählt auf einfühlsame, manchmal leicht bewundernde Art und Weise von Hennings Freundschaft zum 34 Jahre älteren Schriftstellerkollegen Dieter Wellershoff und dessen „Dichterstube“ in der Kölner Südstadt. Eine liebevolle Erinnerung an den Autor im Vorfeld des anstehenden 100. Geburtstages. Dieter Wellershoff gehört leider immer noch zu den am meisten unterschätzten Autoren der Nachkriegszeit....

Kultur

Valery Tscheplanowas Roman „Ist es Liebe“
Gepäck für die Liebe

Nach der Lektüre von Valery Tscheplanowas zweiten Roman fragt man sich händeringend, ob im Buchtitel nicht ein Fragezeichen fehlt, denn es steht eine ziemlich unkonventionelle Zweierbeziehung im Mittelpunkt. "Ich wollte beschreiben, was für Gepäck Menschen in die Liebe mitbringen. Es geht ja ganz schnell, dass einem der andere gut gefällt, dann gibt es rauschende drei Monate, und dann stellt man fest, dass der Andere etwas mitgebracht hat“, erklärte kürzlich die 45-jährige, in Kasan (Russland)...

Kultur

Peter Stamms Erzählungen „Auf ganz dünnem Eis“
Literarische Kammermusik

„Das Tragische gefällt mir, weil es mehr Nähe ermöglicht als das Komische, es ist viel gegenwärtiger“, hat der Schweizer Autor Peter Stamm vor einigen Jahren in einem Interview mit dem Zürcher „Tages-Anzeiger“ erklärt. Der 62-jährige Stamm hatte zuletzt in seinem Roman „In einer dunkelblauen Stunde“ (2023) von einem gescheiterten Filmprojekt, einer verlorenen Jugendliebe und den Geheimnissen des schriftstellerischen Schaffens erzählt. Sein Roman „Agnes“ wurde 2016 von Johannes Schmid unter...

Kultur

Sten Nadolnys Roman „Herbstgeschichte“
(K) ein Leben ohne Schreiben

„Mein Name ist Titus. Ich habe bisher vor allem Drehbücher geschrieben und erst jetzt, mit gut achtzig Jahren, einen Roman – hier ist er.“ Mit diesen Worten leitet der inzwischen 83 Jahre alte Schriftsteller Sten Nadolny seinen neuen Roman „Herbstgeschichte“ ein. Nadolnys Weg zur Literatur war äußerst kurvenreich. Nach seiner Promotion bei Thomas Nipperdey zum Thema „Abrüstungsdiplomatie“ arbeitete er zunächst als Lehrer und Taxifahrer, ehe er dann als Aufnahmeleiter den Weg zum Film fand. Er...

Kultur

Roman von Ian McEwan: „Was wir wissen können“
Blick zurück aus der Zukunft

Eine tragische Liebesgeschichte, einen verwinkelten Krimi und eine abenteuerliche Zeitreise zwischen Weltuntergang und Literaturgeschichte legt uns der 77-jährige britische Schriftsteller Ian McEwan mit seinem 18. Roman vor. „Etwa zu der Zeit, als das darniederliegende Deutschland von Großrussland einverleibt wurde, war die Erdbevölkerung in Folge von Tsunamis, Kriegen, Hungersnöten und Krankheiten auf knapp vier Milliarden gesunken. Und inmitten all dieses Unheils schuf die Weltliteratur ihre...

Kultur

Hanns-Josef Ortheils Roman „Schwebebahnen“
Immer von Wuppertal geträumt

"Ich habe von 1957 bis 1962/1963 in Wuppertal gelebt und das Seltsame ist, dass ich danach immer wieder von Wuppertal geträumt habe. Und zwar von den Schwebebahnfahrten", berichtet Hanns-Josef Ortheil. Ortheil hat über Jahrzehnte Vollgas auf der Überholspur gelebt - als Schriftsteller und als Professor für kreatives Schreiben an der Uni Hildesheim. Er absolvierte ein Mammutpensum und pendelte stets zwischen Hildesheim und Stuttgart. Seine Produktivität ist beeindruckend, die Bandbreite seiner...

Kultur

„Nachteule“ - zum 90. Geburtstag von Ingrid Noll
Die Heldinnen verstehen

„Man muss meine Heldinnen nicht unbedingt mögen, sondern sollte sie bloß verstehen. Mir sind selbstgerechte Menschen immer ein wenig suspekt, in bestimmten Situationen ist fast jeder zu einer Straftat fähig“, hatte die Schriftstellerin Ingrid Noll vor drei Jahren in einem Interview erklärt. Ihre Produktivität ist bewundernswert, ihre dichterische Fantasie scheint nicht zu versiegen. Noch immer publiziert sie (trotz des fortgeschrittenen Alters) regelmäßig neue Romane. Beachtlich ist, dass sich...

Kultur

Zum Tod des Oscar-Preisträgers Robert Redford
Sich selbst hinterfragen

„Das Leben wird einfach spannender, während man es lebt: Man wird reflektierter, man erkennt sein eigenes Potenzial besser, und gleichzeitig lernt man, die Dinge besser zu genießen“, hatte Robert Redford 2018 in einem Interview mit der Welt“ verraten. Und mit dem Altern habe er überhaupt kein Problem. Ihm gefalle es auch, wie sich Frauen mit dem Alter entwickeln, hatte der als Herzensbrecher auf den Kinoleinwänden weltberühmt gewordene Schauspieler schon vor etlichen Jahren erklärt. 2017 war er...

Kultur

Dorothee Elmigers Roman „Die Holländerinnen“
Torkelnd den Himmel absuchen

„Diese Ratlosigkeit, die sie spürt, einerseits ausgelöst durch die Geschehnisse im Text, aber auch angesichts des Zustands der Welt in der Gegenwart und der Frage, wie wir schreibend darauf reagieren können, wie man damit umgeht oder nicht, das sind für sie zentrale Fragen“, heißt es über die namenlose Protagonistin im neuen Roman der 40-jährigen Schweizer Autorin Dorothee Elmiger. Bereits in ihrem 2010 mit dem „Aspekte-Literaturpreis“ ausgezeichneten Debütwerk „Einladung an die Waghalsigen“...

Kultur

Mieko Kawakamis Roman „Das gelbe Haus“
Geld ist Macht

„Keiner meiner Gedanken, keine meiner Erinnerungen hatte Gewicht. Dinge, an die ich mich hätte erinnern sollen, gab es nicht. Dinge, über die ich hätte nachdenken sollen, gab es vielleicht, aber ich wusste gar nicht, wie man das machte, nachdenken,“ befindet Hana, die Protagonistin Mieko Kawakamis neuem Roman. In Hanas Leben ist so ziemlich alles schief gelaufen. Schule, Familie, späteres Berufsleben – eine endlose Ansammlung von Katastrophen. Die 48-jährige japanische Erfolgsschriftstellerin...

Kultur

Gaea Schoeters' Roman „Das Geschenk“
20000 Elefanten in Berlin

„Mitten in der Spree badet ein Elefantenbulle. Gemächlich lässt er seinen behäbigen Körper ins Wasser sacken, geht in die Knie und verschwindet unter der Wasseroberfläche. Dann erscheint neben ihm aus dem Nichts ein weiterer Rüssel, wie ein Periskop. Ein zweiter Elefant hebt sich aus dem Fluss. Leise grollend begrüßen sich die beiden Kolosse und schlingen ihre Rüssel umeinander“, heißt es im zweiten Roman der 1976 in St. Niklaas (zwischen Antwerpen und Gent gelegen) geborenen belgischen Autorin...

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