Pflaster für den Teddybären
Krankenschwester und Lehrerin Silvia Lorenz ist eine „Pflegerin mit Herz“

Pflegerin mit Herz: Silvia Lorenz.
  • Pflegerin mit Herz: Silvia Lorenz.
  • Foto: privat
  • hochgeladen von Vera Demuth

Ohne engagierte Pflegekräfte geht in der Pflege gar nichts. Das war eine wesentliche, wenn auch nicht unerwartete Erkenntnis der verlagsweiten Serie „Patient Pflege?“ in den vergangenen Monaten. Zum Abschluss der Serie stellen wir nun „Pfleger mit Herz“ vor, die uns unsere Leser nach unserem Aufruf vorgeschlagen haben.

Für Silvia Lorenz (62) aus Velbert, die 1977 ihre Ausbildung als Krankenschwester abschloss, gab es nie einen anderen Berufswunsch. „Ich wusste schon mit 13 Jahren, dass ich einen sozialen Beruf ergreifen werde. Wenn ich als Kind mit meinem Teddybären spielte, habe ich ihm Pflaster und Spritzen gegeben“, erinnert sie sich. Daneben war der christliche Grundgedanke für Lorenz ausschlaggebend, als sie sich für den Dienst an der Gemeinschaft entschied. Folglich spricht sie auch von Berufung statt von Beruf.
Als besonders wertvollen Aspekt ihrer Arbeit als Krankenschwester betrachtet sie es, Menschen in Grenzsituationen zu begleiten. „Schon mit 17 Jahren in meinem ersten Ausbildungsjahr habe ich erlebt, dass Menschen sterben“, berichtet sie. Doch gerade diese schwierigen Situationen liegen ihr, und sie überlegt, sich im Hospiz in Velbert zu engagieren, wenn es eröffnet wird.
Bis 1998 arbeitete Silvia Lorenz als Krankenschwester in Essen und Duisburg. Von 1987 bis 1989 studierte sie parallel dazu, um künftig als Lehrerin für Pflegeberufe tätig zu sein. Zunächst arbeitete sie noch in beiden Bereichen. „Da kam ich um 7 Uhr vom Nachtdienst und war um 8 Uhr in der Schule“, erläutert sie. Aber dann entschloss sie sich, nur noch zu unterrichten – zurzeit an einer Pflegeschule in Essen.

Praktische Begleiterin für Auszubildende

Als Lehrerin für Pflegeberufe ist Lorenz unter anderem praktische Begleiterin für Auszubildende, besucht Einrichtungen und überprüft die Arbeit der Azubis dort und nimmt Klausuren ab. Neben ihrem Studium greift sie hierbei auf ihre Erfahrungen als Krankenschwester zurück. „Ich war längere Zeit als Springerin tätig und habe in allen Fachabteilungen gearbeitet. Das war gut, denn dadurch habe ich umfangreiche Kenntnisse.“
Bis heute kommt für Lorenz kein anderer Beruf in Frage. „Die Begeisterung habe ich nie verloren, auch wenn heute der Stress größer ist und die Azubis schwieriger sind. Sie sind nicht mehr so respektvoll wie früher und lassen sich nicht mehr so leicht etwas vermitteln.“
Für Lorenz ist das Geben und Nehmen in der Gesellschaft sehr wichtig. Eine Idee, die sie daher versucht, dem Nachwuchs näherzubringen, ist die des Generationenvertrags – nicht nur beruflich, sondern auch privat. „Eltern bieten ihren Kindern Essen, Kleidung und Ausbildung, und wenn sie alt sind, können die Kinder etwas für sie tun.“
Silvia Lorenz pflegt zurzeit ihren Mann Dieter, der vor vier Jahren einige kleinere Schlaganfälle erlitten hat. Er war es, der sich an den Stadtanzeiger gewandt und seine Frau als „Pflegerin mit Herz“ vorgeschlagen hat, da sie sein Rückhalt sei, wenn es ihm nicht gut gehe. „Sie kümmert sich um alles was anfällt, sei es mit dem Finanziellen, der Betreuung, der Verpflegung“, erklärt Dieter Lorenz.
Zum Teil hat Silvia Lorenz deswegen ausgesetzt, arbeitet jetzt aber wieder 30 Stunden die Woche. „Ich möchte unbedingt im Beruf bleiben“, sagt die 62-Jährige. Sie würde sich wünschen, dass es für pflegende Angehörige ähnlich dem Kinderkrankenschein für Eltern einen rechtlichen Anspruch gäbe, dass Angehörige frei bekommen können, wenn ein Arzt die Notwendigkeit bestätigt. „Das ist aber noch in Arbeit“, bedauert sie.

Wunsch nach einer Kur

Ein weiterer Wunsch, den Lorenz hat, betrifft die Erwerbstätigen in den Pflege- und Gesundheitsberufen. Diese sollten alle zwei Jahre Anspruch auf eine Kur haben. „Für pflegende Angehörige gibt es das, aber nicht für professionelle Pflegende“, erläutert sie. Dabei gehörten in diesem Berufszweig Rückenschäden und Burnout zu den Standardproblemen, denen mit einer Kur entgegengewirkt werden könnte. „Da sind Gewerkschaft und Berufsverband dran“, hat Silvia Lorenz Hoffnung, dass es eines Tages umgesetzt wird.
Dies würde ihrer Meinung nach auch dabei helfen, mehr Nachwuchs für die Pflegeberufe zu finden. Als Lehrerin weiß sie, wie schwierig dies ist, denn viele Azubis brechen ihre Ausbildung ab. „Wenn am Anfang 25 in der Klasse sitzen, sind es am Ende noch acht.“

Autor:

Vera Demuth aus Bochum

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