„Der Höllensturz“ - Neue Ausstellung im Kunst- und Galeriehaus

Alexandra Kapogianni-Beth - Der Engel Widerstand (Foto: Joachim Kappert)
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  • Alexandra Kapogianni-Beth - Der Engel Widerstand (Foto: Joachim Kappert)
  • hochgeladen von Dr. Bernd A. Gülker
Wo: Kunst- und Galeriehaus, Lohrheidestraße 57, 44866 Bochum auf Karte anzeigen

Mit der Ausstellung „Der Höllensturz“ hat der „Bund internationaler Künstler“ Maler, Illustratoren, Fotografen und Bildhauer dazu aufgerufen, nach einem historischen Meisterwerk von Pieter Bruegel d. Ä. zu arbeiten. Die Ausstellung zeigt ein breites Spektrum der Mittel und Motive, die Künstlerinnen und Künstler heute einsetzen, um sich mit dem Thema „Der Höllensturz“ auseinanderzusetzen.

1562 vollendet Pieter Bruegel d. Ä. sein Ölgemälde „Der Sturz der rebellierenden Engel“. Im Zentrum des Bildes steht in schimmernder Rüstung der Held des Geschehens, der Erzengel Michael und drischt mit seinem Schwert auf den auf dem Rücken liegenden vielköpfigen Drachen ein. Er wird assistiert von zwei mit Schwertern bewaffneten weiß gewandeten Engeln, die auf die kleinen Monster einschlagen, hinzu treten vier kleinere Engel, welche goldene Kreuzstäbe mit sich führen. Die Ungeheuer sind dargestellt als Mischwesen mit realistisch wiedergegebenen Charakteristika von Salamandern, Lurchen, Fischen oder Insekten. Die himmlische Heerschar erfährt akustische Unterstützung durch eine geflügelte Fan-Gemeinde, die das Gewimmel und Gemetzel mit Langtrompeten begleitet. Also Schlachtenbummler im wörtlichen Sinn.

Das Original befindet sich im Museé des Beaux Arts in Brüssel. In der Ausstellung ist eine Reproduktion des Gemäldes zum Abgleich mit den ausgestellten Arbeiten zu sehen.
Die Idee des Kampfes zwischen dem Guten und dem Bösen wird bei Bruegel bereits in der Bildaufteilung deutlich. Der Himmel im oberen Teil des Gemäldes kontrastiert mit hellen Farbtönen zum unteren Bereich der in Ocker- und Brauntönen dunkel gehaltenen höllischen Zone. Mit dieser Grundkonzeption des Originals haben sich einige Künstlerinnen und Künstler dieser Ausstellung auseinandergesetzt. Dabei spielt das im Originalwerk anzutreffende Figurenrepertoire eine nur untergeordnete oder auch gar keine Rolle.
Im Rahmen ihrer auch sonst zumeist abstrakten Vorgehensweise arbeiten diese Künstler die Polarisierung von Gut und Böse heraus und bleiben dabei stilistisch wiedererkennbar. Andere übersetzen das Bildgeschehen in schemenhafte Figurationen, bleiben formal eng am Original.

Bei den Darstellungen der Engels- und Teufelsfiguren, die gleichsam stellvertretend als Teil des Ganzen für den Höllensturz fungieren, finden wir ein reiches Spektrum individueller Herangehensweisen. Darunter sind auch einige Skulpturen, die sich in ihrer Wirkung in besonderem Maße durch die Kombination unterschiedlicher Materialien auszeichnen.
Es überrascht nicht, dass neben den Engeln natürlich auch die Ausgestaltung der Mischwesen und Chimären in Bruegels Höllensturz für einige Künstler ein Anlass war, sich mit Arbeiten in dieser Richtung zu beteiligen.

Zum Zeitpunkt der Fertigstellung von Bruegels Bild ist die Entdeckung Amerikas durch Christoph Kolumbus 70 Jahre her, die Erkundungen des amerikanischen Kontinents sind im vollen Gange. Zahlreiche illustrierte Abhandlungen über die Botanik und die Zoologie des neuen Kontinents werden veröffentlicht. Die greifbaren Verbindungen mit der Neuen Welt sind im Werk Bruegels zahlreich vertreten. Hieran anknüpfend führen einige der ausgestellten Werke in die Gegenwart und werfen die Frage auf, was denn hier und heute die Dämonen sind, die uns das Fürchten lehren.

So wie sich Bruegel auf die Verlockungen der Neuen Welt bezieht, finden sich Arbeiten mit Anspielungen auf die Verlockungen der digitalen Welt unserer Zeit. Smartphone und USB-Kabel übernehmen die Rolle der Monster. Die Dämonen des Internets werden uns quasi frei Haus in die Hosentasche geliefert. Auch Krieg, Haß, Sucht und Völkermord werden als Verbrechen des 21. Jahrhunderts thematisiert.

Mit seinen Engeln, die sich in nie gesehene Monster verwandeln, stellt Bruegel die Folgen der Nichteinhaltung einer etablierten Ordnung sehr lebendig dar. Die Quellen, aus denen er dabei schöpft, zeigen ihn auf der Höhe seiner Zeit. Sein Meisterwerk lädt den Betrachter ein, über die Möglichkeiten und Gefahren der Suche der Menschheit nach Wissen und Kunst nachzudenken. Und auch dazu bietet die Ausstellung bis zum 05. Mai 2018 hinreichend Gelegenheit.

Kunst- und Galeriehaus
Lohrheidestraße 57, 44866 Bochum
24.02. - 05.05.2018

Öffnungszeiten: Di. – Do. 17.30 – 20.00 Uhr, Sa. 12.00 – 17.00 Uhr, So. 11.00 – 15.00 Uhr
In den Osterferien (26.03. - 08.04.2018), allen Wochenenden im April und am 01. Maifeiertag bleibt die Ausstellung geschlossen.

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