Heiligendamm - da war doch mal was?

Heiligendamm von der Seeseite aus gesehen. FOTO: RAINER BRESSLEIN
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  • Heiligendamm von der Seeseite aus gesehen. FOTO: RAINER BRESSLEIN
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Richtig! Hier fand im Jahr 2007 der G8 Gipfel statt, durch den das Seebad besondere Aufmerksamkeit erlangte.
Jedoch möchte ich ganz vorn anfangen: "Hier ist der Blick bewunderungswürdig schön, der heilige Damm bezaubert uns gänzlich" schrieb 1766 der englische Reiseschriftsteller Thomas Nugent, lange vor der Gründung des Seebades.
Diese erfolgte durch den mecklenburgischen Herzog Friedrich Franz I. im Jahr 1793.

Heute ist Heiligendamm ein Stadtteil von Bad Doberan in der Mecklenburger Bucht und der älteste Seebadeort Deutschlands und des Europäischen Kontinents. Der Ort wird aufgrund der von der See aus sichtbaren weißen Häuserreihe auch die "Weiße Stadt am Meer" genannt. Die Anerkennung als Seeheilbad erhielt der Ort im Jahr 2004.

Zuvor, im Jahr 2003, eröffnete das fünf Sterne Hotel mit dem klassizistischen Kurhaus in der Mitte und den anderen Gebäuden ringsherum. Ein Luxushotel wie kein zweites an der Ostseeküste. Aber gleichzeitig begannen auch die Probleme. Das gesamte Objekt geriet ins Zentrum eines Kulturkampfs, der als Konflikt zwischen Reich und Arm und zwischen Ost und West inszeniert wurde.

Die Gäste des Hotel fühlten sich von den Tagestouristen belästigt, die durch die Anlage streiften und ihre Kameras zückten. Die Stadt Bad Doberan bestand wiederum auf einem öffentlichen Weg vom Bahnhof über das Hotelgelände zum Strand, zwischen Hauptgebäude und Wellnessbereich. Einer der zahlreichen und oft wechselnden Hoteldirektoren ließ sich zu dem Satz hinreißen: "Ich möchte nicht, dass hier Busse aus Castrop-Rauxel kommen und die Leute auf unsere Toiletten gehen." Heute führt der öffentliche Weg an der Anlage vorbei. Diese ist nunmehr komplett eingezäunt und lediglich Gästen zugänglich.

Derweil setzte sich der Verfall rings um das Hotel fort. Neben der Anlage befinden sich noch sechs heruntergekommene klassizistische, um Mitte des 19. Jahrhunderts gebaute Villen. Im Lokaljargon "Perlenkette" genannt. Darum gab bzw. gibt es immer noch heftigen Streit um die Sanierung. Der derzeitige Sanierungsbedarf dürfte nach Meinung von Experten ca. bei 60 Millionen Euro liegen.

Interessant ist auch, dass diese Objekte zum Zeitpunkt des G8 Gipfels unter Planen versteckt wurden, damit kein negatives Bild in der Welt entsteht.
Ein noch größeres Kuriosum habe ich mir von einem Einheimischen berichten lassen. Danach wurde ein bereits renoviertes Haus, die sog. "Villa Perle" (Bild vier, links), vor dem G8 Gipfel komplett abgerissen, weil es den Gipfel-Teilnehmern den Blick auf die Ostsee versperrte. Im Jahr 2013 wurde es wieder aufgebaut und die darin befindlichen Eigentumswohnungen werden nunmehr seit einem Jahr zum Kauf angeboten. Kleines Beispiel gefällig: Erdgeschoßwohnung 3 Zimmer, 121,7 qm, Kaufpreis: 1.250.000 EUR oder Dachgeschoßwohnung 6 Zimmer, 199,61 qm, Kaufpreis: 2.400.000 EUR. Also, falls jemand Interesse hat! (Ich erhalte übrigens keine Provision! :-)))

Es ist vorgesehen, aus den erzielten Erlösen der Wohnungsverkäufe die Renovierung der restlichen "Ruinen" zu finanzieren. Ein hoch fragwürdiges Projekt!

Ich hoffe, ein wenig "Appetit" auf Heiligendamm gemacht zu haben, denn der Ort verzaubert noch heute. Dunkle Buchenwälder, weißer Strand und Wellenrauschen laden zum Träumen und Entspannen ein.

Aber letztendlich ist es doch zu Hause am schönsten! Oder?

Text und alle Fotos: ©Rainer Bresslein

Autor:

Rainer Bresslein aus Wattenscheid

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