"Reisende Riesen im Wind"

FOTO: RAINER BRESSLEIN
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"Reisende Riesen im Wind" nennt der Künstler Martin Wolke seine Personengruppe auf dem Bahnhofsvorplatz von Westerland/Sylt. Seit mittlerweile 2001 steht die reisende Familie dort und sorgte bei der Enthüllung damals für einen riesen Wirbel. Nachdem die Stadt Westerland den Auftrag unter 72 Künstlern an den Kieler Bildhauer vergab, gab es Zustimmung und gleichzeitig auch riesige Kritik in der Bevölkerung. Sylter Künstler hätten lieber maritime bzw. inselbezogene Kunstobjekte gesehen und bezeichneten die Großplastiken (2-4 m hoch) als "Monster" oder "geeignete Objekte für Karnevalsumzüge." Auch die Kosten des Kunstwerkes (ca. 200 000 €) stießen den Insulanern bitter auf.

Er habe gelegentlich das Gefühl, er bräuchte einen Bodyguard an seiner Seite, sagte der damals 30jährige Künstler Martin Wolke im Interview. "Bei einigen Insulanern und Gästen hatte man den Eindruck, sie fühlten sich durch das Kunstwerk bis aufs Blut provoziert", fasste die Sylter Rundschau die Stimmung zusammen.

15 Jahre später hat man sich fast an den Anblick gewöhnt und die grüne Familie zählt mittlerweile zu den beliebtesten Fotomotiven der Sylter Urlauber. Sie sind so etwas wie das "Wahrzeichen am Bahnhof" sagt der Sylter Bürgermeister Nikolas Häckel. Schön, findet er, müsse man die Riesen nicht finden. Ihren Zweck - zu polarisieren und zum Nachdenken erfülle die grüne Familie trotzdem.

Kunst liegt ja bekanntlich im Auge des Betrachters und wie ich feststellen konnte, haben sich Urlauber und Zugereiste mit dem Kunstwerk arrangiert. Dagegen haben die gebürtigen Insulaner immer noch einen sehr klaren Blick und eine gefestigte Meinung zu dem Kunstwerk.

Zur Person:
Martin Wolke - der 1971 in Gräfeling/München geborene und in Kiel lebende Künstler ist bekannt für seine überdimensionalen Objekte. Dafür hat er extra einen ehemaligen Lokschuppen angemietet, in dem die Arbeiten entstehen.
Diverse Kunstwerke sind neben den "Riesen" auf der Insel Sylt, der "Muschelläufer" in Ahrensburg, "Schwimmübungen" in Eckernförde sowie auch auf dem Kreuzfahrer der AIDA-Cruises (AIDAmar) zu bewundern. Hier wurden auf dem Pooldeck die fast fünf Meter hohen Figuren Äolus (Gott des Windes) und Fortuna (Göttin des Schicksals) installiert.

Fotos: Rainer Bresslein

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