Aus der Diakonie-Zeitschrift „Mittendrin“
Geschäftsführenden Pfarrer Joachim Wolff: "Impfpflicht ja – aber nur für bestimmte Berufsgruppen"

Pfarrer Joachim Wolff

In der neuen Ausgabe der Diakonie-Zeitschrift „Mittendrin“ informiert die Diakonie über Themen und Veranstaltungen der vier Fachbereiche. Dort äußert sich Geschäftsführer Pfarrer Joachim Wolff zum Thema Impfpflicht und wie die Diakonie als Arbeitgeberin damit umgeht.

Eine allgemeine Pflicht zur Impfung lehnt Wolff ab, findet sie für bestimmte Berufsgruppen jedoch zwingend notwendig. Und: Nicht–Geimpfte müssten mit den teilweise einschneidenden Konsequenzen leben, schreibt er. Das sind bei der Diakonie im Kirchenkreis Kleve Anfang Dezember noch 5 Prozent der rund 150 Mitarbeitenden. Anhand des Diakonie-Leitbilds erläutert Wolff, warum er sich gegen eine allgemeine Impfpflicht ausspricht und warum er viele öffentliche Schuldzuweisungen nicht hilfreich findet. Beratungsangebote der Diakonie werden nach wie vor präsent angeboten, die Diakonie hat jedoch Veranstaltungen mit vielen Teilnehmenden vorsichtshalber abgesagt.

Angesicht der aktuell dramatischen Situation ist der Ruf nach einer Impfpflicht verständlich – ein Standpunkt, den auch die neue Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Dr. h.c. Annette Kurschus, vertritt. „Eine allgemeine Impfpflicht halte ich jedoch nicht für zielführend“, so Wolff. Ganz abgesehen davon, dass sie für die „vierte Welle“ zu spät käme. Weiter schreibt Wolff: „Im Leitbild vertritt die Diakonie im Kirchenkreis Kleve den Grundsatz: Wir nehmen jeden Menschen mit seinem individuellen Lebensentwurf an. In der Diakonie haben wir es immer wieder mit Menschen zu tun, deren Lebensentwürfe stark von dem abweichen, was wir mehrheitlich für normal oder wünschenswert erachten.
Wer für sich entscheidet, sich nicht gegen das COVID19-Virus impfen zu lassen, soll diese Entscheidungsfreiheit haben – mit allen daraus resultierenden Folgen. Ein deutlich erhöhtes Infektionsrisiko ist die gravierendste Folge. Ein klares Regelwerk, wie die tägliche Testung vor Arbeitsbeginn, ist aus meiner Sicht eine zumutbare Konsequenz. Auch weitere Einschränkungen im öffentlichen Leben müssten Nicht-Geimpfte in Kauf nehmen – zu ihrem eigenen Schutz und um andere zu schützen. Das gebiete die Fürsorgepflicht.
Wolff hält es auch für geboten, dass in bestimmten Berufen nur vollständig gegen das COVID19-Virus geimpfte Personen arbeiten dürfen. Besonders dann, wenn es berufliche Kontakte mit vulnerablen Menschen gibt. Eine Impfpflicht für medizinische und pflegerische Berufe, für Berufe in der Eingliederungshilfe oder im Kontakt mit Kindern bis zum 12. Lebensjahr sollte es darum unbedingt geben. Denn in der Regel haben die Nutzer*innen dieser Angebote selber nicht die Freiheit, den Kontakt mit ungeimpften Mitarbeitenden zu vermeiden. Hier gilt es, die Schwächeren zu schützen, beispielsweise Patienten, Bewohner von Senioreneinrichtungen, Menschen mit Behinderung und Kinder.
Die derzeitige Situation wird von vielen als sehr frustrierend und ermüdend empfunden. Vermutlich wäre die vierte Welle in dieser Wucht vermeidbar gewesen. In solchen Situationen wird gerne Schuld zugewiesen: der Politik, den Impfunwilligen, den feiernden Fußballfans, den Karnevalisten und anderen. Wolff: „Ich glaube nicht, dass solche Schuldzuweisungen hilfreich sind. In unserem Leitbild heißt es: Wir fördern die individuellen Möglichkeiten jedes einzelnen Menschen und stärken seine Eigenverantwortung und Entscheidungsfreiheit. Wichtiger als Schuldzuweisungen scheint mir die Frage zu sein, ob und wie wir in den Monaten der Pandemie unserer eigenen Verantwortung nachgekommen sind. Da möge sich jede und jeder selbst prüfen. Es ist notwendig, dass wir uns bei kontroversen Auffassungen darüber austauschen, in welchem Verhältnis Eigenverantwortung und Entscheidungsfreiheit stehen. Meines Erachtens ist das eine längst überfällige und notwendige Debatte, die angesichts zunehmender gesellschaftlicher Verwerfungen geführt werden muss. Im Gespräch zu bleiben, ist eine der größten Herausforderungen in einer Demokratie. Wir wollen als kirchlicher Wohlfahrtsverband dazu gerne unseren Beitrag leisten."

Autor:

Lokalkompass Kreis Wesel aus Wesel

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