Wenn Schule, Corona und Herbsterkältung zusammenfallen (Interview und Facebookumfrage)
Rat des Mediziners: frische Luft, ausreichend Schlaf, viel Gemüse und Obst - und ausreichendes Trinken

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Sind es wieder nur die oft so gern gescholtenen Medien, die Panik verbreiten (Achtung: Ironie!) oder ist an der Sache etwas dran?

Mediziner weisen seit einigen Wochen darauf hin, dass viele Kinder mangels Kontakt zu anderen in diesem Jahr besonders anfällig für Viren sind. Als Grund haben sie ausgemacht: Durch die übermäßige Stubenhockerei konnten die Kinder und Jugendlichen nicht genügend Abwehrkräfte gegen kursierende Erkältungsviren aufbauen. Dies wiederum bereite allerbesten Nährboden für Ansteckungskrankheiten. Und als das nicht schon schlimm genug, lauert ja auch noch Corona auf ihre Chance. Wenn nicht im Klassenzimmer, dann aber doch im Schulbus.

Wie beurteilen Eltern von Schulkindern die aktuelle Situation? Wir hörten uns bei Facebook um (siehe unten: Statements!). Doch lesen Sie vorab die Antworten eines Jugendmediziners auf unsere Fragen.

Interview mit Kinderarzt Björn Nehlsen

dibo: Überregionale Medien reden von einer frühen Erkältungswelle. Stellen Sie das bei Ihren jungen Patienten auch fest?
Nehlsen: Ja, es handelt sich tatsächlich um eine sehr frühe Erkältungswelle, dies gilt meiner Ansicht nach vor allen Dingen für die Kinder und Jugendlichen. Eine Infektwelle diesen Ausmaßes erleben wir in den früheren Jahren erst zwei bis drei Monate später. Die Symptome sind dementsprechend natürlich schlimmer als in den Vorjahren um diese Zeit, entsprechen aber den Symptomen der Erkältungswelle am Ende des Jahres beziehungsweise im Januar.

dibo: Hat die Anfälligkeit ggf. weitere Gründe?
Nehlsen: Die Anfälligkeit hat sicherlich damit zu tun, dass die Kontakte in den Monaten vorher so stark heruntergefahren waren und durch das Maskentragen das Immunsystem kaum zu tun hatte, die Grippewelle ist im letzten Jahr ja auch nahezu ausgeblieben.

dibo: Befürworten Sie als Mediziner den Präsenzunterricht zum jetzigen Zeitpunkt?
Nehlsen: Ich halte den Präsenzunterricht absolut für erforderlich. Die sozialen und psychischen Einschränkungen durch das Homeschooling haben, wie wir auch bei unseren Patienten sehen, erhebliche Folgen hinterlassen. Depressionen, Angststörungen, Adipositas, und Anorexie haben einen erheblichen Zuwachs gezeigt. Somit besteht zum Präsenzunterricht meiner Ansicht nach keine Alternative. Allerdings halte ich persönlich den Unterricht ohne jeden Maskenschutz zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht für sinnvoll. Regelmäßiges Testen ist weiterhin erforderlich. Die COVID Impfung für zwölfjährige bis 18-jährige halte ich ebenfalls für sehr wichtig.

dibo: Was raten Sie Eltern und Kindern zum Beginn der Erkältungszeit?
Nehlsen: Als Prophylaxe für die Erkältungssaison gilt wie in den Vorjahren auch: reichlich frische Luft, ausreichend Schlaf, sehr viel Gemüse und Obst und ausreichendes Trinken. Das Immunsystem muss sich im übrigen wieder betätigen können, somit werden sich wohl oder übel auch viele infizieren, was der Organismus aber gut verkraftet, dies insbesondere da die allerwenigsten dieser Infektionen durch Covid-19 hervorgerufen sind.
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Stimmen aus der Facebook-Umfrage

Andreas Schürer: "Ich bin für den Präsenzuntericht, ungeachtet der Corona Zahlen. Jeder Erwachsenen hatte Gelegenheit sich Impfen zu lassen, und sich so zu schützen. Die Kinder brauchen die Sozialen Kontakte, und die Schule. Die Gefahr einer Corona Erkrankung mit schwerem Verlauf ist für Kinder nahezu Null."
Sabrina Büge: "Definitiv Präsenzunterrich! Alles andere ist eine Zumutung sowohl für die Kinder als auch für berufstätige Eltern!"
Barbara Wolbring: "Ich bin für einen Präsenzunterricht. Es geht ja nicht nur um die sozialen Kontakte. Die Kids lernen in der Schule besser als vor dem Rechner. (...) Zudem haben Kinder eben durch diese vielen Kontakte ein viel intensiveres Immunsystem. Ich würde mir eher Sorgen machen, wenn mein Kind den ganzen Tag zu Hause hocken müsste."
Wencke Brinkmann: "Ich bin jetzt zwar eher für Präsenzunterricht (meine Tochter ist nun geimpft und ist besser geschützt),. aber sollte die Lage es erfordern, können wir auch mit Homeschooling gut leben. Die Schule meiner Tochter hat den Heimunterricht super praktiziert. Mich nervt die Pandemie auch langsam aber das ist dem Virus egal. Daher: alles was möglich oder nötig ist!"
Conny Buschmann: "Definitiv Präsenzunterricht. Mein Sohn ist seit den Sommerferien durchgeimpft. Auch wenn er es nicht wäre, wäre ich für normalen Unterricht."
Ute Liman: "Auf jeden Fall Präsenzunterricht!"
Nicole Speck: "Ich persönlich bin auch für Präsenz-Unterricht. Langsam müsste auch bei den letzten Menschen angekommen sein, dass Corona nicht mehr verschwinden wird, in Zukunft werden wir auch weiter damit leben müssen und es wird seinen Weg gehen, wie die Influenza auch. (...) Ich persönlich würde wohl darum bitten, die Kinder zu Hause zu behalten wäre, wenn sie wieder bei Minusgraden mit offenen Fenstern und Türen da sitzen müssen. Das ist meiner Meinung nach unzumutbar!"
Daniela Blommen: "Mein Großer ist geimpft. Ohne Präsenzunterricht würde er schulisch wieder zurückfallen. Auch für die Psyche ist der Präsenzunterricht wichtig. Das Konzept der Schule scheint gut zu funktionieren. Mir ist nicht bekannt, dass dort mal ein Ausbruch gewesen wäre."

Aus den Schulen ...

Karen Schneider (Leiterin KDG Wesel): "Wir warten in dieser Woche auf eine Entscheidung des MSB bezüglich des verpflichtenden Tragens einer Maske im Unterricht. In einer Schulmail wurde vor den Herbstferien das Entfallen den Maskenpflicht ab dem 1.11.2021 in Aussicht gestellt. Dass die Maske schützt und sinnvoll ist, dürfte allen geläufig sein. Dass eine Maske im Unterricht hinderlich ist und stört, dürfte auch jedem klar sein, der seit eineinhalb Jahren viele Stunden täglich eine Maske trägt, so wie es die Schülerinnen und Schüler und auch die Lehrkräfte handhaben. Nonverbale Kommunikation gelingt mit Maske nicht und wird in einzelnen Unterrichtsituationen viel genutzt. Es gilt also, die Vor- und Nachteile abzuwägen. Eine Aufhebung der Maskenpflicht im Klassenraum bedeutet ja nicht, dass jede und jeder trotzdem weiterhin eine Maske tragen kann. Tatsächlich haben wir eine sehr hohe Impfquote in der KDG-Schülerschaft. Das spricht dafür, die Maßnahmen zu lockern. Wir sind aber am KDG in der gesamten Pandemie sehr vorsichtig gewesen und hatten auch nur wenige Coronafälle. So sollte es möglichst weiter und auch durch den Herbst gehen. Ich sehne das Ende der Pandemie herbei, damit wir in der Schule endlich wieder in einem wirklichen Normalzustand zurückkehren können und Schule so sein darf, wie es hier unser Anspruch ist: ein gutes und selbstverständliches Miteinander in einer großen Gemeinschaft."

Blick nach Dinslaken und Voerde
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Autor:

Dirk Bohlen aus Wesel

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