Sängerin wandelt auf den musikalischen Spuren von Unheilig - Konzert am 21. November in der Zeche Bochum
Sotiria verrät im Exklusiv-Interview: "Der Graf hat mir Mut gemacht"

Sotiria ist erstmals solo auf Tour und spielt am 21. November auch in der Zeche Bochum. Foto: Universal Music
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Sie gilt als musikalische Erbin des Grafen von "Unheilig", geht mit ihrem Debütalbum "Hallo Leben" jetzt auf Tour und spielt dabei am 21. November auch live in der Zeche in Bochum: Sotiria! Im Vorfeld hat die 32-jährige Berlinerin, bekannt geworden mit der Band "Eisblume", dem Stadtspiegel Bochum ein Exklusiv-Interview gegeben und spricht dabei offen über ihre sehr persönlichen Songs, Emotionen in der Musik und den Einfluss des Grafen.

Hallo Sotiria, wie groß ist die Vorfreude auf die erste Solo-Tour?
Es ist spannend und aufregend. Ich freue mich total, mein Album jetzt endlich auf die Bühne zu bringen.

Früher waren Sie mit der Band „Eisblume“ unterwegs, jetzt sind Sie es als Solokünstlerin. Fühlt es sich anders an?
Zum einen ist es schon eine Weile her, dass ich mit Eisblume auf der Bühne gestanden habe. Zum anderen waren die Eisblume-Alben nie so persönlich wie mein jetziges Album „Hallo Leben“. Deswegen ist es unheimlich aufregend und emotional für mich. Es sind auch Songs dabei, bei denen es für mich gar nicht so leicht werden wird, sie zu singen. Das habe ich schon bei den Studioaufnahmen gemerkt. Dazu zählt die Ballade „Ich lass dich frei“ über den Abschied von meiner verstorbenen Oma. Das ist für mich sehr ergreifend und ich bin gespannt, ob ich das hinbekomme, ohne in Tränen auszubrechen.

Ihre Oma hatte eine besondere Bedeutung für Sie? Gilt das generell für die Familie?

Familie generell hat eine besondere Bedeutung für mich – und bei meiner Oma war es ganz speziell. Sie hat auf mich aufgepasst, als ich noch ein Kind war und meine Mutter wieder arbeiten gegangen ist. Oma war für mich immer eine starke Bezugsperson und hat mir sehr viel beigebracht. Kochen, nähen, backen – und sie hat auch ganz viel mit mir gesungen. Sie war auch ein Fixpunkt für mich, als ich älter wurde. Als Jugendliche findet man seine Eltern ja immer erstmal doof. Meine Oma war immer mein Ruhepol und mein Anker. Ihr Tod kam sehr plötzlich und unerwartet, was für mich ein sehr einschneidendes Erlebnis war. Das alles auf die Bühne zu bringen und mich dafür zu öffnen, macht mich zugleich auch angreifbar.

"Anderen Mut und Hoffnung geben"

Haben Sie mit diesem sehr persönlichen Album manchmal Angst, sich zu öffentlich und damit angreifbar zu machen?
Ich habe darüber sehr viel mit dem Grafen geredet. Wie persönlich will man sein? Er hat mir Mut gemacht, dazu zu stehen, weil man andere Menschen damit emotional abholen kann und ihnen vielleicht auch ein Stück Mut und Hoffnung geben kann. Ich weiß selbst, wie sehr einem Musik manchmal helfen kann in bestimmten Situationen. Insofern öffne ich mich natürlich sehr und mache mich sicher auch angreifbar, aber vielleicht kann ich anderen Menschen damit ein wenig helfen und das Gefühl geben, verstanden zu werden.

War es nach der Eisblume-Zeit jetzt für Sie mit den sehr persönlichen Liedern auch der einzig denkbare Weg, wieder Musik zu machen?
Zur Eisblume-Zeit war ich noch sehr jung. Man muss ja auch erstmal Dinge erleben, damit man darüber sprechen kann. Ich hatte auf jeden Fall den Wunsch, mit meinen Songs jetzt sehr nah, echt und authentisch zu sein. Ich möchte das erzählen, was ich erlebt habe und was mich beschäftigt. Deswegen hat der Weg für mich auch weggeführt von Eisblume hin zu Sotiria. Viele denken vielleicht, Sotiria ist ein Künstlername. Aber ich heiße tatsächlich so. Ich habe den Namen allerdings lange eher verschwiegen, weil er so ungewöhnlich ist. Mein Rufname ist Ria. Aber Sotiria – das ist mein Name und das bin komplett ich.

Ein neuer Künstlername stand also nie zur Debatte?
Nein, das war kein Thema. Und ich mag den Namen Sotiria auch wirklich gerne, zumal er eine schöne Bedeutung hat. Er kommt aus dem Griechischen und bedeutet „Die Retterin“. (lacht) Das ist doch ein Name, den sich andere extra ausdenken. Und ich heiße wirklich so.

"Nicht nur Friede, Freude, Eierkuchen"

Sie haben den Grafen von Unheilig angesprochen, als dessen musikalische Erbin sie öffentlich gelten. Sehen Sie sich selbst in dieser Rolle?
Ich sehe mich ein Stück in der Rolle seines musikalischen Erbes, weil der Graf und ich mit der Musik, die wir machen, ein ähnliches Gefühl transportieren. Ich bin aber sicher nicht seine Nachfolgerin. Ich will ja nicht seinen Platz einnehmen, dafür sind wir auch viel zu unterschiedlich in dem, wie wir klingen. Aber wir sprechen beide schwierigere Themen an. In unseren Liedern geht es nicht nur um Friede, Freude, Eierkuchen. Ich beschäftige mich auch mit schweren, emotionalen Themen und versuche trotzdem, etwas Positives daraus zu gewinnen. Das hat auch der Graf häufig so gemacht. Es ist also vor allem seine Emotionalität, die ich gerne weitertragen möchte.

Wenn man sich die Musik Ihres Albums „Hallo Leben“ anhört, könnte man durchaus etwas irritiert sein, dass Sie oft in die Schlagerecke gesteckt werden. Passt das für Sie zusammen oder fühlen Sie sich da eher missverstanden?
Ich persönlich ordne mich in kein bestimmtes Genre ein. Ich gehe auch nicht ins Studio und mache mit einem solchen Ansatz Musik. Ich mache Musik, so wie ich sie fühle. Wenn ich in Schlagersendungen eingeladen werde, nehme ich das trotzdem dankbar an. Ich bleibe dabei ja trotzdem ich, mit meiner eigenen Musik. Der Graf hat dazu mal gesagt: Ich gehe überall hin, wo ich Musik machen darf. Diesem Satz folge ich auch. Ich habe mit Eisblume auch bei Rock am Ring gespielt und bin im Fernsehgarten aufgetreten. So halte ich es jetzt auch. Ich freue mich über jeden, den ich mit meiner Musik ansprechen kann.

Haben Sie selbst durch diese Bandbreite an Auftritten auch ganz andere Typen von Menschen kennengelernt, auf die man sonst nicht treffen würde?
Ich habe dadurch zum Beispiel Schlagerkünstler kennengelernt, die ich vorher nur durch meine Eltern kannte. Und die sind alle sehr offen, auch für andere Musik. Ich finde es schön, wenn Menschen tolerant sind, auch gegenüber Musik. Auch wenn meine Musik nicht ganz zum Schlager passt, habe ich die Musiker dort als sehr offen und freundlich kennengelernt. Was für mich persönlich auch sehr lustig und schön war: Ich habe früher als Kind viel die Kelly Family gehört, das war eine meiner ersten CDs. Und jetzt treten wir beide in Schlagersendungen auf und stehen auf der gleichen Bühne.

"Eisblume?  Mag ich noch sehr!"

Wie halten Sie es denn jetzt als Solokünstlerin mit Ihren alten Songs aus der Eisblume-Zeit? Mögen Sie diese Musik auch noch?
Ich mochte es damals sehr und mag es auch immer noch. Ich werde auch ein paar Lieder auf meinen jetzigen Konzerten auf der Tour spielen. Die Lieder sind Teil meiner musikalischen Reise. Ich würde es heute vielleicht nicht mehr genau so machen, weil ich mich eben für den persönlicheren Weg entschieden habe. Aber ich mag die alten Stücke noch sehr und freue mich auch sehr darauf, diese Songs wieder zu spielen.

Wissen Sie schon, wie es nach der Tour weitergeht?
Ich freue mich jetzt erstmal total auf die Tour. Danach brauche ich sicher erst einmal ein bisschen Zeit, das zu verarbeiten. Diese Zeit möchte ich mir auch nehmen. Und dann kann ich mich mit vollem Herzen auf das zweite Album stürzen.

Infos und Tickets zum Konzert am 21. November in der Zeche Bochum: www.semmel.de

Autor:

Dietmar Nolte aus Dortmund-West

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