POINTEN AUS STAHL
Coronanieren – Jetzt erst recht!

Zweieinhalb Wochen bestimmt das Virus bereits unser Leben, und man weiß jetzt schon: Die am meisten gegoogelten Begriffe in 2020 werden Klopapier und Hamster sein. Dabei steht Klopapier in keinem Zusammenhang mit Covid-19, es ist aber ideal zum Horten, und man kann es aufbrauchen peu à peu beziehungsweise Po à Po. Mittlerweile werden sogar schon Rollen als Geburtstagsgeschenke verpackt (aber natürlich nur vor die Haustür der Geburtstagskinder gestellt). Klopapier als Präsent. Ist das in diesen Zeiten einfallslos, kreativ oder doch nur dekadent?

Natürlich fehlen aber auch medizinische Produkte, die in der Krise tatsächlich von Nutzen wären. Atemschutzmasken sind Mangelware. Was soll man bloß machen, wenn das Tragen zur Pflicht wird? Man braucht Alternativen. Bei Amazon oder Beate Uhse gibt es Bondage-Masken, die genau dieselbe Funktion erfüllen können. Unter dem Suchbegriff Dog Mask wird man fündig, und diese besonderen Accessoires kann man nach der Pandemie noch bei Ebay reinsetzen – natürlich gut desinfiziert. Oder eben nicht, ganz nach der Orientierung des Käufers. Klar, im Supermarkt wird man mit der Dog Mask erst einmal blöd angeguckt, und wenn man Pech hat, zeigt der Filialleiter auf das Schild: „Wir warten draußen!“ Aber niemand kann sagen, man hätte sich nicht an die Regeln gehalten.
Und die Regeln werden zunehmend strenger. Beim Vortäuschen eines Schnupfens, hört der Spaß mittlerweile auf. Im nächsten Schritt werden sogar schon Redewendungen sanktioniert. Jemandem etwas husten kostet 100 Euro. Bei jemandem in die Suppe spucken sind Sie mit 250 Euro Bußgeld dabei, und für jemanden an der Nase herumführen gibt es eine Haftstrafe von bis zu drei Jahren. Es sei denn, Sie waschen Ihre Hände in Unschuld – und natürlich mit viel Seife. Wenigstens hört man in der Polizeikontrolle jetzt nicht mehr den Satz: Hauchen Sie mich mal an! Warum auch? Alkohol verträgt das Virus nicht. Also, rein damit? Regiert bald Fürst Bismarck die Republik? Schnapskonsum als preußische Tugend.

Natürlich gibt es auch Leute, die sich als Fundamentalisten entpuppen und bei den Regeln übertreiben. Auf dem fast menschenleeren Friedhof hatte letztens eine Corona-Stasi-Oma ein Ehepaar gemaßregelt, das dicht nebeneinander lief: „Unfassbar, diese Jugend von heute! Zwei Meter Abstand!“ Der Mann sagte nur: „Wir sind über 40 Jahre verheiratet. Wir stecken uns nicht mehr an.“
Andererseits gibt es aber auch Leute, die die einfachsten Verhaltensweisen noch nicht verinnerlicht haben. Unser NRW-Ministerpräsident, der seinem Namen nach eher alles mit einer gewissen Laschheit angehen lassen möchte, war ja kürzlich im „Heute Journal“ zu sehen, wie er eine Atemschutzmaske unterhalb der Nase trug. Zeugt das wirklich von Inkompetenz, oder was sagt uns das? Vielleicht will er in Wahrheit gar kein Kanzler werden. Oder es sind die ersten Lockerungen, die er gegenüber dem harten Kurs von Markus Söder durchsetzen möchte (dem „heimlichen Corona-Kanzler“, wie ihn der SPIEGEL jüngst nannte), um sich selbst gerade damit für Muttis Nachfolge zu empfehlen. Auch in dieser Hinsicht bleibt die Krise spannend.

Für uns Kleinkünstler ist dieser Ausnahmezustand tatsächlich existenzbedrohend. Viele haben schon vorher von der Hand in den Mund gelebt, und jetzt heißt es immer: „Nicht ins Gesicht fassen!“ Geld vom Staat ist da vonnöten, aber man sollte sich nicht die Finger danach lecken. Doch wenn Finanzspritzen nicht reichen, kommt dann auch die Verstaatlichung von Solo-Selbständigen? Gehöre ich dann bald der Kanzlerin? Dann lass ich die Dog Mask besser zu Hause.
Doch die wichtigste Frage, die sich jetzt schon stellt, ist: Wann ist das alles vorbei, und wie lange hält unsere Gesellschaft das aus? Oder: Wann führt der Shutdown der Regierung zum Shotdown in deutschen Wohnzimmern? Fest steht: Von Corona hat man jetzt schon die Nase gestrichen voll. Aber Achtung, dass man dafür nicht verhaftet wird!

Autor:

Benjamin Eisenberg aus Bottrop

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