Testradler unterwegs

Mit dem Rad einmal quer durch die Innenstadt: Auch Cityanzeiger-Redakteurin Antje Geiss (2.v.l.) war mit dabei, um die Schwachstellen für Radfahrer im Verkehr zu ermitteln. Gefunden wurden eine ganze Reihe von Problemen und einige Verbesserungsmöglichkeiten.
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  • Mit dem Rad einmal quer durch die Innenstadt: Auch Cityanzeiger-Redakteurin Antje Geiss (2.v.l.) war mit dabei, um die Schwachstellen für Radfahrer im Verkehr zu ermitteln. Gefunden wurden eine ganze Reihe von Problemen und einige Verbesserungsmöglichkeiten.
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Wie kann Dortmund fahrradfreundlicher werden? Ein Praxistest zeigte die Knackpunkte auf: Bei einer Radtour quer durch die Stadt fanden die Tester gleich 26 Schwachstellen.

Eingeladen hatten der Allgemeine deutsche Fahrrad Club (ADFC)und der Verkehrsclub Deutschland (VCD). Die zweieinhalb-stündigen Radtour führte vom Friedensplatz bis ins Kreuzviertel. „Es geht nicht um Ampelschaltungen oder nicht abgesenkte Bordsteine, es geht um Grundsätzliches“, meint Lorenz Redicker, Vorsitzender des VCD, der viele Gefahrenpunkte präsentierte, an denen die Planer die Radfahrer einfach vergessen hatten.

Problem Radweg

„Uns geht es dabei nicht nur um schnelle Alltagsfahrer, sondern auch um alte Menschen und Mütter mit Kindern, denn sie haben andere Bedürfnisse als Fahrradfahrer“, weiß Werner Blanke vom ADFC und setzte sich an die Spitze der 30 Radler starken Truppe, die ihren ersten Halt am Ostentor einlegte. Doch schon zuvor am Ostwall musste eine Radlerin absteigen. An der Baustelle ist der holprige Weg für den Hänger mit der Enkelin arg schmal, Absenkungen fehlen, viele Fußgänger bemerken die Radfahrer nicht. Der Radweg ist eine Buckelpiste.
„Wo ein blaues Schild ist, muss man den abmarkierten Radweg auf dem Bürgersteig benutzen“, erklärt Werner Blanke. „Absolut unpraktisch ist das hier am Wall“, finden die Mitradler am Südwall. Hier würde bei den vielen Ampeln und dem schlecht geführten Radweg eine Spur für Radfahrer auf dem Wall helfen, wie es sie an der Kreuzung Hohe Straße gibt.

Fahrradbeauftragter

Wer 15 Prozent Radverkehr wolle, wie die Stadt es sage, der müsse große Lösungen für den Radverkehr schaffen. Beispiel: Fahrradbeauftragter. In Dortmund gebe es eine halbe Stelle dafür, ohne Befugnisse. In Köln hingegen gebe es fünf Radbeauftragte und keine Planung käme durch, die sie nicht mit absegneten.. „Ich bekomme nicht mehr Radverkehr, wenn ich dafür nichts mache“, fordert Blanke die Ratsvertreter auf, Farbe zu bekennen. Viele abbiegende Autofahrer und Parkplatzsuchverkehr machen das Radfahren zum Hindernisparcours. Auf dem Weg vom Schwanenwall am Burgtor stellen die Radler fest, dass das Linksabbiegen in die Steinstraße praktisch unmöglich ist. Hier wäre ein Umbau mit Fahrradstreifen nötig.

Problem Beschilderung

Am nächsten Halt vor der Musikschule auf dem Weg zum Keuninghaus geben die Schilder Rätsel auf: Dem Radwegschild folgt das Grünanlagenschild, nach dem Radfahren verboten ist. An der Leopoldstraße fordern die Radclubs, die West-Ost-Strecke durch die Verbesserung der Querungen zu optimieren, die Heroldstraße sollte als Vorrangstraße in eine sichere Strecke Richtung Osten/Norden verwandelt werden. Dann könnten hier auch weiterhin Pkw fahren, doch Radler hätten Vorrang. Auch die Querung der Oestermärschstraße müsste verbessert werden und den Schmudelweg bis Im Spähenfelde könnte man von der Osterlandwehr ausbauen. Im Spähenfelde müsste die Einmündung durch Aufschüttung angehoben werden. In schlechtem Zustand ist hier der Fußweg, ein Radfahrstreifen wären eine Lösung. Auf der Mallinckrodtstraße in die Pedale zu treten, sei lebensgefährlich, sagen die Testradler.

Hürde Hauptbahnhof

Ein weiteres Hindernis: der Hauptbahnhof. Wer ihn nicht umrunden will, ist gezwungen, sein Rad durch den Fußgängertunnel zu schieben. „Der alte Posttunnel sollte für Radfahrer geöffnet werden“, fordern die Radler, doch das will die Bahn offenbar nicht. Denn wenn hier etwa eine verdächtige Tasche stehen bleibe, müsste jemand für die Sperrung des Bahnhofes aufkommen.
Eine Lösung im Osten an der Güntherstraße haben ADFC und VDC parat: Der Bananenradweg von Hörde bis zur Weißenburger Straße zu den Brügmannschulen sollte ausgebaut werden. Für eine üble Ecke halten die Radler die Kreuzung Robert-Koch/Franziskaner Straße, ein Kreisverkehr könnte hier Gefahren für Biker bannen, glauben die Vertreter der Radclubs.

Gefahr beim Abbiegen

Und wie kommt man von der Prinz-Friedrich-Karl-Straße nach links auf den Ostwall? Hir ist Vertrauen gefragt, dass die Autos daneben auch wirklich alle mit nach links abbiegen und nicht plötzlich rechts. denn eine eigne Spur oder eine Vorlaufschaltung an der Ampel gibt es nicht. Viele radeln mit der Angst, von abbiegenden Autofahrern übersehen zu werden. Und dies ist nur eine typische Gefahrenstelle. Einige Politiker wissen, dass die Verwaltung an dieser Kreuzung Änderungen abgelehnt habe. Der Rückstau würde zu groß, sei das Argument gewesen. Doch diese Kreuzung, kritisieren ADFC und VDC, liege zwischen großen Schulen und sei für Radfahrer gefährlich.

Mobilitätsmanagement

„Was in Dortmund fehlt, ist ein vernünftiges Mobilitätsmanagement“, meint Lorenz Redicker vom VCD. Ein gutes Beispiel für die Förderung des Radverkehrs sei die Arndtstraße. Doch woanders werde zu viel verbaut, etwa an der Kampstraße. Nicht erst an der Baustelle vor der Petrikirche wird es eng: Am der Kreuzung mit der Hansastraße fungiert eine große Blumeninsel als Platzhalter für eine zukünftige Wasserfläche auf dem Boulevard. „Hier ist die City eindeutig eine Radschiebestadt“, meinen die Radfahrer. Und schon auf dem weg hierhin über den Brüderweg sei es unklar, ob Radfahrer nun die Fahrbahn oder den Gehweg nutzen sollten. Überhaupt ist Radeln hier, wie auch in der Hansastraße beim vielen Parkplatzsuchverkehr nicht einfach. Nicht eingeplant worden seien Radler bei der Querung mit dem Königswall. Weitere Probleme und Lösungen: an der Möllerbrücke sei ein ein Zweirichtungsradweg möglich. Die Sonnenstraße ist eine potentielle Strecke für den Radschnellweg. Die Große Heimstraße könnte für Studierende und Mitarbeiter zur Fahrradstraße zur Uni werden.

Radschnellweg

An der Kreuzstraße könnte etwas für einen sicherern Schulweg getan werden und auf der Schnettkerbrücke stellt sich die Frage der jeweiligen Ein-Richtungswege. Der geplante Radschnellweg könnte die Lösung für alle bieten, die Fußgängerbrücke über die B1 mit dem Rad nehmen. Denn die Auf- und Abfahrten haben es in sich. Auf der Beurhaustraße könnte das Radfahren durch stärkere Kontrollen der in der zweiten Reihe parkenden Fahrzeuge gefördert werden.
Dies sind nur die größten Knackpunkte für das Radeln in der City, auch Pfosten, Pöller und Zickzack-Routen erschweren den Weg durch die Innenstadt. Doch das sind für die Ehrenamtlichen der Fahrradclubs eher Kleinigkeiten. Denn sie radeln gerne und das nicht nur ins Grüne, sondern auch gerne in der Stadt.

Mit dem Rad einmal quer durch die Innenstadt: Auch Cityanzeiger-Redakteurin Antje Geiss (2.v.l.) war mit dabei, um die Schwachstellen für Radfahrer im Verkehr zu ermitteln. Gefunden wurden eine ganze Reihe von Problemen und einige Verbesserungsmöglichkeiten.
Ältere Radfahrer und solche Mutter-Kind-Gespanne haben ganz andere Anforderungen an Radwege und Verkehrsführungen für Radfahrer.
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Lokalkompass Dortmund-City aus Dortmund-City

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