„Besondere Bedeutung“: Wandmalereien in der ev. Kirche in Brechten

Die Wandmalerei wird von (v.l.) Dr. Anne Skriver, Projektleiter Dirk Strohmann und Dipl.-Restauratorin Katharina Heiling untersucht.
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  • Die Wandmalerei wird von (v.l.) Dr. Anne Skriver, Projektleiter Dirk Strohmann und Dipl.-Restauratorin Katharina Heiling untersucht.
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Die für Westfalen einzigartige Darstellung des Jüngsten Gerichts verleiht der Untersuchung der Wandmalereien in der evangelischen Kirche St. Johann Baptist eine besondere Bedeutung.

Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) untersucht die mittelalterlichen Malereien in der Dorfkirche. Die Kirche ist die letzte von insgesamt dreizehn Kirchen, die von der LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen im Zuge des Forschungsprojekts „Bildwelten - Weltbilder: Figürliche Wandmalerei der Romanik“ erforscht wird. „Zum Schluss unseres Projektes wird es noch einmal besonders spannend“, erklärt Projektleiter Dr. Dirk Strohmann. „Das gemalte Dekorationssystem der spätromanischen Kirche in Brechten ist fast vollständig erhalten, unverfälscht und äußerst qualitätvoll. Die figürliche Darstellung des Jüngsten Gerichts im Chorgewölbe ist in seiner Art für Westfalen einzigartig und daher für unsere Forschungen von besonderer Bedeutung.“

Nach Abschluss der Arbeitsphase vor Ort erfolgen die Auswertung und die weitere wissenschaftliche Bearbeitung. Materialproben werden im Labor analysiert. Ziel des Wandmalereiprojektes ist es, die Werke zu erfassen, zu erforschen und in einem abschließenden Buch zu veröffentlichen. „Wir wollen die Qualität und Bedeutung der figürlichen romanischen Wandmalereien in Westfalen bekannter machen und seriöse Grundlagen für die weitere Forschung schaffen“, erklärt LWL-Chefdenkmalpfleger Dr. Holger Mertens.

Bis Ende des Jahres werden die 13 wichtigsten Beispiele der Kunstgattung in Westfalen untersucht. Neben dem Buch werden eine Wanderausstellung und ein eigener Internetauftritt die Forschungsergebnisse der Öffentlichkeit präsentieren. Zusätzlich entsteht ein Dokumentarfilm, der die romanischen Wandmalereien und ihre Entstehungsumstände vorstellen, aber auch ihrer Bedeutung für die Menschen von heute nachgehen wird. Das Projekt wird von der LWL-Kulturstiftung gefördert.

Die Dorfkirche stammt aus dem 13. Jahrhundert

Die Dorfkirche St. Johann Baptist in Brechten wurde an der Stelle zweier älterer Vorgänger in den 1240er-Jahren erbaut. Im Inneren finden sich gut erhaltene spätromanische Wandmalereien aus der Erbauungszeit der Kirchenhalle. Bemerkenswert sind die gemalten Erdgeschossarkaden an den Wänden des Langhauses, das große gemalte Radfenster an der Westwand und der reiche geometrische Dekor der Mittelschiffsgewölbe mit ornamentierten Bändern, Ringen und eingestreuten pflanzlichen Formen sowie Medaillons.

Christus thront als Weltenretter in der Mitte

Hinzu kommen figürliche Wandmalereien im Chorgewölbe und an der Chorostwand, die nach dem Chorumbau nach 1254 entstanden sein müssen. In der Mitte des Chorgewölbes thront Christus als Weltenrichter in einer von vier Engeln gehaltenen Mandorla. Über ihm sind Maria und Johannes der Täufer als Fürbitter für die Menschen beim Jüngsten Gericht angeordnet.

Zur Rechten Christi erscheinen die ins Paradies geleiteten Erlösten, zu seiner Linken die Verdammten, die von Teufeln in den Höllenrachen getrieben werden. Zu beiden Seiten des Chorostfensters ergänzen figürliche Darstellungen von Maria und des auferstandenen Christus das Bildprogramm des Chores. Zu Füßen der unter Baldachinen stehenden Figuren knien anbetend kleine Stifterfiguren.

Autor:

Tobias Weskamp aus Dortmund-Ost

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