"Das Fest ist wie die Kirsche auf der Sahne"

Pfarrer Ludger Keite  mit „dem Guten Hirten“ Auch die Krippe in der Brackeler St.-Clemens-Kirche mit ihren Figuren muss vorbereitet und rechtzeitig aufgebaut werden. | Foto: Schmitz
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  • Pfarrer Ludger Keite mit „dem Guten Hirten“ Auch die Krippe in der Brackeler St.-Clemens-Kirche mit ihren Figuren muss vorbereitet und rechtzeitig aufgebaut werden.
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Wie verbringt ein katholischer Priester den Heiligabend? Hetzt er von einer Kirche zur anderen, um dort die Messen zu lesen?
Ludger Keite ist Pfarrer in der St.-Clemens-Gemeinde in Brackel. Außerdem leitet er den Pfarrverbund, aus St. Clemens, Nikolaus von Flüe in Neuasseln und St. Joseph in Asseln sowie der Gemeinde Vom Göttlichen Wort in Wickede, den Pastoralen Raum Dortmund-Ost.
Seit 20 Jahren ist Ludger Keite Pfarrer, seit zehn Jahren ist er Pfarrer in der Gemeinde St. Clemens. Und zwischendurch hat er ein Jahr lang auch die Kommende in Brackel kommissarisch geleitet.
Stress und Routine gibt es für Ludger Keite zu Weihnachten nicht. Wie für viele andere Menschen auch beginnt der Heiligabend für Keite zunächst mit ganz profanen Dingen: „Zuerst mal gehe ich einkaufen.“ Über Weihnachten sind die Eltern des gebürtigen Paderborners zu Gast, „und da ich gerne koche, gibt es etwas Besonderes in einem festlichen Rahmen." Meistens aus der Bratröhre, dann bin ich zeitlich unabhängiger. Das muss natürlich besorgt werden, in diesem Jahr könnte Wild auf den Speiseplan stehen.
„Tagsüber gehe ich ein paar Mal rüber in die Kirche, bespreche mit der Küsterin, wo zum Beispiel der Chor steht, ob die Vorbereitungen für das Krippenspiel laufen und so weiter“, erzählt der Priester.
Dann muss auch noch die Predigt geschrieben werden, und das ist für Keite eine besondere Aufgabe: „Mittlerweile gibt es zwar Datenbanken für Predigten, doch das ist nicht mein Ding. Meine Gemeinde würde sofort merken: Das ist nicht Keite!“
Also wird die Predigt selbst geschrieben, und zwar oft noch am Heiligabend selbst: „Ich nehme immer einen aktuellen Aufhänger.“ Vielleicht steht in diesem Jahr eine kleine Familie während der Finanzkrise im Mittelpunkt, das ist noch nicht klar. „Weihnachten ist motivierend für mich, da fällt es mir leichter zu predigen als zu Ostern. Weihnachten ist so ein tolles Geheimnis, wenn der Himmel die Erde küsst – und da ist die Sehnsucht nach etwas Unsichtbaren – das tut jedem Menschen gut.“
Zwischendurch rufen immer wieder Menschen im Pfarrhaus an, suchen seelsorgerischen Rat, oder möchten eine Beichte ablegen – auch das macht Ludger Keite an Heiligabend noch kurzfristig. Am Morgen hat Keite auch seinen Weihnachtsbaum aufgestellt und geschmückt – traditionell das Bäumchen, das beim Verkauf auf dem Kirchenplatz übrig geblieben ist: „Das ist meist so ein Baum mit zwei Spitzen oder ein bisschen schief – Natur eben. Der wird erst an Heiligabend aufgestellt, vorher nicht.“
Und dann kommt die Vorfreude auf die Gottesdienste: „Um 15 Uhr beginnt das Krippenspiel für die kleinen Kinder. Das ist immer recht wuselig mit den Kleinen. In einem Jahr hatten wir einen richtigen Ehekrach in der Kirche zwischen Josef und Maria“, erinnert sich Keite lachend.
Um 17 Uhr folgt dann der Gottesdienst für die Familien. „Ich freue mich über jeden, der kommt, auch wenn es nur einmal im Jahr ist.“ Über leere Kirchebänke kann der Pastor nicht klagen: „Wir mussten schon öfter die Kirche um 17 Uhr wegen Überfüllung schließen.“ Die Christmette um 22.30 schließt dann die Reihe der Gottesdienste ab.
Stressig ist der Heiligabend für Ludger Keite nicht. „In dem Moment, in dem die Predigt beginnt, fällt die Anspannung der letzten Tage ab. Dann merke ich, ob aus den Zutaten ein guter Kuchen geworden ist und bin stolz, dass wir als Kirche zu diesem festlichen Tag beitragen dürfen. Das ist wie die Kirsche auf der Sahne.“
Der Rest des Heiligabends konzentriert sich dann auf die Familie. Der Weihnachtsbaum wird angezündet, es folgt ein ruhiges Abendessen, und anschließend telefoniert Ludger Keite mit seinen Schwestern.
Ludger Keite weiter: „Die Familie trifft sich dann in Paderborn, und zwar meistens am Zweiten Weihnachtstag. Danach bringe ich ein paar von meinen Nichten und Neffen mit und mache ein bisschen Ferienprogramm mit ihnen.“

Autor:

Lokalkompass Dortmund-City aus Dortmund-City

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