Eine Rezension zur Inszenierung am Theater Essen-Süd
Transorbitale Lobotomisierung im Theater Essen-Süd: Willkommen auf Shutter Island!

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Transorbitale Lobotomisierung im Theater Essen- Süd: Willkommen auf Shutter Island!

Das gerade vergangene Premierenwochenende des neuen Stücks des Theaters Essen-Süd ist mehr als geglückt, was die drei ausverkauften ersten Spieltage und die Reaktionen des Publikums – es gab Standing Ovations – bezeugen. Für Regie, Dramaturgie und Ausstattung zeigt sich Moritz Mittelberg-Kind verantwortlich, ebenfalls regieführend sowie Erschaffer des Lichtdesigns und der Tonkomposition ist Raphael Batzik.

Natürlich finden im Theater Essen-Süd keine martialischen Eingriffe mit Stahlnadeln am Stirnlappen des Gehirns statt, also der Eingriff, der in den 1950ern als Lobotomie bekannt und zur Behandlung von verschiedenen psychischen Leiden eingesetzt wurde. Ungeachtet dessen vermag man als Zuschauer bisweilen eine gewisse Verwirrung spüren, wenn man sich während der Entwicklung des Falls von dem mysteriösen Verschwinden der Patientin Rachel Solando (Sarah Künne) von Shutter Island in die Perspektive des ermittelnden US-Marshalls Edward Daniels (Dominik Poch) begibt. Edward und sein Kollege Chuck Aule (Sebastian Kubis) wenden sich bei den Ermittlungen an den Chefarzt Dr. John Cawley (Daniel Hees), dessen Motivlage undurchsichtig ist und der den Ermittlern verdächtig erscheint, wie auch das restliche medizinische Personal. Irgendjemand muss Rachel Solando geholfen haben und irgendetwas stimmt hier ganz gewaltig nicht! Das Misstrauen von Edward wächst mit jeder Stunde, die er auf der Insel verbringt. Er ist nicht zufällig dort und eigentlich hofft er eine andere Person in der Anstalt zu finden. Die Person, die ihm alles nahm und so viel Schmerzen, die Albträume und Kopfschmerzen einbrachte. Immerhin gegen das Hämmern im Kopf gibt es ein Mittel, das ihm der Chefarzt Cawley sehr bereitwillig zur Verfügung stellt. Langsam dämmert es dem Publikum: Hier ist nichts so, wie es scheint. Die Fähigkeit, sich immer wieder neu zu orientieren, ist hier gefragt.

Alle Klarheiten, die man glaubte zu wissen, werden spätestens im Finale des Stücks beseitigt. Dabei kann es helfen, wenn man die von Dennis Lehane verfasste Romanvorlage von Shutter Island gelesen hat, auf der die gleichnamige Verfilmung von Martin Scorsese basiert. Aber auch bei sorgsamer Verfolgung der Handlung beantworten sich die relevanten Fragen für alle Zuschauer. Etwaige Detailfragen lassen sich dann wunderbar im Gespräch nach der Vorstellung bei einem Kaltgetränk mit anderen Zuschauern oder den Theatermachern erörtern. Letztere haben durch ihre Interpretation der Romanvorlage für die Theaterbühne etwas Neues erschaffen, das zwar inhaltlich auch an die Filmadaption erinnern kann, letztlich aber eine ganz eigene Handschrift trägt.

Eine Rezension von Alexander Weilkes

Es spielen:

Teddy Daniels - Dominik Poch
Chuck Aule - Sebastian Kubis
Dr. Cawley - Daniel Hees
Dolores Chanal/Rachel Solando - Sarah Künne
George Noyce - Moritz Mittelberg-Kind

Regie/Dramaturgie/Ausstattung: Moritz Mittelberg-Kind
Regie/Lichtdesign/Tonkomposition: Raphael Batzik

10€/14€
karten@theater-essen-sued.de
01774548457

Ticketshop:
https://www.eventim-light.com/de/a/57a8adaae4b0e3f13f65b53d/s/5d0ce5495c2baa00010030c3

http://www.theater-essen-sued.de/

Autor:

Theater Essen-Süd aus Essen-Borbeck

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