Faszinierende Katastrophe: Zollverein zeigt Weltkriegsausstellung 1914

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Der Erste Weltkrieg war eine beispiellose Materialschlacht, nie zuvor wurden mehr Menschen verheizt - für nur wenige Meter Frontgewinne. Die Zeit von 1914 bis 1918 bedeutet einen tiefen Einschnitt in der Geschichte Europas. Engländer und Franzosen sprechen nicht umsonst vom „Großen Krieg“. In der deutschen Erinnerung wird er jedoch oft vom Zweiten Weltkrieg überlagert. Ab April erinnert die Zollverein-Ausstellung „2014“ an den Ausbruch des Infernos vor 100 Jahren.

Was das Ruhr Museum und das LVR-Industriemuseum in Kooperation auf die Beine stellen, ist eine kleine Materialschlacht für sich: 2.500 Exponate - vom schweren Geschütz bis zum Feldbrief - warten auf ihre Ausstellung in der Mischanlage auf dem Gelände der Kokerei. 500.000 Euro verzehren die architektonischen Umbauten, weitere 500.000 Euro fließen in die Ausstellungsvorbereitungen. „Es ist die wohl größte Ausstellung im deutschen Gedenkjahr anlässlich des Kriegsausbruchs“, verkündet Theo Grütter, Direktor des Ruhr Museums. Dass sie ausgerechnet in Essen zu sehen sein wird, ist kein Zufall.

„Der Erste Weltkrieg hat die Rhein-Ruhr-Region entscheidend geprägt“, weiß Walter Hauser, Leiter des LVR-Industriemuseums in Oberhausen. Und auch nach Kriegsende nicht losgelassen. Theo Grütter erinnert beispielsweise an den Ruhrkampf 1920 oder die Besetzung durch Frankreich drei Jahre später.
Daher bietet die Schau, die am 30. April eröffnet wird, den ganzheitlichen Blick über die Epoche der Jahrhundertwende. „Wir gehen nicht so sehr in die Schlachtfelder“, kündigt Grütter an. Eine kleine Warnung an alle, die hauptsächlich an Militaria interessiert sind. „Wir zeigen aber auch Waffen“, schiebt der Historiker hinterher. Unter den Ausstellungsstücken befinden sich Granaten, Maschinengewehre und eine vier Tonnen schwere Feldhaubitze, die mit schwerem Gerät in die Mischanlage gehievt wurde.

Das Konzept klingt spannend. Via Standseilbahn steigen Besucher in die Ausstellung ein. Oben angekommen (Zughöhe 35 Meter!) erreichen sie die ersten anderthalb Ebenen. Ein Prolog führt in die Aufbruchstimmung zu Beginn des 20. Jahrhunderts ein, anschließend spiegelt die Schau den Zeitgeist vor Kriegsausbruch wider. 100 Figurinen mit Kostümen geben einen Einblick ins gesellschaftliche Leben, technische Errungenschaften läuten die Moderne ein.

Der technische Fortschritt verändert aber auch die Kriegsführung. Durch Gitter im Boden flimmert die europäische Katastrophe auf. Eine Ebene tiefer, im Bunker der Kohlenmischanlage, tobt der Krieg: Projektionen werfen die Schrecken an die Wand, Dokumente, Propaganda-Plakate und andere Zeitzeugnisse vermitteln ein Bild vom Leben an der Front und der Stimmung in der Heimat.

„Der Krieg ist
erst 1945 vorbei“

Mit dem Kriegsende 1918 ist allerdings nicht Schluss. Die dritte Ebene stellt den Übergang vom Kaiserreich in die Weimarer Republik in den Mittelpunkt, in der die Auswirkungen noch lange zu spüren sind. Und auch die NS-Zeit wirft ihre Schatten im Epilog voraus. Theo Grütter: „Wir wollten die Ausstellung nicht mit den Goldenen Zwanzigern enden lassen. Der Krieg ist erst 1945 vorbei.“ Was vor dem Hintergrund der Ereignisse zwischen 1914 und 1918 schon unfassbar genug ist.

Infos:

- Die Ausstellung ist vom 30. April bis zum 26. Oktober in der Mischanlage der Kokerei Zollverein zu sehen.
- Öffnungszeiten: montags bis sontags, 10 bis 18 Uhr.
- Der Eintritt kostet 10, ermäßigt 7 Euro. Kinder und Jugendliche unter 14 Jahre - Für drei Euro zusätzlich können Interessierte an öffentlichen Führungen teilnehmen, diese finden montags bis freitags um 11 Uhr, am Wochenende um 14 Uhr statt.
- Zur Ausstellung erscheint ein Katalog (400 Seiten).

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