Auf der Kokerei Raum für Natur bewahren

Kreuzkröten gibt es auf den Brachflächen der Kokerei in großer Zahl. Deshalb soll vor der Vermarktung für sie ein Ersatzlebensraum geschaffen werden.
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  • Kreuzkröten gibt es auf den Brachflächen der Kokerei in großer Zahl. Deshalb soll vor der Vermarktung für sie ein Ersatzlebensraum geschaffen werden.
  • Foto: Ines Mogge
  • hochgeladen von Sabine Pfeffer

Zollverein - da denkt man an Architektur und Kultur, weniger an Natur. Dabei ist die Welterbefläche wichtiger Lebensraum zum Beispiel für Kreuzkröten und Hausrotschwänze. Für Arten also, die es anderswo schwer haben.

Die Amphibien sind für Ines Mogge ein „großes Thema“ - nicht nur, weil sie auf der Vorwarnstufe für die Rote Liste bedrohter Arten stehen, sondern auch weil die Tiere auf dem Kokereigelände in großer Zahl vorkommen. Die RAG Montan Immobilien GmbH entwickelt und vermarktet dort Flächen und muss sich deshalb auch um die Heimat der Kreuzkröten kümmern.
Ines Mogge ist Stadtplanerin, für die RAG Montan Immobilien derzeit aber vor allem mit der Planung einer neuen Heimat für die kriechenden Vierbeiner befasst, die vor einer Bebauung umgesiedelt werden. Das ist leichter als bei anderen Amphibien, die hartnäckig zu dem Gewässer zurückkehren, wo sie aus dem Ei schlüpften. Die Kreuzkröte dagegen nimmt das „Ersatzhabitat“ an.
„Dieses anzulegen ist mit einem hohen Aufwand verbunden“, sagt Ines Mogge. Laichgewässer, Tagesverstecke, Krautschicht etc. müssen da sein. Und ein „grabefähiger Boden“, damit die Kröte sich einbuddeln kann. Immerhin: Das Bergematerial auf Zollverein ist ideal.

Seit dem weitgehenden Rückzug des Regionalverbands Ruhr (RVR) ist das Thema Natur auf dem Welterbe zum Großteil in den Hintergrund geraten. Das soll sich ändern. Ein sichtbares Zeichen wurde gesetzt durch die Kooperation mit dem Naturschutzbund (Nabu). Dessen Regionalstelle Ruhrgebiet hat ein Büro in einem ehemaligen Gebäude der Kokerei bezogen. „Wir planen ein kleines Naturschutzzentrum mit Veranstaltungen“, kündigt Nabu-Mitarbeiterin Sabine Zimpel an. Zwar sind viele Teile des Welterbe-Areals im Besitz der Stiftung Zollverein, doch auch mit der arbeitet man zusammen. Geplant ist auch eine Broschüre: ein Naturführer für Besucher.

Das Wissen um die Tiere und Pflanzen ist vorhanden, denn seit Jahren wird im Auftrag der RAG kartiert. Nisthilfen, etwa für Schleiereulen, hat man angebracht. „Sie ziehen regelmäßig Junge groß“, weiß Ines Mogge. „Wenn auch nicht immer im Kasten.“
Bussarde, Sperber, Wanderfalken, Turmfalken und Fledermäuse sind weitere Bewohner. Dem Anbringen von Nisthilfen steht allerdings oft der Denkmalschutz im Weg. „Der Gestaltungsrahmen ist eng“, wissen Ines Mogge und Sabine Zimpel. Beim Neubau der Unternehmenszentrale von RAG Montan Immobilien auf der Kokerei musste sich die Architektur an diesen Rahmen halten. Ein Vogelnistkasten würde die vorgeschriebene glatte Fläche des Gebäudes unterbrechen, darf also nicht einfach irgendwo angebracht werden.
Die großen ‚Hotels‘ für Wildbienen sind unproblematisch, da mobil. Und auch eine für 2013 geplante Neuerung kollidiert nicht mit der Denkmalschutzsatzung: Bienenhäuser auf dem Dach des Verwaltungsgebäudes. „Gold aus dem Welterbe“, kündigt Sabine Zimpel die erhoffte Honigernte an. Vorausgesetzt, die Tiere finden genug Blühpflanzen in der Umgebung, denn auch Blumenbeet oder -wiese dürfen nicht mal eben vor der Tür angelegt werden.
Auf Zollverein muss die Natur sich dem Gestaltungsrahmen anpassen. Aber bisher hat sie das ganz gut geschafft.

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