Gedanken zum Ende des Steinkohlebergbaus
Schicht im Schacht !

Jetzt ist es amtlich. Mit Zeche Prosper Haniel in Bottrop schließt das letzte Bergwerk im Ruhrgebiet. Mit Wehmut aber auch Stolz und Dankbarkeit werfe ich einen Blick zurück.

Ich bin ein echtes Kind des Ruhrpotts. Geboren bin ich in einer Zechensiedlung zwischen der Bergwerken Joachim und Bonifacius. Wie viele andere zuvor waren meine Eltern ins Ruhrgebiet umgesiedelt . Hier gab es Arbeit und gutes Geld zu verdienen. Reich geworden sind wir zwar nicht. Glücklich und zufrieden allerdings schon. Und die Menschen aus vielen Nationen wuchsen zu echten Ruhris zusammen. Hier wurde schon immer Integration gelebt. Das merkt man bis heute.
Natürlich war es früher nicht immer schön im Pott. Ich kann mich an Tage erinnern ,Dass meine Mutter an manchen Tagen keine Wäsche hängen konnte,wenn der Wind schlecht stand. Und ich erinnere mich dunkel, das mein Vater pechschwarz von der Schicht kam. Angst vor dem schwarzen Mann kannten wir darum nicht.
Für uns Kinder war das Revier ein riesiger Abenteuerspielplatz. Bis auf das Zechengelände reichte unser Gebiet. War natürlich verboten ,störte uns aber nicht weiter.
In weiten Teilen Deutschlands wurde mitleidig auf den Kohlenpott geschaut. Das Klischee von den ausgemergelten rußgeschwärzten Kindern, die auf dem Zechengelände spielen mussten und die Sonne nicht kannten, hielt sich noch lange. War ja auch ein bisschen Wahrheit mit dabei. Für uns fühlte sich das aber nie so an. Ich erinnere mich mit Dankbarkeit an Spielen mit vielen Kindern , bis uns Mutter abends zum Essen rief. An jeder Ecke wurde gekickt. Wäschestangen und Strommasten waren unsere Tore. Hier wurden echte Straßenfußballer geboren ! Ich möchte keine Sekunde davon missen.

Und jetzt ist dann Schicht im Schacht. Mit Prosper Haniel in Bottrop schließt die letzte Zeche im Revier. Das befürchtete sterben des Ruhrgebiets ist zum Glück ausgeblieben. Der Wandel ist ganz gut geglückt.Viele neue innovative Firmen haben sich an den alten Schachtanlagen angesiedelt. Einiges wurde glücklicherweise erhalten. Leuchtendes Beispiel ist wohl Zollverein, inzwischen Weltkulturerbe und auf der ganzen Erde bekannt. In Sachen Sport und Kultur braucht sich die Region nicht hinter anderen Metropolen verstecken. Das tut sie auch nicht. Ein neues Selbstbewusstsein ist gewachsen und steht uns gut.
Und der ehemalige „Kohlenpott ist tatsächlich grün geworden. Überall sprießt es auf alten Industriebrachen, ehemalige Bahntrassen werden Radwege, Halden und Fördertürme sind weit sichtbare Landmarken. Das scheint sich auch so langsam im Rest der Republik herum zu sprechen. Der Tourismus wächst rasant. Wer hätte das vor 50 Jahren gedacht ?
Und mittendrin bin ich. Klar bin ich stolz , ein Teil davon zu sein. Ich habe meine HeimatEssen und das gesamte Revier lieben gelernt . Hier bin ich geboren, hier werde ich bis zum Ende bleiben . Sehr gerne .

Glück auf !

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