Leute von hier: "Pottkinder"

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Hauptdarsteller Michael Mölders und Regisseur Alexander Waldhelm (rechts): "Wir haben es einfach probiert" - und gemacht! Fotos: FFFR.e.V./Joachim Gies
 
Kein Ruhrpott-Film ohne Trinkhalle!

Alexander Waldhelms Erstlingsfilm spiegelt die Ruhrgebiets-Gesellschaft wider

Die Klüsens leben in einer Stadt irgendwo zwischen Duisburg und Dortmund. Gefilmt in Uni, Kneipe, Büro und Kegelbahn zeigt "Pottkinder", ein Film aus, für und über das Ruhrgebiet, Menschen der Region: ungeschönt und herzlich ruppig.


Alexander Waldhelm fährt viel Zug. Zweimal täglich durchquert der 41-Jährige mit dem Regionalexpress das Ruhrgebiet. Während dieser zwei Fahrten zwischen Wohnort und Vollzeitstelle hat der dreifache Familienvater ein Drehbuch geschrieben, dass nicht nur verfilmt, sondern sogar heute Abend, am 10. Mai, in der Lichtburg Premiere feiert.
Wie schafft man das, eine No-Budget-Idee in einen Spielfilm mit einer Besetzung bestehend aus Fritz Eckenga, Hennes Bender oder Torsten Sträter zu verwandeln? Woher überhaupt die Motivation nehmen, anzufangen? "Ich hab immer gern geschrieben", erzählt Waldhelm, der in Bochum Film- und Fernsehwissenschaften studiert hat und mittlerweile als Journalist in der Pressearbeit tätig ist, "und das Drehbuch wollte ich eigentlich verkaufen." Nach und nach seien immer mehr Leute begeistert von der Idee gewesen, in dem Film tatsächlich mitzuwirken. Den Ausschlag gegeben hat schließlich Tonproduzent Michael Mölders. "Als Michael von dem Drehbuch hörte, sagte er 'Klar, und ich mach dann die Musik'", erinnert sich Alexander Waldhelm. Letztlich ist es die Hauptrolle in dem Laien-Schauspielstück geworden, "und da haben wir uns gesagt, wir probieren es einfach."
Michael, so heißt die Hauptfigur auch in "Pottkinder". Kurz vor Ende seines Studiums ist er auf Jobsuche, während Mutter Inge (Patricia Höfer) mit Depressionen kämpft und Vater Jörg (Gerd Fleuren) sich als langjähriger Angestellter um das Engagement seiner Schreibwarenfirma im Karneval kümmern muss. Genauer achten sollte man bei "Pottkinder" aber auf die Pförtner an Jörg Klüsens Arbeitspforte: Neben den eben genannten wechseln sich lokale Prominente wie Manni Breuckmann, Wilfried Schmickler oder Christian Hirdes hinter der Pförtnerscheibe ab.

Prominenz hinter der Pförtnerscheibe

Zur Mitwirkung der Berufsschauspieler und Kabarettisten kam es jedoch nur durch den großen Anklang, den Alexander Waldhelms Idee gefunden hat. "Nach dem Aufruf, den wir in der Mülheimer Woche gestartet haben, war die Resonanz riesig", erzählt er, "pro Castingtermin kamen etwa vierzig Leute und auch bei den anderen Faktoren haben wir unheimlich viel Unterstützung erfahren." Denn um einen Film zu drehen, zu schneiden und zu produzieren bedarf es mehr als engagierter Laienschauspieler. Neben Fachleuten für Bild, Ton und Schnitt trägt vor allem eins zum Gelingen eines Films bei: die gute Laune der Beteiligten. Für diese zeichnet Alexander Waldhelm einen Caterer verantwortlich. "Anfangs wollte ein sehr guter Freund von mir, der Chef eines Cateringunternehmens ist, drei Tage lang die Verpflegung übernehmen", schmunzelt der Regisseur. Aus drei Tagen wurde eine Woche, schließlich stellte er drei Viertel des Filmbudgets zur Verfügung. "Neben meinem Chef, der viel Verständnis zeigte und mich zwei Jahresurlaube am Stück nehmen ließ, um im Sommer den Film zu drehen, möchte ich vor allem ihm danken", schließt Alexander Waldhelm ernst, "er ist letztlich der Mann, der das alles möglich machte."

Vorstellungen

Schon länger ist die heutige Premiere in der Lichtburg ausverkauft. Nächster Termin ist am 9. Juni im Oberhausener Ebertbad. Die Daten für das Essener Programmkino stehen noch nicht fest.
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Bodo Kannacher aus Essen-Süd | 10.05.2017 | 12:05  
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