Bezirk IX möchte attraktive Sportangebote für Kinder und Jugendliche schaffen
Jugend in Bewegung bringen

Der Skate- und Bikepark an der Mülheimer Südstraße begeisterte die Besucher aus dem Essener Süden.
Foto: Henschke
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  • Der Skate- und Bikepark an der Mülheimer Südstraße begeisterte die Besucher aus dem Essener Süden.
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Digital traf sich Gabriele Kipphardt mit vier Bezirksbeauftragten, deren Aufgabenbereiche sich bei einem dringlichen Thema überschneiden. Die Bezirksbürgermeisterin sieht nämlich dunkle Wolken heraufziehen: „Mir wird angst und bange, wenn ich die Auswirkungen der Pandemie auf unsere Kinder sehe.“

Wenn Corona überwunden sei, müsse man den Jüngeren schnellstens heraushelfen aus Isolation und lähmender Lethargie. Da könne der Sport eine entscheidende Rolle spielen: „Die Jugend muss wieder in Bewegung kommen.“ So saßen die Kinder- und Jugendbeauftragten Annette im Brahm (CDU) und Fabian Griechen (Grüne), der Sportbeauftragte Gerhard Schupp (FDP) und der Mobilitätsbeauftragte Elias Hahn (CDU) mit am virtuellen Tisch. Gabriele Kipphardt eröffnete mit einem dringlichen Appell: „Wir müssen unbedingt Räume schaffen für unsere jungen Menschen im Bezirk.“

Angebote machen

Doch wo? Und wie den Bewegungsdrang junger Menschen gezielt reaktivieren? Anklang fand der Vorschlag von Annette im Brahm, spontan sportliche Angebote zu schaffen. Im Sommer möchte sie auf einem Teil der Hundewiese in Kettwig ein temporäres Beachvolleyballfeld installieren. Temporär deswegen, weil hier Landschaftsschutz und Überschwemmungsgebiet eine dauerhafte Lösung verhinderten.
Im Essener Süden beklagen vornehmlich ältere Fußgänger, dass sie sich durch BMX-Radfahrer gestört oder gar gefährdet sehen. Ein Vorfall mit Polizeieinsatz spielte sich erst im Februar in der Kettwiger Innenstadt ab. Gabriele Kipphardt möchte gezielt eingreifen: „Wir dürfen die Jugend aber nicht nur verdrängen, sondern müssen ihr auch Angebote machen.“ Fabian Griechen ist ausgewiesener Bikesport-Fachmann. Der lizensierte Trainer Trial-Leistungssport erklärte, bei den in Kettwig beklagten „Radartisten“ handele es sich um sogenannte Street-Trial-Biker: „Die treffen sich spontan und sind schwer zu erreichen.“ Eine Dirtbike-Anlage würde diese Fahrer nicht reizen, aber ein Angebot mit „Obstacles“ genannten künstlichen Hindernissen, die auf jeden Fall rutschfest sein müssten. Wenn nicht fest installiert, dann aus portablen Betonelementen. Auch mit handelsüblichen Paletten und alten Baumstämmen könnte man einen herausfordernden Parcours gestalten.

Dicke Knöchel e.V.

Der Ist-Zustand aber ernüchtert. Gabriele Kipphardt hielt fest: „Unsere zwei Skateranlagen sehen nicht besonders einladend aus.“ Wie es gehen kann, sieht man in Heidhausen: Auf dem stillgelegten Sportplatz am Volkswald haben sich Skater aus eigenen Mitteln und mit viel Muskelschmalz eine Sportfläche improvisiert und sogar einen Rollsportverein gegründet. Der Vorstand von „Dicke Knöchel e.V.“ wird mit den Werdenern Fabian Busch, Alexander Čzech und Dominik Semkat besetzt. Die Drei gaben ein vernichtendes Urteil ab über die bestehenden Angebote im Bezirk: „Es gab keinerlei Rücksprache mit Skatern. In Kettwig gibt es zum Beispiel ein Element, das kann man gar nicht anfahren, da es viel zu steil ist.“ Die Fläche biete überhaupt keinen sportlichen Anreiz und die im Löwental sei eher ein Kinderspielplatz. Ambitionierten Skatern und Bikern müsste etwas ganz anderes angeboten werden, folgerte Gerhard Schupp: „Wenn das attraktive Sporträume sind, dann kommt die Jugend auch.“ Auf Hinweis der „Dicken Knöchel“ besuchten Kipphardt, im Brahm und Schupp den Skatepark an der Mülheimer Südstraße und waren hellauf begeistert. Die rund 1.500 Quadratmeter große Anlage bietet mit ihren Curbs und Rails sowie einer langen Quaterpipe viel Platz für verschiedene Rollsportarten und ist immer gut besucht. Skateboard- und BMX-Trainer sind mittwochs vor Ort und helfen Anfängern, ihre ersten Versuche zu meistern. Durch finanzielle Unterstützung engagierter Firmen konnte ein Container aufgestellt werden, an dem BMX-Räder, Skateboards und Werkzeug kostenlos gegen Pfand ausgeliehen werden.

Suche nach einem Gelände

Nun schwebt den Verantwortlichen ein ähnlich gearteter Sportpark vor für den gesamten Bezirk IX. Für Skater und Biker, vielleicht noch mit Bolzplatz und Basketballfeld? Um ein dauerhaftes und attraktives Sportangebot für die Jugend zu schaffen, schlug Gerhard Schupp einen Fahrplan in vier Schritten vor: „Was wollen wir machen? Wo im Bezirk finden wir ein geeignetes Gelände? Welche Beteiligten wie Vereine, Initiativen oder Privatpersonen könnten mithelfen? Wie könnte man das finanzieren?“ Einig war sich die Runde, dass die Suche einem wenig oder gar nicht genutzten Gelände gelten müsse, das mit der S-Bahn bestens zu erreichen sei und ohne zusätzliche Bodenversiegelung auskomme.
Fabian Griechen brachte Parkplätze an der Bredeneyer Freiherr-vom-Stein-Straße und oberhalb des Seaside Beach ins Spiel. Mit ihrem Vorschlag, ein Gelände am Kettwiger Oberlehberg auf seine Eignung zum Dirtbike-Park zu überprüfen, war Annette im Brahm am Veto der Verwaltung gescheitert. Auch ein zweites Kettwiger Gelände erwies sich als nicht geeignet. Der Heidhauser Volkswald scheint zu abgelegen für Nutzer aus Bredeney oder Kettwig. Elias Hahn betonte, dass die örtliche CDU schon seit Langem eine Wald-Kita für den ehemaligen Sportplatz fordere. Leider war der bisherige Investor abgesprungen, nun aber haben sich neue Interessenten gemeldet. Neben einer Wald-Kita könnte sich Hahn gut ein Outdoor-Gym und eine Renaturierung als Hundewiese vorstellen. Die Fläche müsse zum Wohle der Heidhauser genutzt werden.

Zentrales Angebot

Das Angebot sollte in der Mitte des Bezirks liegen. Zentral gelegen wäre eine Fläche in der Nähe des Werdener S-Bahnhofes. Der Park & Ride unter der Brücke am S-Bahnhof wäre von der Atmosphäre her ideal, doch ob der Verlust von Parkplätzen akzeptiert wird? Ein Abriss der Parkplatzfläche und der großflächige Neubau einer stabilen Betonfläche könnten gerade unter Beachtung statischer Vorgaben sehr teuer werden. Alle Mitstreiter wollen weiter mit offenen Augen durch den Bezirk gehen, damit eine gute Lösung für den Alltagsbrauch gefunden werden kann. Bezirksbürgermeisterin Gabriele Kipphardt rät zu handfesten und schnell umsetzbaren Lösungen: „Wir müssen da nicht nach den Sternen greifen.“
Ein erster Schritt zeichnet sich ab, den Gerhard Schupp so umreißt: „Bis wir einen geeigneten Platz gefunden haben, könnte man den am Volkswald schon aktiven Skatern dort ein geringen Streifen zur Verfügung stellen, der von ihnen auf eigene Kosten und in Eigenarbeit mit Einbauten versehen wird.“ Das solle dann aber auch in ein Gesamtkonzept eingebunden sein, zu dem unbedingt auch die Wald-Kita gehöre.

Autor:

Daniel Henschke aus Essen-Werden

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