Stadtteilpfleger Thomas Buch macht seit zwölf Jahren den Dreck der anderen weg
Der Werdener Saubermann

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Seit gut zwölf Jahren sammelt Thomas Buch als Werdener Stadtteilpfleger den Müll ein, den unbedarfte Mitmenschen einfach so wegwerfen. Immer dabei seine Karre mit Besen, Zange, Schüppe, Rechen und Abfallsäcken.

Der gelernte Maler und Lackierer ist stolz darauf, Werden ein Stück lebens- und liebenswerter zu machen. Jetzt wurde sein Pensum auf 15 Wochenstunden erhöht und gleichzeitig das zu reinigende Gebiet vergrößert. Nun ist der „Saubermann“ von montags bis freitags unterwegs und geht von 10 bis 13 Uhr sein Revier ab: Vom Treidelplatz über die Brücke zum Löwental. Dann wieder zurück und über Propsteistraße vorbei am Alten Friedhof weiter bis zur Neukircher Mühle, auf die Brehminsel, zum Kastellgraben, bis zum Platz der Feintuchwerke und zum Porthofplatz. Ein riesiges Gebiet, kaum zu schaffen in der knappen Zeit.

Den Stadtteil verschönern

Sein Einsatz ist als Ergänzung gedacht zu EBE sowie Grün und Gruga. Hier in Werden schultert der Bürger- und Heimatverein die Finanzierung des Stadtteilpflegers. Werner Dernbach ist immer dabei, wenn es um die Verschönerung des Stadtteils geht, organisiert unter anderem die Reinigungsaktion am „Clemenspöttchen“. Er ist auch zuständig für Thomas Buch. Als er von einer Erweiterungsmöglichkeit durch ein vom Bund aufgelegtes Förderprojekt für Langzeitarbeitslose hörte, schien ihm dies genau das richtige für Thomas Buch und Werden: „Aber das war gar nicht so einfach. Da habe ich etliche dicke Bretter bohren müssen, bis der Förderantrag bewilligt wurde.“ Zunächst läuft der Vertrag über ein Jahr, kann aber auf bis zu fünf Jahre verlängert werden. Thomas Buch strahlt: „Ich bin mit meiner Arbeit zufrieden. So einen guten Arbeitgeber hatte ich noch nie.“ Auf der wetterfesten Weste prangt sein Slogan: „Für unser schönes Werden“. Das Outfit trägt er ab und zu sogar privat: „Da bin ich schon oft drauf angesprochen worden. Darf doch jeder wissen, dass ich in Werden arbeite.“ Der Werbering hat ihm übrigens neue Arbeitskleidung versprochen.

Mit Rheinwasser getauft

Thomas Buch wohnt in Leithe, seine Anfahrt dauert rund eine Stunde. Jeden Tag fährt er nun nach Werden und ist gerne hier: „Hier kann man die Freiheit genießen. Wer darf schon in der grünen Lunge der Stadt arbeiten?“ Außerdem ist er gern am Wasser. Das wurde ihm wohl schon in die Wiege gelegt. Denn als der kleine Thomas 1972 in Rüdesheim das Licht der Welt erblickte, wurde er stilecht getauft. Der Vater war nämlich Binnenschiffer, packte den Filius an den Beinen und tauchte ihn kurzerhand in den Rhein: „Meine Mutter war völlig entsetzt.“ Die Nähe zum Wasser blieb, die Ruhr ist ja ein Nebenarm des Rheins. Vor zwei Jahren bekam Thomas Buch einen Schuss vor den Bug: „Im Krankenhaus wurde ein Hinterwand-Infarkt festgestellt. In der Reha sind mir die Augen aufgegangen. Mein Körper hatte Alarm geschlagen. Die Zigaretten, das ungesunde Essen. Jetzt ernähre ich mich besser und habe das Rauchen aufgegeben. Nun bin ich wieder fit. Zusätzlichen Sport mache ich eigentlich nicht. Bewegung an der frischen Luft habe ich hier ja genügend.“

Ein Sorgenkind

Hand aufs Herz, ist es mit der Vermüllung der Stadt wirklich schlimmer geworden? „In den letzten Jahren schon. An schönen Sommertagen strömen die Karawanen von der S-Bahn zur Brehminsel. Die grillen da, hinterlassen Unrat und weggeworfene Kohle. Da entstehen gefährliche Glutnester.“ Allerdings muss man auch mal was loben: „Die Hundebeutel werden genutzt. Ich fülle regelmäßig den Beutelspender auf. Das wird angenommen.“ Auch der Missbrauch der Gebüsche als WC sei auf dem Brehm nicht ganz so eklatant wie im Strandbad Löwental. Doch bei seinem „Sorgenkind“ will und will keine Besserung einkehren: „Am Treidelplatz ist es schlimm wie immer. Der Vandalismus dort ist erschreckend. Ständig liegen zerschlagene Flaschen herum. Das neue Graffiti wurde auch schon beschmutzt. Wahnsinn.“

Spenden für den Saubermann

Der Werdener Bürger- und Heimatverein finanziert den Saubermann Thomas Buch und viele weitere Projekte aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden. Deren Aufkommen ist jedoch stark rückläufig. Werner Dernbach appelliert daher an seine Mitbürger: „Unterstützen Sie bitte die Beschäftigung unseres Stadtteilpflegers.“ Die Bankverbindungen des Bürger- und Heimatvereins lauten bei der Sparkasse Essen DE15 3605 0105 0001 6289 32 und bei Geno Bank DE90 3606 0488 0570 5093 00.

Autor:

Daniel Henschke aus Essen-Werden

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