Der Cheftrainer vor den Playoffs
Moskitos Cheftrainer und Sportmanager Frank Gentges im Interview.

Er gibt den Weg für sein Team in den Playoffs vor, Moskitos Cheftrainer Frank Gentges
  • Er gibt den Weg für sein Team in den Playoffs vor, Moskitos Cheftrainer Frank Gentges
  • Foto: Sascha Lamozik - Feenstaub Entertainement
  • hochgeladen von Uwe Vogt

Herr Gentges, Gratulation zur erneuten direkten Qualifikation für die Play-Offs. Wie zufrieden sind Sie mit der Hauptrunde?

Vielen Dank, mit der Hauptrunde bin ich im Großen und Ganzen zufrieden. Mit der aktuellen Mannschaft 86 Punkte zu holen und die direkte Play-Off-Qualifikation zu erreichen, ist alles andere als eine Selbstverständlichkeit. Wir haben zwar für unser Budget und unsere Möglichkeiten den bestmöglichen Kader zusammengestellt, aber diese Mannschaft hat nicht die Qualität der Top-Teams wie zum Beispiel der beiden Hannoveraner Teams, die personell enorm aufgerüstet haben. Dass die Oberliga von der Altersstruktur immer älter und von der Gehaltsstruktur immer teurer wird, ist kein Geheimnis, somit kann man mit gleichem oder sogar geringerem Etat in der Folgesaison das Niveau kaum halten und schon gar nicht verbessern. Unser Preis-Leistungs-Verhältnis ist jedenfalls mehr als ausgereizt.

Sportlich haben Sie die Moskitos aber kontinuierlich weiterentwickelt…

Wir machen hier im sportlichen Bereich Jahr für Jahr das absolut Optimale aus den zur Verfügung stehenden Mitteln, das ist Fakt und das das Preis-Leistungsverhältnis bei uns auch absolut ausgereizt ist, ist auch Fakt. Man sollte nicht die Vergangenheit der Moskitos vergessen und vergessen wo man herkommt und wenn die Moskitos in den nächsten Jahren irgendwo dort stehen wo wir in den letzten Jahren kontinuierlich sind, dann ist es für die Moskitos eine optimale Situation. Die Oberliga wird immer professioneller, besser und teurer und wenn die Moskitos da mithalten wollen, bedarf es auch im wirtschaftlichen Bereich einer klaren Steigerung. Und wenn wir Konkurrenz zu den absoluten Top-Teams sein wollen, dann brauchen wir einfach auch das entsprechende Geld. Gehen Sie mal ganz fest davon aus, dass ich mit den gleichen Voraussetzungen der Top-Teams ganz oben mit den Moskitos stehen würde. Mir ist inzwischen vollkommen klar warum es um den Essener Sport wirtschaftlich so bestellt ist wie in der aktuellen Situation. Neben der guten Zuschauerentwicklung muss sich der Verein jetzt auch beim Sponsoring gut entwickeln.

Die Fans sind jedenfalls glücklich, dass ihre Moskitos wieder einmal vor den Revier-Nachbarn aus Herne und Duisburg gelandet sind. Wie wichtig ist Ihnen das?

Selbstverständlich sind mir die Belange der Fans und Zuschauer extrem wichtig. Es freut mich natürlich, wenn die Fans über die Nummer 1 im Pott glücklich sind, aber wichtig ist es für mich nur, weil es für unsere Fans wichtig ist und ich respektiere natürlich ihre Wertigkeit. Derbys sind immer emotionaler als andere Spiele, aber da werden auch nur drei Punkte vergeben. Die Saison besteht nicht nur aus Derbys und wir müssen auch andere Teams hinter uns lassen als die Revier-Nachbarn.

Die Moskitos stellen mit Tilburg die beste Defensive der Liga und auch das beste Unterzahlspiel der Liga, eine großartige Bilanz.

Und das mit der jüngsten Abwehr, Torwart Patrik Cerveny (21 Jahre), Marcel Pfänder (22 Jahre), Thomas Gauch (20 Jahre), Fabio Frick (19 Jahre), Leon Fern (21 Jahre), Raphael Grünholz (21 Jahre), Yannis Walch (23 Jahre) und dazu die beiden Routiniers Stephan Kreuzmann und Thomas Richter. Das ist eine großartige Bilanz und eine Auszeichnung für die gesamte Mannschaft, nicht nur für die Torhüter und Verteidiger

In der Offensive bemängeln Sie dagegen fast kontinuierlich die unzureichende Chancenverwertung.

Eishockey ist und bleibt ein Statistik-Sport und die oftmals fehlende Finalität in der Offensive war deutlich. Wir haben viel zu wenig aus unseren erspielten Chancen gemacht und auch von der blauen Linie, insbesondere im Powerplay, kam viel zu wenig Finalität. Auch von den Imports muss man in den entscheidenden Momenten mehr erwarten dürfen. Es ist auch deutlich zu sehen, dass von Stürmern aus Teams im unteren Tabellendrittel, die dort eine entsprechende Scorerbilanz hatten, nach ihren Wechseln in Spitzenteams viel zu wenig kommt. Dort hatten sie unglaublich viel Eiszeit und eine unbekannte +/- Statistik (!!), in Spitzenteams können sie die Quote dann absolut nicht mehr liefern, das ist eine andere Welt. Wenn Spitzenteams gegeneinander spielen bringen beide Teams eine wesentlich höhere Qualität aufs Eis, als wenn sie dann gegen Teams aus dem unteren Tabellendrittel spielen. Entsprechende Finalität ist nun mal eine Kunst und Künstler müssen nun mal entsprechend entlohnt werden, Geld schießt Tore, dabei bleibt’s, vorausgesetzt man weiß das Geld entsprechend einzusetzen.

Die Schiedsrichter-Leistungen sind in dieser Saison nicht nur augenscheinlich noch mal schlechter als in der Vorsaison und es wurde auch in allen Ligen massiv darüber diskutiert.

Darüber braucht man nicht diskutieren, das ist Fakt, aber man darf die Leistungen der Schiedsrichter nicht verallgemeinern, es gibt auch einige, die ihren Aufgaben gewachsen sind. Die Problemfälle müssen endlich beim Namen genannt und bei der Aufarbeitung kontinuierlich mit Bildmaterial ihrer Leistung konfrontieren werden. Es darf nicht sein, dass Schiedsrichter Spiele entscheiden, aber das ist bedenklicher Weise immer öfter der Fall, das schafft eine gewisse Ohnmacht bei den Protagonisten und mittlerweile eine auch eine gewisse Hoffnungslosigkeit, weil es immer schlimmer wird.

Laut Statuten werden die Oberliga Play-Offs im 3-Mann-System gepfiffen und die Regionalliga Play-Offs im 4-Mann-System. Läuft da nicht irgendwas falsch?

Nicht nur irgendwas sondern einiges, aber da müssen Sie den DEB und die Personen fragen, die diese Dinge absegnen. Wir Fachleute im sportlichen Bereich entscheiden das nicht. Auch bezüglich der Schiedsrichter im Süden bin ich von mehreren Seiten aus der Süd-Liga schon massiv vorgewarnt worden, warten wir es mal ab.

Kommen wir zu den anstehenden Play-Offs. Die Moskitos treffen auf den Traditionsclub Starbulls Rosenheim, was können bzw. wollen Sie dazu sagen?

Die Starbulls Rosenheim wollen mit aller Macht in die DEL 2, dementsprechend haben sie den Kader zusammengestellt und darüber hinaus nochmals mehrfach verbessert, auch das Umfeld lässt die Zielsetzung DEL 2 problemlos zu. Damit ist über die Rollenverteilung mit Rosenheim als Favorit und den Moskitos als Außenseiter alles gesagt.

Fühlen Sie sich mit der Rollenverteilung wohl und sehen Sie trotzdem eine Chance?

Natürlich würde ich mich mit einer anderen Rollenverteilung wohler fühlen, aber das ist in diesem Fall unrealistisch. Chancen sehe ich immer und die müssen die Jungs auch sehen, jedenfalls werden wir bestmöglich vorbereitet sein. Letzte Saison haben wir auch den EV Landshut ausgeschaltet, da hatten wir aber auch eine andere Mannschaft. Jetzt freuen wir uns alle auf die Play-Offs, die Jungs müssen mental 100% bereit sein, alle raus hauen und dann werden wir sehen …..

Die Oberliga-Süd absolviert am Wochenende ihre beiden letzten Hauptrunden-Spiele, die Moskitos haben dagegen auf Grund der direkten Play-Off -Qualifikation und der Pre-Play-Offs in der Oberliga-Nord am Wochenende spielfrei. Sehen Sie das als Vor- oder Nachteil?

Sehen Sie, das ist der nächste Punkt, der eigentlich nicht fair geregelt ist, denn als erstes sehe ich das als Wettbewerbsverzerrung, wenn zwei Ligen, die in den Play-Offs aufeinander treffen, nicht zeitgleich ihre Hauptrunde beenden. Mir persönlich erschließt sich auch nicht, warum man nach 48 Spieltagen in der Oberliga-Nord noch Pre-Play-Offs braucht, nach 48 Spieltagen sollte doch eine faire Tabellenkonstellation entstanden sein. In der finalen Saisonphase wäre ich natürlich wesentlich lieber im Rhythmus geblieben, als ein spielfreies Wochenende zu haben.

Den Moskitos fehlten nach 48 Spieltagen nur 2 Punkte auf Platz 4 was Heimrecht bedeutet hätte. Sie sagten auch dass dies im Bereich des Machbaren gelegen hätte. Ist das Heimrecht generell ein Vorteil?

Es lag absolut im Bereich des Machbaren, es zeigt aber auch deutlich, dass meine Einschätzung zu Saisonbeginn absolut richtig war, dass hinter den Top-3 bis Platz 10 alles sehr eng wird. Wenn man viele und enthusiastische Fans hat, die die Mannschaft nach vorne peitschen und auch der Schiedsrichter sich davon beeinflussen lässt, ist das Heimrecht natürlich ein Vorteil, ansonsten nicht. Rosenheim erfüllt diese Voraussetzungen, das ist unbestritten. Wir brauchen jetzt auch dringend die volle Unterstützung von unseren Rängen.

Reisen die Moskitos einen Tag vorher an und trainieren noch mal vor Ort?

Das wäre der normale professionelle Fall, aber dafür haben wir keine finanziellen Mittel. Wir fahren morgens um 6.00 Uhr los, steigen aus dem Bus, spielen, fahren danach wieder nach Hause und werden gegen 8.00 Uhr am nächsten Morgen in Essen ankommen. Das ist unser normaler Rhythmus, das machen wir immer so, egal wie weit die Fahrt ist und so haben wir den EV Landshut letzte Saison auch geschlagen, Voraussetzung ist natürlich ein entsprechender Bus.

Wer ist Ihr Aufstiegs-Favorit?

Ohne die Verletzung von Verteidiger Dennis Schütt wären das klar die Hannover Scorpions, es bleibt abzuwarten wie sie diesen Ausfall kompensieren können. Dahinter sehe ich die Hannover Indians wenn sie ihren Lauf beibehalten können und den EV Landshut. Abhängig davon ist natürlich, welchen Favoriten die Tilburg Trappers vorher raus kicken.

Viele prangern an, dass eine Finale mit den beiden Tabellenersten der Oberliga-Nord und -Süd der absolute Worst Case wäre, weil Tilburg nicht aufsteigen darf und Peiting nicht aufsteigen will. Wie beurteilen Sie die Situation?

Das ist ein weiterer Punkt, der mehr als bedenklich ist, aber mich interessiert nur der Sport und ich bin mir sicher, dass beide Teams ins Finale und dieses auch gewinnen wollen. Alles andere müssen Sie den DEB fragen, der schafft ja schließlich diese Gegebenheiten.

Wie ist der aktuelle personelle Stand?

Bis auf den Langzeitverletzten Stürmer Carsten Gosdeck sind wir komplett. Es gibt zwar aktuell zwei angeschlagene Spieler, aber die medizinische Abteilung meint das bis Freitag hin zu bekommen. Stürmer Julian Lautenschlager ist direkt nach dem Saisonende der Iserlohn Roosters mit Förderlizenz zu uns gewechselt. Dazu haben wir ja kurz vor Transferschluss noch Torhüter Torsten Schmitt, der nur noch im Hobby-Bereich spielt und früher schon mal in Essen war, als Absicherung hinter unseren beiden Stamm-Torhütern verpflichtet.

Es war zu hören, dass Sie einen jungen Trainer der bei Ihnen hospitieren will, mit in die Play-Off-Vorbereitung nehmen.

Das ist richtig, Daniel Benske, der zuletzt in der Regionalliga in Neuwied tätig war, wird bei mir in der Play-Off-Vorbereitung und auch in den Spielen hospitieren. Für ihn wird es eine sehr gute und lehrreiche Zeit und auch für mich ist es nicht uninteressant. Es ist eine Selbstverständlichkeit für mich, einem jungen deutschen Trainer damit zu helfen.

Herr Gentges, wir wünschen Ihnen und den Moskitos viel Erfolg für die anstehenden Play-Offs und vielen Dank für das Interview.

Vielen Dank und natürlich gern geschehen.

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