Frei durch Freizügigkeit?

Oberbürgermeister Frank Baranowski überreichte die Migradonna an Oya Erken-Biesler. Foto: Ralf Nattermann
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Am Wochenende wurde die Migradonna verliehen, der Preis für starke Frauen. Dabei wurde sehr deutlich, was starke Frauen alles auf die Beine stellen können, denn die gesamte Veranstaltung wurde von einer starken Gelsenkirchener Frau, Venetia Harontzas, und ihren zahlreichen, weiblichen und auch männlichen (!), Mistreitern durchgeführt.

Veranstaltung "handmade by lalok libre"

So bestritten junge Besucher des lalok libre, Verein zur Förderung der Kinder- und Jugendarbeit, die Moderation, sie sorgten für das Bühnenprogramm mit eigenen Gedanken zum Leben in Gelsenkirchen und dem Theaterstück „Ich weiß, was Du denkst!“, und last but not least sorgten sie für das Catering und servierten internationales Fingerfood. Alles quasi handmade by lalok libre.
In seinem Grußwort freute sich Oberbürgermeister Frank Baranowski darüber, dass die Veranstaltung sehr gut besucht war und auch Männer anwesend waren, die Interesse zeigten am Thema starke Frauen. Und das ganz besonders auch am Internationalen Frauentag.

OB Baranowski lobt das Engagement der Migratinnen

Das Stadtoberhaupt lobte, dass gerade die Frauen mit Zuwanderungsgeschichte dazu beitragen, dass ihre Familien, die hierher kommen und kämpfen müssen mit Sprachbarrieren und den schwierigen Anfängen in der Fremde, sich zurechtfinden in der fremden Umgebung. Denn die Frauen leben einen engen Zusammenhalt vor. Baranowski dankte den vielen nominierten Frauen und dankte ihnen für ihr Engagement. Er verzichtete auf das übliche Glückauf und wünschte den Anwesenden stattdessen „alles Gute und rote Rosen“.
Nebenbei bemerkt waren auch so viele Kinder wie noch nie zuvor anwesend und sorgten für eine lebendige Veranstaltung.

Die Welt in der wir leben

Rosalia Harontzas widmete sich für das Internationale Frauencafé den Fragen nach der Welt in der sie lebt. Sie skizzierte, dass sie in einer sozialdemokratischen Welt aufgewachsen ist, in der Frau alles schaffen kann. Aber sie musste auch lernen, dass es ganz anders geht. Dass es Frauen gibt, die nur leben, um zu heiraten und Kinder zu bekommen. Dass es Frauen gibt, die nicht genug zu essen für ihre Kinder haben, „und das nicht irgendwo in einem armen Land auf dieser Erde, sondern hier mitten unter uns. Und ich frage mich: Wo bleibt da die Solidarität?“
Sie erinnerte daran, dass Kinder das Schützenswerteste auf dieser Welt sind und trotzdem gibt es Mütter, die betteln gehen müssen, um ihren kranken Kind Medizin kaufen zu können, weil sie keine Krankenversicherung haben.
Harontzas ging der Frage nach, ob Freizügigkeit auch frei macht und musste feststellen, dass Freiheit eine Frage des Geldes ist und nicht der offenen Grenzen.
Ihre Gedanken wurden von Übersetzerinnen der Awo ins Rumänische und Bulgarische übersetzt, so dass auch die Besucher mit diesem Hintergrund der Darbietung folgen konnten.

And the winner is... Oya Erken-Biesler

Dem Leiter des Kommunalen Integrationszentrums (KIGE), Mustafa Cetinkaya kam die Ehre zu, die Laudatio auf die diesjährige Preisträgerin der Migradonna zu halten.
Er lobte Oya Erken-Biesler als eine starke Frau, die den Preis eigentlich schon früher verdient hätte. Dazu skizzierte er ihren Werdegang, der sie 1975 nach Deutschland führte, aber auch für ein Jahr wieder zurück in die Türkei nach Istanbul, ehe sich Oya Erken-Biesler für Deutschland als ihre Heimat entschied.
Sie biss sich durch ihre Schullaufbahn und immer wenn sie ein Ziel erreichte, steckte sie sich ein höheres bis sie schließlich studierte und nun als Lehrerin tätig ist.
„Ihr Durchhaltevermögen und ihr Wille immer weiter zu kommen, zeichnen ihre Stärke aus“, erläuterte Cetinkaya, der seit vielen Jahren mit ihr bekannt ist, durch das gemeinsame Engagement im Deutsch-Türkischen-Freundeskreis. Der Verein ist auch eins der vielen ehrenamtlichen Betätigungsfelder der Preisträgerin.
Völlig überwältigt verschlug es Oya Erken-Biesler regelrecht die Sprache, als sie sich bedankte für den Preis, „an dem sie nicht einmal im Traum gedacht hätte“. Sie versprach die Migradonna als Ansporn für ihr weiteres Engagement zu nehmen.

Was Migrantenkinder wirklich wollen

Im weiteren Programm räumte die Theatergruppe Taylaminmelia mit vielen Vorurteilen auf und stellte klar, wie sich junge Migrantinnen selbst sehen: Als ganz normale Mädchen, die die Philosophen Hegel und Kant lesen, die über CO2 diskutieren, ihr Abitur machen, studieren, eine Ausbildung anstreben und mehr. Was sie aber ganz sicher nicht wollen ist, dass man sie in eine Schublade steckt, auf der steht „Migrantenkind“.

Autor:

silke sobotta aus Gelsenkirchen

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