Amigonianer
Kicker und Kirche

Im Jugendtreff der Amigonianer in Heßler hat Pater Ralf schon so manche Kickerpartie absolviert und damit bei den Jugendlichen Eindruck gemacht.
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Mahmud hält den Kasten sauber. Und wenn der baumlange Kerl rechts neben ihm die Tore schießt, ist für den Zwölfjährigen die Kicker-Welt in Ordnung. Am Ende steht es 10:3 für das Duo aus dem Jungen mit dem weißen Basecap und dem Mann im grünen Sommerhemd. Dabei haben die Gegner ihnen nichts geschenkt.

Seine jahrelange Kicker-, Berufs- und Lebenserfahrung als Priester, Ordensmann und Pädagoge in Kinder- und Jugendheimen kann der über zwei Meter lange Kölner jetzt mitten im Ruhrgebiet einsetzen: Pater Ralf Winterberg ist der neue Leiter der Amigonianer-Kommunität in Gelsenkirchen.
Für die kurze Zeit ist Pater Ralf schon viel herumgekommen – und das am liebsten mit dem Fahrrad. Er hat sich in den verschiedensten Einrichtungen und Gruppen vorgestellt, hat Politiker, Förderer und viele Vertreter der Kirchengemeinde St. Joseph kennengelernt. In deren Gebiet liegt nicht nur der Jugendtreff, sondern auch das Haus Eintracht und die Hauptschule Grillostraße, wo die Amigonianer ebenfalls Treffpunkte für Kinder- und Jugendliche betreiben. Zudem gibt es auch an der Gesamtschule Horst ein Lernförderprojekt.
Vier Wochen Zeit hat sich Pater Ralf im Kalender geblockt, um jede Einrichtung nicht nur kennenzulernen, „sondern mindestens eine Woche auch mal richtig mitzuarbeiten“, sagt Ralf Winterberg.

Kölner freut sich aufs Ruhrgebiet

Der Jugendtreff liegt gleich gegenüber der Reihenhaus-Sozialwohnung, in der die Amigonianer zu Hause sind. Im Treff gehört Pater Ralf jetzt schon fast zum Inventar. Mit Mahmud, dem Jungen vom Kicker, „habe ich letzte Woche zusammen einen Drachen gebaut“, erzählt er.
Als Kölner im Ruhrgebiet freut sich Pater Ralf „über Menschen, die ihr Herz auf der Zunge tragen“ und empfindet es als „Privileg, hier in einem Brennpunkt zu leben“. Die neue Heimat gehört im ohnehin mit wenig Reichtum gesegneten Gelsenkirchen seit ehedem zu den Gegenden, die man gemeinhin als „weniger privilegiert“ beschreibt. Pater Ralf hingegen hat schon nach den ersten Wochen bemerkt, „was sich in diesem Viertel getan hat und tut“ – und welche Rolle die Kirche durch die Amigonianer hier spielt, wenn sie zum Beispiel Hausaufgabenbetreuung anbieten, Jugendarbeit leisten oder als Dialogpartner für die verschiedensten Bevölkerungsgruppen zur Verfügung stehen. „Wenn wir als Kirche Relevanz für die Leute von heute haben, werden wir auch nicht in Vergessenheit geraten“, so der pragmatische Ansatz des Paters gegen alle Unkenrufe vom Kirchenuntergang.
Pater Ralf ist gut angekommen im Ruhrgebiet, keine Frage. Wenige Meter von Schalke entfernt dürfte dazu auch sein entspanntes Verhältnis zum Thema Fußball beigetragen haben. „Natürlich bin ich FC-Köln-Fan, aber kein militanter“, sagt er mit einem Schmunzeln. Außerdem sei er „leidgeprüft“: „Ich schaue seit 15 Jahren Bundesliga-Übertragungen gemeinsam mit einem Schalke-Fan.“ Heute geht’s zum ersten Mal live in die blau-weiße Arena. Als Abschiedsgeschenk hat Bruder Anno Karten für die ganze Kommunität besorgt. Dann heißt es Mitfiebern, für wen auch immer – die Schalker spielen gegen Köln.

Das Amigo-Fest steigt morgen, 6. Oktober

Beim „Amigo-Fest“ am Sonntag, 6. Oktober, von 11 bis 17 Uhr gibt es im Jugendtreff, Aldenhofstraße 1 a, übrigens die vorerst letzte Gelegenheit, sich von Bruder Anno zu verabschieden – um 11 Uhr eröffnet Bischof Overbeck das Fest mit einer Freiluftmesse. Im Jugendtreff der Amigonianer in Heßler hat Pater Ralf schon so manche Kickerpartie absolviert und damit bei den Jugendlichen Eindruck gemacht.

Autor:

Lokalkompass Gelsenkirchen aus Gelsenkirchen

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