Prozessauftakt mit Sicherheitsvorkehrungen
Krieg im Hagener Rocker-Millieu: Hagener muss sich wegen versuchten Mordes verantworten

Der Prozessauftakt zu den Vorfällen auf der Frankfurter Straße vom 5. Oktober 2018 beginnt am kommenden Montag, 20. Mai, um 9 Uhr.
  • Der Prozessauftakt zu den Vorfällen auf der Frankfurter Straße vom 5. Oktober 2018 beginnt am kommenden Montag, 20. Mai, um 9 Uhr.
  • Foto: Archiv - Kai-Uwe Hagemann
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Vor dem Schwurgericht des Landgerichts Hagen beginnt am kommenden Montag um 9 Uhr die Hauptverhandlung gegen einen 58-jährigen Hagener wegen versuchten Mordes.

Der Angeklagten Ralf H. soll am Abend des 5. Oktober 2018 auf der Frankfurter Straße vor dem Café Babylon auf einen 26-jährigen Hagener geschossen haben. Während der Angeklagte ein führendes Mitglied der Gruppierung „Freeway Riders MC“ sein soll, soll der Geschädigte der Gruppierung „Bandidos MC“ zuzuordnen sein.
Der Angeklagte soll am Tattag gegen 21.30 Uhr mit einem weißen BMW an dem Café Babylon vorbeigefahren sein, vor dem sich der Geschädigte aufgehalten habe. Als der Geschädigte auf die Beifahrerseite des Fahrzeugs zugegangen sei, soll der Angeklagte eine Pistole des Kalibers 22 gezogen und an seinem Beifahrer vorbei aus dem geöffneten rechten Seitenfenster des Wagens einen Schuss auf sein Opfer abgegeben haben. Der Geschädigte wurde im Bauch getroffen und brach aufgrund seiner lebensgefährlichen Verletzungen zusammen. Sein Leben wurde nur durch einer Notoperation gerettet.
Hintergrund der Tat soll ein Konflikt zwischen den beiden rivalisierenden Rocker-Gruppierungen sein, der seit April 2018 zunehmend auch gewalttätig ausgetragen worden sei. In einem früheren Verfahren hat das Landgericht Hagen am 12. April bereits den 31-jährigen Abdullah Ü. wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz zugleich mit Sachbeschädigung zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren rechtskräftig verurteilt, weil dieser am 13. Oktober 2018 auf der Saarlandstraße in Hagen als Mitglied der „Bandidos“ aus einem fahrenden Auto auf ein mit Mitgliedern der „Freeway Riders“ besetztes Auto geschossen hatte, ohne dass hierdurch jemand verletzt wurde.

Anklage wegen versuchten Totschlags

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagtenin der Verhandlung am kommenden Montag versuchten Totschlag vor. Das Gericht wird im Rahmen des Verfahrens auch prüfen, ob stattdessen eine Verurteilung wegen versuchten Mordes aus niedrigen Beweggründen in Betracht kommt. Weiter hat das Gericht darauf hingewiesen, dass neben dem versuchten Tötungsdelikt eine Verurteilung wegen einer gleichzeitig begangenen gefährlicher Körperverletzung in Betracht kommt, wobei die Annahme von folgenden drei Erschwernisgründen bei der Körperverletzung zu prüfen sei: Verwendung einer Waffe, gemeinschaftliche Begehung, lebensgefährliche Behandlung.
Der Angeklagte soll wegen Steuerhinterziehung vorbestraft sein. Er befindet sich im vorliegenden Verfahren in Untersuchungshaft. Für versuchten Mord sieht das Gesetz im Regelfall eine Freiheitsstrafe von drei bis 15 Jahren vor.
Für das Verfahren sind insgesamt acht Hauptverhandlungstage bis zum 18. Juli vorgesehen: 20., 24. Mai, 17., 21. Juni, 1., 2., 17. und 18. Juli, jeweils um 9 Uhr.

Sicherheitsmaßnahmen

Das Gericht hat besondere Sicherheitsmaßnahmen für den Sitzungssaal angeordnet. Die zusätzliche Einlasskontrolle am Sitzungssaal beginnt jeweils 30 Minuten vor Beginn der Sitzung. Jeder Zuhörer muss sich mit einem amtlichen Ausweis ausweisen und wird bis zum Schluss der Sitzung mit seinen Personaldaten registriert.
Darüber hinaus hat der Präsident des Landgerichts für alle Sitzungstage ein sogenanntes „Kuttenverbot“ angeordnet, nach dem das Tragen oder Mitführen von Abzeichen, Emblemen etc. verschiedener Rockergruppierungen im Justizzentrum verboten ist. Die Stadt Hagen hat für das Gebiet rund um das Landgericht ebenfalls ein Kuttenverbot an den Sitzungstagen angeordnet, zu dessen Durchsetzung die Polizei vor Ort sein wird.

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