Zero Waste: Elisabeth Koch interessiert sich für Carsharing
Ich habe kein Auto mehr

Die Hattingerin Elisabeth Koch hat ihr Auto abgeschafft. Sie würde sich aber gern an einem Carsharing-Modell beteiligen. Foto: Pielorz
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Zu Fuß unterwegs war die ehemalige Hattinger Stadtführerin schon immer gern. Als Mutter von zwei erwachsenen Kindern war das zwar nicht immer möglich, doch auch in den Jahren, als die Kinder klein waren, fuhr sie bereits mit Bus und Bahn durch das Ruhrgebiet. Seit über vierzig Jahren wohnt Elisabeth Koch in Hattingen. Ihre Wohnung in der Innenstadt macht Einkaufen und Arztbesuch fußläufig möglich. Ihr Auto hat sie jetzt abgeschafft.
„ich bin immer ganz gerne Auto gefahren, aber es wurde in den letzten Jahren auch immer weniger. Bis Herbst letzten Jahres habe ich noch regelmäßige Fahrten nach Wattenscheid zu meiner Mutter unternommen. Als sie dann im Alter von 92 Jahren verstarb, stand das Auto eigentlich im Wesentlichen unbenutzt vor der Haustür“, erzählt sie und fügt hinzu: „Meine Mutter hat ihr Auto m Alter von 90 Jahren abgegeben. In den Jahren davor bin ich gemeinsam mit ihr in ihrem Auto zum Einkaufen gefahren. Sie wollte das Auto damals einfach so lange wie möglich behalten. Ich denke, das hat im Alter auch viel mit Unabhängigkeit zu tun. Notwendig war es nicht.“
Deshalb hat sich Elisabeth Koch auch für einen anderen Weg entschieden. Berufstätig ist sie nicht mehr und für die täglichen Einkäufe geht sie zu Fuß. „Sollte das aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr möglich sein, kann man sich das ein oder andere auch liefern lassen“, meint sie. Und Mietwagen gäbe es für weitere Wege oder den Einkauf sperriger Dinge ja auch noch. Das Auto als Statussymbol war für Elisabeth Koch nie wichtig – die einsamen Rennpisten und die versprochene Freiheit sind ja im Stadtverkehr auf deutschen Straßen auch eher selten zu finden. Deshalb interessiert sich die Hattingerin auch für Carsharing.

Interesse an Carsharing

Carsharing empfiehlt sich da als die moderne und perfekte Lösung. Wobei vom ursprünglichen Gedanken – ein paar Privatleute teilen sich ein Auto – wenig übriggeblieben ist. Stattdessen tummeln sich eine ganze Reihe großer Anbieter mit unterschiedlichen Konzepten und Preismodellen auf dem Markt. Ihr Versprechen klingt so verlockend wie einfach: Per Smartphone-App ein Auto in der Nähe aussuchen, einsteigen, losfahren und es irgendwo wieder abstellen, wo es der nächste Kunde übernehmen kann. Das Ganze natürlich zum Sparpreis. Doch klappt das bei Car2Go, DriveNow und Flinkster tatsächlich so einfach? In Metropolregionen und Großstädten wird Carsharing immer beliebter, denn dort funktioniert es gut. Allerdings – und das haben viele Tests ergeben - markieren Stadtgrenzen auch meist das Ende des Carsharing-Traums, denn auf dem Land funktioniert das Prinzip in der Praxis einfach nicht. Dort müssten die Anbieter so viele Fahrzeuge zur Verfügung stellen, dass sich das Geschäftsmodell nicht mehr rechnen würde – weder für die Kunden noch für die Anbieter. Deshalb sind die Carsharing-Dienste nur sehr vereinzelt außerhalb der großen Städte zu finden – und das dürfte auch so bleiben. In dicht besiedelten, verkehrsreichen Gegenden können DriveNow & Co. für Gelegenheitsfahrer aber die Anschaffung eines eigenen Autos überflüssig machen. Wer jedoch häufig ein Auto braucht, muss genau rechnen: Für Fahrer, die über die Jahre viele Kilometer zurücklegen, ist das eigene Auto trotz der Anschaffungskosten am Ende dann doch günstiger. Doch Vielfahrer ist Elisabeth Koch nicht. „In Hattingen gibt es aber bis jetzt keine Carsharing-Modelle. Ich würde das sehr begrüßen. Selbstverständlich nutze ich den öffentlichen Nahverkehr, aber das ist nicht immer komfortabel. Mein Sohn wohnt in Kiel, dorthin bin ich mit der Bahn unterwegs. Hier würde ich mir schon wünschen, ab und zu auf ein Auto zugreifen zu können. Es lohnt sich für mich aber definitiv nicht, ein eigenes Fahrzeug zu unterhalten.“
Wobei sie verstehen kann, dass Berufstätige oder auch Menschen, die nicht innenstadtnah wohnen, oft nicht auf ihr Auto verzichten wollen. „Ich gehe gerne einkaufen und bin in der Stadt unterwegs. Das Onlineshoppen ist überhaupt nicht meins. Ich habe zwar Internet und einen Laptop, beides aber schon ewig nicht mehr genutzt. Für mich sind auch Fahrrad, E-Bike oder E-Scooter keine Alternativen. Meinen Führerschein abgeben würde ich auch nicht. Aber ich will und brauche einfach kein eigenes Fahrzeug.“
Schon im letzten Jahr hat die Hattinger Wohnstättengenossenschaft (hwg) unter ihren Mitgliedern eine Umfrage durchgeführt, wie zum einen die grüne und parkähnliche Struktur der Südstadt erhaltenswert wäre, gleichzeitig aber auch die angespannte Parksituation verbessert werden könnte. Die Bewohner lieferten viele Ideen – darunter auch „Carsharing“.

Autor:

Dr. Anja Pielorz aus Hattingen

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