Frauen-Football: Alles außer Prügelei

Die „Bochum Miners“. Ausgelaugt nach zwei Stunden harten Trainings immer noch bereit zum Anfeuern. Foto: Winkelnkemper
2Bilder
  • Die „Bochum Miners“. Ausgelaugt nach zwei Stunden harten Trainings immer noch bereit zum Anfeuern. Foto: Winkelnkemper
  • hochgeladen von Roland Römer

(von Alex Winkelnkemper)

Das Krachen von Helmen, Anfeuerungen vom Rand, dazwischen immer wieder drei Worte: „Down. Set. Hut!“ Es geht gut zur Sache beim Frauen-Footballteam „Bochum Miners“. Unter den 28 Spielerinnen ist auch die 22-jährige Sabrina Vieten aus Sprockhövel.
Es ist nasskalt auf dem Trainingsplatz, der Kunstrasen ist feucht und das kalte Licht der Flutlichtstrahler spendet auch keine Wärme. Aber während ich mir die Füße einfriere und die Kamera in klammen Fingern halte, schwitzen sich die Mädels zu Tode.
„Ich sterbe!“, meint Sabrina nach zwei Stunden Training. Spielzüge, Pässe, Defensive: Alles wird geübt. Mit 15 Kilo Protektoren am Körper wird das eben anstrengend.
Und Gnade ist nicht drin bei Headcoach Mike Barnstorf. Zusammen mit Assistenztrainer Benjamin Swoboda jagt er die Mädchen über den Platz – immer mit einem Lächeln, immer locker drauf, aber eben auch immer mit einem Trainingsgedanken.
Dabei ist beim Football vor allem Köpfchen gefragt: „Football ist Schach auf dem Rasen“, erklärt Franzi Luhn, die Vorstandsvorsitzende des Vereins. Selbst spielt sie seit rund elf Jahren.„Es gibt drei Millionen Regeln. Bis heute habe ich noch nicht alle raus“, lächelt sie. Das liegt aber auch daran, dass jede Spielerin sich spezialisiert: „Hier kann echt jede mitmachen. Ob groß, klein, dick oder dünn – für jede Spielerin gibt es spezielle Aufgaben im Team“, erzählt sie.
Und die wollen präzise erledigt sein: Vorher wird abgesprochen, wer wann wohin läuft, wo der Ball ankommt, wo er hin soll. Dafür gibt es Handzeichen, Schlagworte, kleine Gesten. Die meisten davon sind auf Englisch und von Verein zu Verein unterschiedlich. Jede Kleinigkeit ist dabei spielentscheidend.
So üben die Mädchen zum Beispiel, einer festen Laufroute zu folgen, um dann an einem vorher bestimmten Punkt einen Pass entgegen zu nehmen. Oder sie trainieren, den Weg frei zu blocken, um möglichst frei zur nächsten Zehn-Yard-Markierung zu kommen – um dann nach langem und kraftraubendem Vorwärtsbewegen hoffentlich einen Touchdown zu erzielen.
Der Gegner weiß im Idealfall gar nicht, was da gerade passiert. Bei den Frauen der „Bochum Miners“ klappt das offenbar gut: Sie sind Meister der zweiten Bundesliga. In diesem Jahr wollen sie den Titel verteidigen.
„Wir hätten zwar aufsteigen können, aber wir waren zu wenige Leute im Team“, erklärt Franzi Luhn. „Natürlich hätten wir einfach irgendwen auf die Liste schreiben können, um mitspielen zu dürfen, aber das entspricht nicht unserer Philosophie! Außerdem wären unsere Spielerinnen dann mangels Ersatzbank viel zu lange auf dem Feld, das wird dann auch irgendwann gefährlich.“
Und deshalb kam auch die Sprockhövelerin Sabrina Vieten mit zum Team: Anfang des Jahres gab es ein offenes Training. Sabrina erfuhr davon durch eine Freundin im Eishockey-Verein und kam mit. Sofort war sie begeistert. „Das macht einen Riesenspaß“, meint sie.
„Klar, in den ersten Einheiten habe ich kein Wort verstanden, wusste auch nicht so wirklich wohin mit mir, aber mittlerweile weiß ich immerhin, was ich zu tun habe.“
Und das reicht auch erstmal: Die Taktik bestimmen die Trainer, der Rest ist ge­plant und antrainiert. Zurzeit steht die 22-jährige in der Offense Line, sozusagen an vorderster Front. Und da gefällt es ihr gut. Sie strahlt: „Ich bleibe auf jeden Fall dabei!“

Die „Bochum Miners“. Ausgelaugt nach zwei Stunden harten Trainings immer noch bereit zum Anfeuern. Foto: Winkelnkemper
Sieht härter aus, als es ist: Sabrina (Trikot-Nummer 67) blockt eine Gegenspielerin. Verletzungen sind aber selten, dafür gibt es ja schließlich Protektoren. Foto: Winkelnkemper
Autor:

Roland Römer aus Hattingen

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

4 folgen diesem Profil

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.