Elternintegrationskurs: Hier lernen die Eltern Deutsch

Das sind die Teilnehmer des ersten Hattinger Elternintegrationskurses in Zusammenarbeit mit der Caritas. Durchgeführt wurde er von Berlitz, zur Hälfte finanziert durch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge. Neben den Teilnehmern sind auf dem Foto in der hinteren Reihe (Vierte .v.l.) Dr. Bettina Gneisse (Berlitz), daneben Rolf Erdmeier vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge. In der ersten Reihe mit den roten Schuhen Kursleiterin Müzeyyen Atescelik.         Foto: Pielorz
  • Das sind die Teilnehmer des ersten Hattinger Elternintegrationskurses in Zusammenarbeit mit der Caritas. Durchgeführt wurde er von Berlitz, zur Hälfte finanziert durch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge. Neben den Teilnehmern sind auf dem Foto in der hinteren Reihe (Vierte .v.l.) Dr. Bettina Gneisse (Berlitz), daneben Rolf Erdmeier vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge. In der ersten Reihe mit den roten Schuhen Kursleiterin Müzeyyen Atescelik. Foto: Pielorz
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Jeden Wochentag von 9 bis 13 Uhr haben sie gepaukt: Im Pastor-Schoppmeier-Haus trafen sie sich rund neun Monate zum ersten Hattinger Elternintegrationskurs. 945 Unterrichtsstunden haben sie Deutsch gelernt. Zwanzig Menschen mit Migrationshintergrund, darunter drei Männer, haben gelernt und 17 von ihnen haben es geschafft. Sie halten ihr Zertifikat in den Händen.

Justyna Morgas (32) ist eine von ihnen. Die junge Polin lebt seit mehr als zwei Jahren in Deutschland und hat eine Tochter im Kindergartenalter. „Ich möchte mein Kind verstehen und habe deshalb den Kurs gemacht“, erklärt sie. Außerdem hofft sie, mit den neuen Sprachkenntnissen auch einen Beruf zu bekommen und als Betreuerin in der Altenpflege eingesetzt zu werden.
Diana Ratri (32) kommt aus Indonesien. Lange hat sie mit ihrem deutschen Mann dort gelebt. Vor einem Jahr kam das Paar zurück nach Deutschland. „Es war klar, dass ich die Sprache lernen muss. Ich habe zwei Kinder. Mein Sohn besucht bereits die Schule, meine Tochter geht in den Kindergarten.“
Auch für sie ist das Verste­hen im Alltag und die Unter­stützung ihrer Kinder beson­ders wichtig. „Außerdem spricht meine Schwiegermutter kein Indonesisch und hat immer zu mir gesagt, ich müsse Deutsch lernen“, lacht sie.
Genauso erfolgreich ist auch Sima Al-Dajani. Die 39jährige kommt aus Jordanien und wohnt seit drei Jahren in Deutschland. Ihr Mann, ebenfalls gebürtiger Jordanier, aber mittlerweile deutscher Staatsbürger, lebt schon seit 27 Jahren in der Bundesrepublik. Er arbeitet als Diplom-Ingenieur.
„Ich wollte mit meinem Mann wieder zusammenleben. Deshalb bin ich nach Deutschland gekommen“, erzählt sie. Und natürlich will auch sie ihr Kind besser verstehen und ihm helfen können. „Etwas Deutsch konnte ich schon, als ich hierher kam, denn für mein Visum musste ich deutsche Sprachkenntnisse nachweisen.“
Während EU-Bürger nicht zwingend einen Sprachkurs nach dem Zuwanderungsgesetz aus dem Jahr 2005 absolvieren müssen, ist dies Pflicht für Bürger aus Nicht-EU-Staaten. Wird dieser Pflicht nicht gefolgt und ist man nicht mit einem deutschen Staatsbürger verheiratet, droht im schlimmsten Fall die Ausweisung.
„Die meisten Kursteilnehmer möchten sich in den Alltag integrieren. Sie möchten ihre kindergarten- und schulpflichtigen Kinder verstehen und ihnen auch mal helfen können bei ihren Aufgaben“, erklärt Dr. Bettina Gneisse, die seit dreißig Jahren im Bereich Deutsch als Fremdsprache arbeitet und seit 2005 für die Organisierung und Durchführung der Integrationskurse bei Berlitz-Sprachschulen zuständig ist.
Der Elternintegrationskurs unterscheidet sich von einem Integrationskurs vor allem in den Inhalten. „Es geht um Familie, Bildung, Schulsystem, Erziehung – alles Dinge, die in manchen Kulturen auch eindeutig der Frau zugesprochen werden. Deshalb besuchen auch wesentlich mehr Frauen diese Kurse“, vermutet sie.
Die Teilnehmer des Hattinger Elternintegrationskurses kamen unter anderem aus der Türkei, Polen, Russland, Mali, Irak, Ukraine, Jordanien, Indonesien. Von Anfang 20 bis 61 Jahre alt reichte das Alter der Teilnehmer.
„Die Kenntnisse der deutschen Sprache sind in verschiedenen Kategorien unterteilt. Sie reichen von A1 und A2 über B1 und B2 bis hin zu C1 und C2. Letztere sind vergleichbar mit den Kategorien ,Muttersprachler‘ oder ,Hochschulniveau‘. Hier haben acht Personen B1-Kenntnisse erreicht und das ist sehr gut. Das Niveau B1 reicht aus für einen Aufenthaltstitel und eine eventuelle Einbürgerung“, berichtet Dr. Bettina Gneisse.
Die jungen Frauen fanden Deutsch jedenfalls ziemlich kompliziert. Vor allem die Grammatik fiel ihnen schwer. „Unsere Kinder haben uns in Vokabeln abgefragt und uns abgehört“, lachen sie. Und Hausaufgaben gab es natürlich auch. Manchmal sogar ziemlich viele.
Trotzdem haben die Teilnehmer mehr gelernt als die deutsche Sprache. Es sind Freundschaften entstanden und die Frauen gehen selbstbewusst miteinander um. Man will sich untereinder weiter treffen.
Alle sind sich einig: Die deutsche Sprache ist eine Grundvoraussetzung, um sich hier wohl zu fühlen und den eigenen Kindern hier helfen zu können.

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